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Mallorca Zeitung

Brand an der Playa de Palma auf Mallorca: Was wir aktuell wissen und was nicht

Ein Brand in einem Lokal, 13 festgenommene deutsche Urlauber, eine fassungslose Wirtin und triste Aussichten für die Tatverdächtigen: Die Playa de Palma war in den vergangenen Tagen ordentlich in Aufruhr

Das Ausmaß der Zerstörung auf der Terrasse des „Why not Mallorca“ von Alice Klotz ist gut zu erkennen. | FOTO: CLARA MARGAIS/DPA

Noch ist nicht zweifelsfrei geklärt, was am Freitagnachmittag (20.5.) am östlichen Ende der Playa de Palma vor sich gegangen ist. Fest steht das Resultat: Beim Brand eines Lokals und eines darunterliegenden Bordells wurden zwei Menschen leicht verletzt. Schuld an dem Vorfall soll eine Gruppe deutscher Urlauber sein.

„Alles anständige Burschen“

Was ist passiert?

Die Männer waren wohl erst um 11 Uhr vormittags am Freitag im Hotel angekommen. Da sie noch nicht auf ihre Zimmer konnten, drehten sie eine Runde. Gegen 14 Uhr kehrten sie, offenbar schon angetrunken, in das Hotel zurück, bezogen ihre Zimmer im zweiten und dritten Stock und feierten auf den Balkonen weiter. Andere Augenzeugenberichte sprechen davon, dass die Männer bereits am Vormittag sichtlich unter Alkoholeinfluss standen. Der mutmaßlich von ihnen verursachte Brand brach gegen 15.20 Uhr aus. Die Bar „Why not Mallorca“ der Deutschen Alice Klotz wurde zerstört, ein darunterliegendes Bordell, eine weitere Bar und das benachbarte Hotel sowie eine Wohnung wurden beschädigt. Das Feuer hatte am Nachmittag für großes Aufsehen bei Urlaubern und Anwohnern an der Playa de Palma gesorgt. Die schwarzen Rauchschwaden waren kilometerweit zu sehen.

Die Feuerwehr konnte den Brand löschen, die Guardia Civil nahm unmittelbar darauf 13 Deutsche fest, die in dringendem Verdacht stehen, das Feuer vorsätzlich oder zumindest fahrlässig verursacht zu haben. Augenzeugen wollen die Männer aus Nordrhein-Westfalen auf ihren Balkonen gesehen haben. Sie sollen Flüssigkeiten, womöglich Bier, und brennende Zigaretten auf das Schilfdach der Bar geschüttet oder geworfen haben. Es scheint Aufnahmen davon zu geben, wie die Männer den Brand ausgelöst haben – woher sie genau stammen – ob von ihnen selbst, von Nachbarn oder von einer Überwachungskamera – ist unklar.

Wer sind die Tatverdächtigen?

Nichtraucher, Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehr, brave Jungs: So lauten die Geschichten aus der Heimat der 13 deutschen Urlauber. Sie sind Mitglieder eines Kegelclubs, größtenteils Mitte 20 (einer ist Mitte 40) und kommen aus Albachten, einem Ortsteil von Münster. „Das sind doch alles anständige Buben“, sagt eine Frau, die die Gruppe gut kennt, gegenüber der MZ. Viele von ihnen seien sogar Mitglieder in der Freiwilligen Feuerwehr. Ihres Wissens würde keiner von ihnen rauchen. Auch bei der Berufsfeuerwehr Münster hießt es: „Nach unseren noch ungesicherten Erkenntnissen gehörten zu der Kegelclub-Reisegruppe auch fünf Mitglieder des Löschzuges Albachten sowie ein Mitglied des Löschzuges Roxel der Freiwilligen Feuerwehr.“ Ein weiteres Mitglied der Reisegruppe arbeite als städtischer Verwaltungsmitarbeiter in Münster.

Nach Angaben des spanischen Anwalts, der die Gruppe betreut, gehe es den Männern „den Umständen entsprechend gut“. Mehrere Angehörige sowie deutsche Anwälte haben sich nach Informationen der Zeitung „Westfälische Nachrichten“ inzwischen auf den Weg nach Mallorca gemacht.

Wer sind die Geschädigten?

Die Wirtin des „Why not Mallorca“, Alice Klotz, berichtet, dass die Explosion den kompletten Außenbereich verwüstet hat. „Es ist keine einzige Fliese mehr da.“ Sie schätzt den Gesamtschaden auf mindestens 150.000 Euro. Klotz hatte das Lokal erst im Juni 2021 gemeinsam mit ihrem Mann eröffnet. „Was geht in den Köpfen dieser jungen Leute vor?“, fragt sie. Neben dem Lokal wurde auch das darunterliegende Bordell in Mitleidenschaft gezogen. Er habe am Samstag eröffnen wollen, sagte der Besitzer dem „Diario de Mallorca“. Nun müsse er bei null anfangen. Auch eine Mietwohnung wurde durch das Feuer beschädigt. Die Bewohnerin, eine 50-jährige Spanierin, sagte der MZ, dass alles in der Wohnung schwarz gewesen sei: Böden, Wände, Vorhänge, selbst die Gläser in der Küche. Teile der Decke hängen wegen der Hitzeentwicklung herunter.

Was blüht den Tätern nun?

Die Männer verbrachten nach ihrer Festnahme die erste Nacht auf der Polizeiwache und sitzen seit Samstagabend in U-Haft. Bei ihrer ersten Vorführung vor den Untersuchungsrichter am Samstag (21.5.) verweigerten sie kollektiv die Aussage. Der Haftrichter wies sie in Untersuchungshaft ein, ohne die Möglichkeit, auf Kaution freizukommen. Als erschwerend wertete er die mangelnde Kooperationsbereitschaft und dass Menschen in Gefahr gebracht wurde. Er gehe von einer „kollektiven Verantwortung“ aus.

Wie lange die Männer in U-Haft sitzen werden, ist ungewiss. Die Einschätzung des Haftrichters zeigt, dass ihre Karten nicht besonders gut stehen. Die U-Haft kann in Spanien bis zu zwei Jahre betragen und sogar noch einmal zwei Jahre verlängert werden. Der Anwalt Eduardo Luna geht davon aus, dass die Gruppe bis zu einem Prozessbeginn in U-Haft bleiben wird. Ein spanischer Anwalt der Beschuldigten bezweifelt das. Gegenüber „Antenne Münster“ erklärte er, die Richter würden in den nächsten Tagen entscheiden, ob die U-Haft gegen jeden einzelnen der Männer aufrechterhalten bleibt. Bei 13 Beschuldigten könne ein Gericht auch nicht alle gleich behandeln. Mehrere Rechtsanwälte auf Mallorca stehen in Kontakt mit den Familien der Beschuldigten. Unter anderem ist ein Anwaltsbüro aus Bilbao derzeit mit dem Fall betraut.

Eduardo Luna rät den Beschuldigten, einen Vergleich mit der Staatsanwaltschaft zu suchen, der darauf abzielt, den entstandenen Schaden wiedergutzumachen. „Wenn es zu einem Gerichtsverfahren kommt, kann das in diesem Fall böse für die Beschuldigten ausgehen.“ Gerade wenn der Vorwurf im Raum steht, Menschenleben aufs Spiel gesetzt zu haben. Diese Ansicht teilen auch andere Anwälte. Wenn sie angeklagt und der fahrlässigen Brandstiftung für schuldig befunden werden, können die Urlauber zu einem Freiheitsentzug zwischen einem und drei Jahren verurteilt werden. Bei vorsätzlicher Brandstiftung seien Haftstrafen von bis zu sechs Jahren vorgesehen, heißt es. Und wenn das Gericht der Ansicht sei, dass Menschenleben in Gefahr gebracht wurden, könne das Urteil auch deutlich schärfer ausfallen.

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