Entrevista | Miquel Coll Leiter der Vereinigung der ökologischen Landwirte Mallorcas (Apaema)

Warum Supermärkte auf Mallorca jetzt auf Bio-Abteilungen setzen

Miquel Coll, Vorsitzender der Vereinigung der Öko-Landwirte Mallorcas (Apaema) über den Siegeszug der Bio-Produkte, die Folgen von Corona und Krieg sowie neue und bewährte Projekte

Der Apaema-Vorsitzende Miquel Coll unterrichtet an der Balearen-Universität und arbeitet nachmittags auf seinen Öko-Plantagen.

Der Apaema-Vorsitzende Miquel Coll unterrichtet an der Balearen-Universität und arbeitet nachmittags auf seinen Öko-Plantagen. / NELE BENDGENS

Der Ingenieur Miquel Coll unterrichtet an der Balearen-Universität und besitzt in Marratxí und Santa Eugènia Bio-Baumplantagen. Bereits seit sieben Jahren leitet er die Vereinigung der ökologischen Landwirte Mallorcas (Apaema) mit Sitz in Porreres. Apaema wurde 2006 von 13 Mitgliedern gegründet, heute sind es 530, und jedes Jahr kommen 35 neue hinzu. 18 Prozent der Felder Mallorcas sind derzeit ökologisch bewirtschaftet. Die Vereinigung ist auch für die Veranstaltung „XV Diada d’agricultura ecològica“, den 15. Tag der ökologischen Landwirtschaft, verantwortlich.

Wie beeinflussen die aktuellen Krisen die Öko-Landwirtschaft auf der Insel?

Zu Zeiten des Lockdowns kam es zu einem Boom der Gemüsekisten. Die Kunden sind jedoch schnell zu ihren alten Gewohnheiten zurückgekehrt. Sie haben wenig Zeit und wollen mit einem Großeinkauf alles notwendige im Wagen haben. Deshalb setzen jetzt Supermärkte auf Bio-Abteilungen.

Das ist doch sehr positiv, oder?

Sicher, denn auch namhafte Unternehmen haben Bio als Chance erkannt und betreiben den Anbau ohne Düngemittel oder Insektizide mit dem Zertifikat des Inselrats. Doch es ist ein anderes Geschäftsmodell als das von Apaema. Wir sorgen dafür, dass die Einnahmen der Bio-Landwirte stimmen. Können Bauern von ihrer Arbeit nicht leben, ist dies ein Armutszeugnis für die Gesellschaft. Es muss sich aber noch zeigen, wie sich die aktuellen Preissteigerungen auf die Kalkulationen auswirken. Denn auch ein Öko-Landwirt braucht Treibstoff für seinen Traktor. Es kann aber auch sein, dass Transporte von außen auf die Insel so teuer werden, dass daraus eine neue Chance für Bio-Produkte wird.

Wie werden die Hilfen für die Öko-Landwirte finanziert und wie sehen sie aus?

Wir finanzieren uns zu 60 Prozent aus öffentlichen Mitteln. Damit fördern wir den Anbau ökologischer Lebensmittel, deren Vertrieb und Weiterbildungskurse. Für die Finanzierung müssen wir Pläne einreichen, wie beispielsweise für die Manufaktur für Honig und Konserven in Binissalem.

Was hat es mit der Manufaktur auf sich?

Zu Anfang war es eine Versuchsküche für Rezepte. Heute liefern die Bio-Landwirte dort ihr Obst und Gemüse zum Haltbarmachen ab, sie können die Manufaktur aber auch mieten. Mittlerweile wird es dort richtig eng. Kürzlich bekamen wir Mittel für eine größere Profiküche auf einer Finca genehmigt. Dort könnte auch die Kooperative „Pageses Ecologicos de Mallorca“ ihren Sitz bekommen. Sie hat sich aus der Intiative für das Öko-Schaf („Me ecològic“) entwickelt und kümmert sich um den Vertrieb von frischem Obst, Gemüse und Fleisch. Im Gespräch ist eine Finca in der Nähe der Straße von und nach Manacor.

Ein weiteres erfolgreiches Apaema-Projekt ist der Öko-Markt samstags in Palma …

Er war vor zehn Jahren der erste Markt dieser Art in Spanien. Heute ist er fast eine Institution, jeden Samstag wird dort Obst, Gemüse und Brot verkauft. Für Käufer und Verkäufer wäre ein überdachter Marktplatz günstiger, aber keiner der Standinhaber will umziehen.