05. März 2020
05.03.2020

An Bord des neuen Kreuzfahrtschiffs "Costa Smeralda"

Stimmiges Produkt aus Italien: So ist es auf dem in ungewissen Zeiten getauften neuen Flaggschiff der Costa-Flotte

05.03.2020 | 10:41
Der Außenbereich mit den von einem Pool umgebenen Bar-Cabanas.

Nachdem die ursprünglich für den Herbst 2019 geplante Schiffstaufe wegen der verspäteten Auslieferung des Schiffes seitens der Bauwerft Meyer Turku, dem finnischen Ableger der Papenburger Meyer Werft, mehrfach verschoben werden musste, war es am 22. Februar endlich so weit. Die „Costa Smeralda", das neue Flaggschiff der Reederei Costa und gleichzeitig erstes Flottenmitglied mit dem umweltfreundlicheren LNG-Antrieb, konnte feierlich getauft werden. Mit Passagieren unterwegs war der Neubau schon seit dem 21. Dezember, der erste Anlauf in Palma erfolgte Weihnachten 2019, wegen der Bauverzögerung jedoch noch ohne Schiffstaufe.

Anders als bei solchen Veranstaltungen üblich, wurde nicht das komplette Schiff für das Event genutzt, sondern die Zeremonie fand auf einer der turnusmäßigen, einwöchigen Kreuzfahrten durch das westliche Mittelmeer im und vor dem Hafen der norditalienischen Stadt Savona statt. Als Taufpatin fungierte mit der Costa-Markenbotschafterin und Schauspielerin Penélope Cruz standesgemäß für den neuen Superlativ ein echter Hollywoodstar. Durch die Mischung aus Taufgästen und normalen zahlenden Passagieren konnte während der folgenden Taufreise ein realistischer Eindruck des Bordlebens und des Produktes gewonnen werden. Und tatsächlich, auch abgesehen vom technischen Aspekt des nach der „Aida Nova" erst zweiten LNG-Kreuzers weltweit, setzt die „Smeralda" innerhalb der Costa-Flotte wirklich Maßstäbe.

Offensichtlich ist insbesondere die Rückbesinnung auf den Markenkern – italienische Lebensart mit Urlaub auf dem Meer zu verbinden. Das funktioniert recht gut und ist mittels der vielen Partnerschaften mit bekannten italienischen Produkten für den Gast schnell erkennbar. So gibt es sowohl eine Campari- als auch eine Aperol Spritz- und eine Ferrari-Bar, bei Letzterer besteht der Bezug nicht zu den Sportwagen, sondern zum in Italien sehr bekannten Schaumwein. Auch Pasta-Produzent Barilla und der Kaffeeröster Illy sind vielfach präsent. Und die Eiscreme an Bord ist tatsächlich erstklassig. Auch die vielen sei es hausgemachten oder von Barilla stammenden Pasta-Kreationen in den inkludierten Buffet- und Bedienrestaurants entsprechen den hohen Erwartungen. Costa verzichtet dafür auf die an Bord vergleichbarer Schiffe üblichen gastronomischen Angebote wie ein Steakhouse oder die Burger- und Sushi-Bar. Geboten wird jedoch gegen Aufpreis ein Teppanyaki-Restaurant und eine Pizzeria mit dem Anspruch, die beste Pizza auf den Weltmeeren anzubieten .

Kenner der Costa-Flotte wundern sich vielleicht über das zurückgenommenere, gefällige Innendesign, das wohl auch die Handschrift des deutschen Costa- und Aida-Chefs Michael Thamm trägt. Auffallend sind zahlreiche, attraktiv gestaltete Außenflächen inklusive der gelungenen Nachbildung der Spanischen Treppe am Schiffsheck und ansprechende, öffentliche Bereiche im Schiffsinneren wie das Designmuseum, die Piazza Travestere mit erwähntem Eiscafé und der im Winter komplett überdachte Beachclub „Il Spaggio".

Badefreuden genießen die Passagiere auch im bordeigenen Spa mit dem gut frequentierten Thalasso-Becken, einer Panorama-Außensauna, Dampfbad und dem innovativen Schneeraum – wie in Italien und auch in Spanien üblich nutzbar nur in Badebekleidung und für einen Eintrittspreis von 30 Euro pro Tag oder 105 Euro pro Woche. Die Kabinen sind nicht nur zahlreich (2.612 Passagierkabinen, davon 1.628 mit privatem Balkon), sondern auch gut konzipiert mit verschließbarer Glaswand zwischen Bad und Kabine, jedoch bis auf die Suiten nicht sonderlich geräumig.

Alles in allem setzt Costa nach Jahren ohne Neubau für den europäischen Markt ein Ausrufezeichen und schnürt ein besonders bezüglich Preis-Leistungs-Verhältnis, aber auch unter Nachhaltigkeitsaspekten attraktives Paket. Trotz dieses stimmigen Produktes werden sich die Italiener in nächster Zeit aber nicht leicht tun, den schwimmenden Giganten mit der zusätzlichen Kapazität auch zu auskömmlichen Raten zu füllen. Gründe hierfür sind einerseits die wachsende Skepsis manch potenzieller Kunden und betroffener Anwohner gegenüber der Reiseform Kreuzfahrt, die zuletzt auch an wachsender Kritik in Häfen wie Palma sichtbar wird. Hier wird für 2022 aktuell ein Morato­rium diskutiert, welches zusätzliche Anläufe verhindern und ja nach Sichtweise auch bestehende Passagierzahlen senken soll.

Für Costa aktueller und messbarer sind die Buchungsrückgänge sowie Stornierungen aufgrund der Auswirkungen des Coronavirus. Zum einen bleiben fest eingeplante Kontingente aus den asiatischen Quellmärkten ungenutzt und zum anderen halten sich auch die Europäer mit Neubuchungen für Schiffsreisen momentan extrem zurück. Und da diese Faktoren nicht nur Costa-Kreuzfahrten betreffen, steigt zeitgleich die Kapazität im Mittelmeer von Schiffen, die eigentlich in Asien kreuzen sollten. Fallen werden somit erst einmal die Preise, aus Sicht der Reedereien hoffentlich nur kurzfristig, denn der Bau des Schwesterschiffes „Costa Toscana" für ebenfalls über 6.500 Passagiere ist weit fortgeschritten.

Der Autor Jörg A. Boeckmann ist Geschäftsführer von Vacation at Sea. Infos und Buchungen unter kreuzfahrten-ab-palma.es/?ibo=MZ

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