01. März 2019
01.03.2019

Wie ein Musiker es von den Straßen Palmas zu DSDS schaffte

Die MZ hat den Neuseeländer Nick Ferretti vor seinem Recall am Samstag (2.3.) getroffen. Auf dem Bildschirm kam er seinem Traum ein Stückchen näher, einmal vor ganz, ganz vielen Menschen aufzutreten

01.03.2019 | 13:30
Wie ein Musiker es von den Straßen Palmas zu DSDS schaffte
Nick Ferretti in der Maha-Lounge in Peguera. Sonst ist er häufig vor dem Real-Madrid-Shop auf dem Rathausplatz anzutreffen.

Den Bewohnern von Palma de Mallorca ist Nick Ferretti (29) schon länger bekannt, doch es war Dieter Bohlen, der den Straßenkünstler für das deutsche Fernsehen entdeckte und ihn zu „Deutschland sucht den Superstar" einlud. Ferretti trat dort am Samstag (2.3., 20.15, RTL) beim Recall an. Wir treffen ihn zuvor in der Maha-Lounge in Peguera, wo er (noch) jeden Dienstagabend auftritt.

Sie stammen aus Nelson in Neuseeland. Kommen viele Musiker von dort?
Nicht wirklich. Ich bin der erste, der bei einer deutschen Musikshow mitmacht. Nelson ist eine großartige, kleine Stadt am Strand.

Sind Sie dort eine lokale Berühmtheit?
Nein, ich habe ein paar Interviews gegeben, als mein Album „Back To The Dust" herauskam. Ein Freund von mir ist bei der Tour de France mitgefahren und wesentlich bekannter als ich. Und der Kerl, der die Atome gespaltet hat, Ernest Rutherford. Der kommt ebenfalls aus Nelson. Ich habe also noch zwei vor mir (lacht).

Mit zehn schenkte Ihnen Ihr Vater eine Gitarre. Der Startschuss Ihrer Karriere?
Ich war erst einmal enttäuscht und wusste nicht, was ich damit anfangen sollte. Wie sollte ich damals auch wissen, dass es das beste Geschenk war, das ich jemals bekommen sollte.

Sie haben sich das dann selbst beigebracht?
Mein Vater zeigte mir ein paar Akkorde, ich lernte ein paar Songs. Dann fing ich an, auf der Straße zu spielen und dachte: Cool, es macht Spaß und man wird dafür auch noch bezahlt.

Da waren Sie zehn?
Ja, wir haben einen kleinen Markt in unserer Stadt, da habe ich mich hingestellt und ziemlich laut und schlecht ein paar Songs gesungen. Aber die Leute haben sich umgedreht und mir ein paar Münzen gegeben.

Hatten Sie jemals einen regulären Job?
Ja, viele. Etwa als Möbelpacker. Oder bei KFC, wo ich Burger gemacht habe. Ich hielt aber nicht lange durch. Das, was ich in einer Woche bei KFC verdiente, konnte ich an einem Tag mit der Gitarre auf dem Markt einnehmen.

Warum verließen Sie Neuseeland?
Mit 19 oder 20 zog ich zunächst nach Melbourne. Dort testete ich zum ersten Mal, ob ich als Straßenkünstler überleben kann. Nach einer Woche war meine Stimme weg. Aber dann besorgte ich mir einen Lautsprecher.

Sie sind verheiratet, haben zwei Kinder. Wie verschlug es Sie nach Mallorca?
Vor drei Jahren waren wir in England, um die Familie meiner britischen Frau zu besuchen. Wir haben von dort aus auf Mallorca Ferien gemacht, und ich habe ein bisschen mit der Gitarre gesungen. Es lief sehr gut. Dann kam die Idee auf, dass wir vielleicht genug Geld verdienen können, um hier zu leben. Mallorca ist großartig, die Stimmung ist toll. Überall sonst in Europa würde ich mir als Straßenkünstler gerade den Hintern abfrieren. Aber es ist auch gerade eine seltsame Zeit ...

... was meinen Sie?
Das Rathaus will Straßenmusik in der gesamten Altstadt von Palma verbieten. Das ist wirklich hart, für viele Künstler. Ich kann noch nicht abschätzen, was das wirklich bedeutet. Ich war beim Rathaus und habe gefragt, aber niemand konnte mir dazu Näheres sagen. Es würde mich auf jeden Fall betreffen, weil mein Lieblingsplatz in der Altstadt bei dem Real-Madrid-Shop ist.

Dort hat auch Bohlen Sie gesehen, ein Video von Ihnen gemacht und auf Instagram gepostet. Haben Sie das mitbekommen?
Nein, erst einmal nicht. Als ich später auf mein Instagram-Account geschaut habe, hatte ich statt drei Follower plötzlich 300. Dann wurden es 3.000. Ich dachte: Was ist denn da los? Dann bekam ich die Einladung zur Show.

Irgendeine Vorstellung davon, wie sehr ein DSDS-Sieg Ihr Leben verändern würde?
Ich bekomme jetzt schon mehr Aufmerksamkeit, die Leute kommen auf mich zu und wollen mit mir reden. Wahrscheinlich würden sich die Menschen in Deutschland eine Zeit lang an meinen Namen erinnern. Aber um dann nicht wieder aus den Köpfen zu verschwinden, muss man selbst an sich arbeiten.

Sie könnten öfter in Lounges auftreten.
Nein, ich spiele lieber auf der Straße, ich verdiene dort ein Großteil meines Geldes. Die Leute sind in Bewegung, kommen vorbei, kaufen vielleicht eine CD, hören kurz zu und gehen weiter. Wenn man in einer Bar spielt, ist man unwiderruflich mit den Leuten zusammen.

Haben Sie sich schon mal vorgestellt, in einem Stadion zu spielen wie Ihr Vorbild ­Bruce Springsteen?
(lacht) Ja, es ist eine kleine Fantasie. Manchmal schließe ich beim Spielen die Augen und stelle mir vor, in einem Stadion zu sein (macht Jubelgeräusche). Vielleicht als Auftakt für Bayern München: „I love you, Bayern München!" Eher nicht. Vielleicht, wenn ich DSDS gewinne. Man weiß ja nie.

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