31. Juli 2019
31.07.2019
Mallorca Zeitung

Was die Hitze auf Mallorca mit uns macht

Ein Internist erklärt, was bei hohen Temperaturen mit unserem Körper geschieht

31.07.2019 | 10:34
Trinken kann vielen Risiken vorbeugen

In den Sommermonaten kann man der Sonne auf Mallorca kaum entgehen. Einerseits wirken sich die Sonnenstrahlen positiv auf die Stimmung aus, Schmerzen in den Gelenken werden gelindert, verkrampfte Muskeln entspannt und die Nerven beruhigt. Auf der anderen Seite können hohe Temperaturen aber auch vor allem bei älteren Mitbürgern teils gravierende Probleme verursachen. Patienten mit Bluthochdruck oder einer Herzschwäche leiden besonders darunter.

Der Temperatur-Regler

Der menschliche Körper arbeitet wie ein „Heizkörper", die normale Körpertemperatur beträgt in der Regel um die 37 Grad. Die  Bewegungen der Skelettmuskeln, die Tätigkeit der inneren Organe und die chemischen Stoffwechselprozesse produzieren Wärme, die abgegeben werden muss.

Um die Prozesse im Körper am Laufen zu halten, muss die Temperatur genau geregelt werden. Dafür ist eine spezielle Region im Gehirn – der Hypothalamus – zuständig. Dieser aktiviert bei Anstieg der Körpertemperatur die 2 bis 4 Millionen Schweißdrüsen in der Haut, die dann Schweißwasser durch die Poren absondern. Durch die Verdunstung des Schweißes auf der Haut wird diese gekühlt und somit die Körpertemperatur nach unten reguliert.

Je geringer der Temperaturunterschied zur Umgebung ist, desto geringer fällt eine ausreichende Verdunstung des Schweißwassers aus, und umso weniger kann die überschüssige Hitze abgegeben werden. Die Folge ist eine Überwärmung unseres Körpers.

Der Blutdruck

Neben einer Verstärkung der Schweißabsonderung, welche das Blutvolumen relevant verringern kann, erweitern sich bei Hitze auch die Blutgefäße. Im Prinzip macht demnach die Hitze das Gleiche, was auch blutdrucksenkende Medikamente machen. Die Folge ist, dass die gleiche Blutmenge nun mehr Platz hat, was einen Abfall des Blutdrucks nach sich ziehen kann. Dies erklärt, warum Schwindelgefühle und Kreislaufprobleme viele Menschen bei sommerlicher Hitze belasten.

Sprechen Sie mit Ihrem Arzt, wenn Sie blutdrucksenkende und insbesondere wassertreibende Medikamente (Diuretika) einnehmen. Letztere führen zu einer vermehrten Ausscheidung von Wasser über die Nieren, was letztlich das Problem niedriger Blutdruckwerte verstärken könnte. Sehr wahrscheinlich wird Ihnen der Arzt zu einer Pausierung dieser Diuretika über die heißen Monate raten.

Wann es gefährlich wird

Sinkt der Blutdruck zu stark ab, kommt es zu Schwindelattacken, im schlimmsten Fall zu einer Bewusstlosigkeit (Hitzekollaps), da das Gehirn nicht mehr genug Blut erhält.

Doch kann starkes Schwitzen an besonders heißen Tagen ebenso gefährlich für die Gesundheit werden wie der niedrige Blutdruck. Grund dafür ist der Flüssigkeits- und Mineralstoffverlust. Wer schwitzt, verliert große Mengen Salze. Zunächst führt der Mangel an Mineralstoffen im Muskel zum Hitzekrampf.  Ohne Mineralstoffe kann der Muskel seine Arbeit nicht machen. Bei Bewegung in großer Hitze beginnen die Muskeln zu schmerzen und sich zu verkrampfen.

Der Sonnenstich

Durch eine zu intensive Sonneneinstrahlung auf den Kopf oder Nacken werden die Hirnhäute gereizt, zusätzlich lösen bestimmte Botenstoffe dann auch eine Entzündung der Gehirnhäute aus. Betroffen sind meist Menschen mit geringer Kopfbehaarung, aber auch vor allem Säuglinge und Kleinkinder, bei denen außerdem noch der Schädelknochen dünner ist als bei Erwachsenen. Typische Anzeichen für einen Sonnenstich sind Schwäche, Schwindel, Ohrensausen, starke Kopfschmerzen, Nackenschmerzen, Nackensteifigkeit und ein geröteter, heißer Kopf. Die Beschwerden entwickeln sich schleichend. Die Symptome treten typischerweise erst einige Stunden nach dem Aufenthalt in der Sonne auf.

Der Hitzschlag ist die gefährlichste Komplikation eines Sonnenstichs. Steigt die Körpertemperatur über 40 Grad, kann es zu einer lebensbedrohlichen Situation kommen, vor allem wenn in schweren Fällen auch das Gehirn selbst in Mitleidenschaft gezogen wird. Hier kommt es zu einer Schwellung des Gehirns, gefolgt von Unruhe, Übelkeit und Erbrechen bis hin zu Bewusstseinsstörungen und Atemstörungen, im Extremfall kann der Hitzschlag zu einem Koma und zum Tode führen.

Wie vorbeugen?

Vermeiden Sie einen Flüssigkeitsmangel: Achten Sie auf eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr von ca. 1,5–2 Liter Wasser oder Tee. Bei starker Schweißneigung können auch Mineralstoffe hinzugefügt werden. Verringern Sie den Alkoholkonsum. Sollten Sie unter einer Herzschwäche leiden, wird Ihnen Ihr Arzt die für Sie optimale Flüssigkeitsmenge festlegen. Eventuell wird er auch ein Pausieren der wassertreibenden Medikation empfehlen.
Achten Sie auf eine leichte Ernährung: Vermeiden Sie schwere Mahlzeiten. Salat, Fischgerichte mit viel Gemüse oder Obst liegen nicht schwer im Magen.

Bewegen Sie sich nur in Maßen: Vermeiden Sie Anstrengungen in der Mittagshitze und verlegen Sie Ihre sportlichen Tätigkeiten auf die frühen Morgenstunden oder auf den Abend. Eine Siesta im Schatten stärkt das Immunsystem und hält sie auch mental fit.

Achten Sie auf einen ausreichenden Schutz vor Sonnenstrahlen: Meiden Sie Sonnenbäder um die Mittagszeit. Bedecken Sie Kopf und Nacken am besten mit hellen Hüten, Kappen oder Tüchern, die Luft zur Kühlung durchlassen. Tragen Sie eine helle, luftige Kleidung und benutzen Sie öfters Sonnencremes mit hohem Lichtschutzfaktor.

Dr. med. Luai Chadid ist Internist und Kardiologe. Er arbeitet an der Clínica Picasso in Palma.

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