16. November 2018
16.11.2018

Ohne Lago Júnior läuft bei Real Mallorca nichts

Der Ivorer ist mit 103 Spielen der Profi mit den meisten Einsätzen des Zweitligisten und wohl auch der wichtigste. Mit RCD ist er sogar in die Niederungen der dritten Liga gegangen

16.11.2018 | 01:00
Mit dem Tempo von Lago Júnior können die Gegner nur selten mithalten.

Der FC Barcelona hat Lionel Messi, Paris Saint-Germain hat Neymar und Juventus Turin hat Cristiano Ronaldo. Fast jeder Fußballverein auf dieser Welt hat ein Aushängeschild. Einen Spieler, auf den man sich in entscheidenden Situationen verlassen kann. Beim Zweitligisten Real Mallorca ist das Lago Júnior. Den 27-Jährigen von der Elfenbeinküste kann man mit bestem Gewissen als Star des Teams bezeichnen, auch wenn er sich selbst nicht als solchen sieht.

2009 kam Lago Júnior Wakalibille mit Promoafrica nach Spanien. Das Projekt ermöglicht afrikanischen Talenten den Einstieg in den europäischen Profifußball. Mit 18 Jahren heuerte der Angreifer beim damaligen Erstligisten CD Numancia an, wo er zwar sein Debüt in der Primera División feierte, aber in fünf Spielen lediglich 54 Minuten auf dem Platz stand. Die ersten Jahre waren schwierig für ihn. Numancia stieg ab, doch auch in der zweiten Liga kam Lago Júnior nur auf wenig Spielzeit. In der Saison 2010/2011 lieh Numancia ihn an SD Eibar aus, die damals noch in der dritten Liga spielten. Bei seinem ersten Spiel traf der Ivorer doppelt, fand sich in der Folge dennoch fast immer auf der Bank wieder. Erst in der Spielzeit danach schaffte Lago Júnior bei Numancia in der zweiten Liga den Sprung zum Stammspieler. Über Tarragona und Mirandés kam der Stürmer im Januar 2016 für 300.000 Euro zu Real Mallorca. Es war einer der besten Transfers des Clubs in den vergangenen Jahren.

Lago Júnior überzeugt auf dem Platz mit seiner Dynamik. Kaum ein Gegenspieler kann in der zweiten Liga mit der Geschwindigkeit des Afrikaners mithalten. Zudem ist er körperlich robust und verliert daher auch in Zweikämpfen selten das Gleichgewicht. Egal ob als Flügelspieler oder Sturmspitze eingesetzt, Lago Júnior steht bei fast allen Angriffen von Real Mallorca im Mittelpunkt.

Wenn der 27-Jährige in engen Spielen keinen Geistesblitz hat, so scheint ihn auch niemand anderes zu haben. Er selbst gibt sich bescheiden: „Das sehe ich nicht so, Salva Sevilla und Abdón Prats sind auch entscheidende Spieler." Er selbst hat diese Saison in 13 Spielen bislang fünf Tore erzielt. „In der Abstiegssaison vor zwei Jahren waren es insgesamt sechs. Das will ich nun überbieten", sagt er der MZ.

Als Aufsteiger hat Real Mallorca einen beeindruckenden Saisonstart hingelegt. Nach drei Siegen in den ersten vier Spielen belegte der Inselclub einen Play-off-Platz. Das war dem Verein als Aufstiegsfavorit in den Jahren nach dem Erstligaabstieg 2013 nie geglückt. „Man hat schon in der vergangenen Saison gesehen, dass wir eine starke Gruppe beisammen haben. Und die anderen Teams haben uns sicherlich als Aufsteiger unterschätzt", sagt Lago Júnior.

Mittlerweile scheinen sich die Ligakonkurrenten auf den Neuling eingestellt zu haben. Zusammen mit der Pleite im Pokalhinspiel (1:2 gegen Valladolid, Rückspiel am 5. Dezember) hat Real Mallorca in den vergangenen zehn Spielen lediglich zwei Siege geholt. „Pechsträhne oder Krise würde ich es nicht nennen", so Lago Júnior. „Wir haben in allen Spielen gut gespielt und auch Tore geschossen. Es fällt uns derzeit lediglich schwer, in die Spiele reinzufinden." Sechs von bislang zwölf Gegentreffern kassierten die Mallorquiner in den ersten 15 Minuten. „Vielleicht liegt es an mangelnder Konzentration, vielleicht fehlen aber auch Führungsspieler", sagt der Ivorer.

Dass Real Mallorca doch noch gewinnen kann, zeigten der Club beim 3:0-Heimsieg am Sonntag (11.11) gegen Córdoba. Mit einem Tor und einer Vorlage war Lago Júnior mal wieder der entscheidende Spieler. In der Tabelle belegen die Mallorquiner nun den siebten Platz mit einem Punkt Rückstand auf die Play-off-Plätze. „Auf jeden Fall können wir dieses Jahr die Aufstiegsrunde erreichen", sagt Lago Júnior. „Zu Saisonbeginn haben alle gesagt: Die werden um den Klassenerhalt spielen. Jetzt schau dir an, wo wir stehen."

Die Zuschauer teilen die Euphorie nicht. Gegen Las Palmas, als Erstliga-Absteiger einer der attraktivsten Gegner der Liga, kamen nur 5.795 Zuschauer. Schon der Ex-RCD-Trainer Gregorio Manzano sagte einst: „Wenn Real Mallorca spielt, sitzen die Mallorquiner zu Hause und essen Paella." Ähnlich sieht es Lago Júnior. „Ein Anpfiff 12 Uhr ist für viele Fans unattraktiv. Natürlich wäre es schöner, wenn mehr Leute kommen würden, aber wir können uns nicht beschweren. Die Fans, die kommen, sorgen für eine gute Stimmung."

Am letzten Tag dieses Jahres feiert Lago Júnior seinen 28. Geburtstag. Dieses Alter wird oft als der Höhepunkt der Leistungsfähigkeit eines Profifußballers angesehen. Wenn der Ivorer also noch mal in der ersten Liga spielen will, müsste er sich eigentlich beeilen. „Es gibt viele Fälle, in denen Spieler mit 30 Jahren in der ersten Liga debütiert haben oder zurückgekehrt sind. Wenn ich in der Primera División spiele, dann mit Mallorca", sagt er.

Diese Vereinstreue zeichnete Lago Júnior nicht immer aus. Nach dem Abstieg in die dritte Liga vor einem Jahr wollte er weiter in der zweiten Liga spielen. „Ich hatte Angebote von Córdoba und Oviedo. Auch ausländische Erstligisten interessierten sich für mich. Das wollte ich aber nicht, da meine Familie sich in Spanien wohlfühlt und ein Wechsel ins Ausland mit viel Papierkram verbunden ist." Die Clubführung von Real Mallorca legte ihr Veto ein. Statt zu streiken, wie es heutzutage bei wechselwilligen Fußballern fast üblich scheint, glänzte Lago Júnior in der dritten Liga.

„Ich war nicht sauer. Der Verein hat mit Vicente Moreno einen Trainer eingestellt, mit dem ich schon in Tarragona zusammengearbeitet hatte. Er hat mir gesagt, dass ich sehr wichtig für sein Team bin. Zudem wurde mein Vertrag verbessert und bis 2021 verlängert."

Gegen Córdoba bestritt Lago Júnior seinen 103. Einsatz für Real Mallorca – mehr als jeder andere Spieler im Kader. Vielleicht kommen ja bald noch Erstligabegegnungen dazu. „Wir können dieses Jahr etwas Schönes schaffen", sagt der Ivorer. Weiter geht es für den Club am Samstag (17.11.) in Zaragoza.

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