„Es gibt Neuigkeiten in ihrer Corona-Warn-App“. Wann hatten Sie zuletzt eine solche Meldung auf ihrem Smartphone? Gut zwei Jahre ist es nun her, dass die App vorgestellt wurde, "kein Allheilmittel und kein Freifahrtschein – aber ein wichtiges Werkzeug für die Eindämmung des Virus", so die Worte des damaligen Bundesgesundheitsministers Jens Spahn im Juni 2020.

Die mildere Omikron-Variante des Coronavirus nahm vielen Menschen in Deutschland und auf Mallorca seither zumindest zeitweise den Schrecken der Pandemie. Masken verschwinden aus dem Alltag, mit den Abstandsregeln nimmt man es auch nicht mehr so genau. Doch was ist mit der "Corona-Warn-App"?

"Die Corona-Warn-App spielt auch in dieser Phase eine wichtige Rolle", gab das Bundesgesundheitsministerium auf MZ-Anfrage zu verstehen und ergänzt, dass "auch im Sommer nicht mit einem kompletten Abflauen des Infektionsgeschehens zu rechnen" sei. Am Donnerstag (12.5) lag die Inzidenz in Deutschland bei 502,4 und in Spanien bei 225,5. Daher ist es auch nicht verwunderlich, dass die App immer noch dort anschlägt, wo sich Menschen näher kommen, beispielsweise im Urlaub auf Mallorca.

Jeder fünfte hat auf Mallorca mehr Risikobegegnungen

Zu Erfahrungen und Umgang mit der App befragten wir am Mittwoch (11.5.) die MZ-Community auf Instagram. 870 Nutzerinnen und Nutzer nahmen teil, viele weitere gaben ihre Einschätzungen zur App via Direktnachricht weiter. Immerhin 38 Prozent der Befragten schauen noch regelmäßig in die Corona-Warn-App, um ihren Risiko-Status zu checken. Dem gegenüber stehen allerdings auch 32 Prozent, welche die App längst deinstalliert haben. Jeder fünfte Nutzer beobachtet auf Mallorca, dass er häufiger Risikobegegnungen mit nachweislich positiv getesteten Menschen hatte, während knapp über die Hälfte der Befragten angab, dass auch auf der Insel "alles im grünen Bereich" sei.

Nutzen Sie die Corona-Warn-App auch im Urlaub auf Mallorca?

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Wenn man auf Mallorca eine Begegnung mit einer nachweislich positiv getesteten Person hatte, verfallen laut MZ-Umfrage nur die wenigsten in Angst. So sagten 63 Prozent der Menschen, dass diese Meldungen nichts an ihrem Verhalten ändern würden. Immerhin jeder fünfte Befragte isoliert und testet sich nach eigenen Angaben bei roter Warn-App.

Echte Waffe oder stumpfes Schwert?

"Die App speichert nicht, welche Person Sie getroffen haben und wo das war. Alle Daten der beteiligten Personen bleiben geheim", heißt es aus dem Ministerium auf die Frage, ob Urlaubsregionen wie Mallorca zunehmend zum Problem für die Pandemiebekämpfung werden könnten. Man möchte jedoch weiter für die Nutzung der App werben: "Bei niedrigen und mittleren Inzidenzen zeigt sich eine hohe Wirksamkeit zur Unterbrechung von Infektionsketten."

Bis einschließlich Ende Februar wurde die Corona-Warn-App 43,2 Millionen Mal heruntergeladen, etwa 25 Millionen aktive Nutzer schätzen die Betreiber. Damit sei man im europäischen Vergleich der Warn-Apps in einer Spitzenposition. Dem gegenüber stehen die Erfahrungen der Befragten, wonach viele die App deinstalliert haben oder selbst bei Risikobegegnungen in gewohnter Manier ihren Alltag begehen. So könnte die als echte Waffe angekündigte App zunehmend zum stumpfen Schwert in der weiteren Pandemiebekämpfung werden.