Margarethe Schreinemakers: Mein Leben als Hunderetterin

Die ehemalige TV-Moderatorin hat eine Autobiografie veröffentlicht. Mallorca-Streuner spielen darin eine nicht unerhebliche Rolle

12.10.2015 | 09:26

Wenn Margarethe Schreinemakers spricht, dann erklingt ein Echo aus schon fernerer Vergangenheit, das nicht nur Menschen fortgeschrittenen Alters durchaus noch im Unterbewusstsein herumwabert. Die inzwischen 57-jährige Ex-TV-Moderatorin mit dem kumpeligen rheinischen Mundwerk war in den 90ern und bis Mitte des neuen Jahrtausends eine große Nummer im öffentlich-rechtlichen (NDR Talk Show) und im privaten deutschen Fernsehen (Schreinemakers live bei Sat1, Schreinemakers TV bei RTL). Es ist bereits fast zehn Jahre her, dass sie – die Quote stimmte nicht mehr – aus dem TV-Geschäft ausstieg.

Und dann geschah etwas, was die erfahrene Journalistin nachhaltig prägte: Sie erlitt im März 2009 einen Herzstillstand beim Joggen in der Nähe ihres Hauses in dem kleinen deutschsprachigen ostbelgischen Ort Eupen, wo sie seit 23 Jahren ausgesprochen gern lebt („Hier duzen sich fast alle, und die Menschen interessiert nicht, was du hast, sondern wer du bist"). Nach dem Zusammenbruch – „Ich war acht Minuten lang tot" – sei ihr schlagartig bewusst geworden, „wie endlich alles sein kann", erzählt sie.

Schreinemakers hat gerade eine inzwischen bereits auf Platz 32 der Spiegel-Sachbuch-Bestsellerliste aufgerückte Autobiografie mit dem Titel „Ich will das Leben küssen" veröffentlicht (Adeo-Verlag, 18,99 Euro), in der sie ihre Geschichte vom Kindesalter bis ins Hier und Jetzt erzählt. Sie reißt darin auch ein Thema an, das sie mit Mallorca verbindet und das sie seit ihrem Kollaps neben dem Entwerfen von Möbeln voll und ganz einnimmt: die Versorgung streunender Hunde, die auf der Insel aufgelesen werden.

„Seit März dieses Jahres habe ich schon 60 Hunde von der Mallorca-Tierrettung in Felanitx an neue Besitzer in Ostbelgien, der Schweiz und Deutschland vermittelt", sagt Margarethe Schreinemakers stolz. Sie ist seit 2012 in dritter Ehe mit dem Mann verheiratet, der ihr mit Herzmassagen das Leben gerettet hatte – dem zwölf Jahre jüngeren Produzenten und Mallorca-Fan Jean-Marie Maus. „Gut, dass er direkt neben mir joggte. Wäre ich an meiner Waschmaschine umgekippt, wäre ich gestorben."

Nach dem Herzstillstand sei ihr klarer denn je geworden, dass sie dem Leben etwas aktiv zurückgeben möchte. Das zufällige Zusammentreffen während eines Urlaubs mit Christel von den Benken, die seit 20 Jahren auf der Insel lebt und eine Hunde­schule betreibt, und Manuela Berner, die ein Tierheim in Felanitx leitet, brachte den Stein ins Rollen. Seither rettet man gemeinsam Hunde, päppelt sie wieder auf, arbeitet an ihrem Sozialverhalten und leistet eine gewisse Vor-Erziehung. „Es sind Tiere von der Resterampe, die nicht gleich ins Auge fallen, große Hunde, aber auch Fuß­hupen", so Schreinemakers. „Doch was kümmert mich die Rasse, dem Hund ist es doch auch egal, wie ich aussehe." Die in Krefeld geborene Ex-Kult-Talkerin reiste in diesem Jahr bereits zweimal auf die Insel – im März und Mai. Ob eine dritte Reise noch in diesem Jahr hinhaut, steht noch nicht fest.

Margarethe Schreinemakers lässt die Hunde nach Unterzeichnung eines Adoptionsvertrags und einer Spende an die Mallorca-Tierrettung von sogenannten Paten nach Deutschland fliegen, die auf der Facebook-Seite der Ex-Talk-Lady für ihr Engagement ausdrücklich gelobt werden. Dabei sind ihr Air Berlin und Condor am liebsten, wo man Hunde in Taschen in der Kabine und in Käfigen in Frachtabteilen mitnehmen kann. Sie ist kein Fan der Airline Ryanair, da hier keine Tiere erlaubt sind.

Bevor jedoch die Reise beginnt, setzt sich Schreinemakers mit Interessierten, die sie hauptsächlich per Facebook gewinnt, entweder persönlich zusammen oder telefoniert mit ihnen, wenn sie zu weit entfernt wohnen. „Schließlich muss der Hund zu einem bestimmten Menschen oder einer Familie passen." Es sei mit ihr etwa nicht zu machen, „wenn jemand in einer Etagenwohnung lebt und einen lebhaften Husky will." Und ein Garten allein reiche auch nicht als alleiniges Argument aus, dass sie sich erweichen lasse. „Ein Hund, der sich gern bewegt und viel
bewegt werden muss, braucht eben einen Menschen, der genau das liebt und fit ist."

Wenn Margarethe Schreinemakers dann erfährt, wie gut es einigen vermittelten Hunden inzwischen geht, macht sie das glücklich. Gern erinnert sie sich an den traurigen und verlausten Insel-Streuner Dante, der es inzwischen zum Begleithund in einem Altenheim in Mülheim an der Ruhr gebracht hat. „Mich fasziniert der Vorher-Nachher-Vergleich."

Das sei jetzt ihr Ding, so die Ex-TV-Frau. Lust darauf, wieder im Fernsehen groß rauszukommen, habe sie wenig, „zumal ich ja schon über 50 bin". Sie bekomme zwar Angebote, aber „irgend welche Container- oder Dschungel­formate will ich meinen beiden Söhnen nicht antun". Der Leidenschaft für die Hunde verhaftet, geht Margarethe Schreinemakers, mit gutem Beispiel voran und hat inzwischen selbst fünf Vierbeiner von der Insel adoptiert, die jetzt zum Inventar ihres Hauses gehören. „Für mich sind sie Zauberkojoten, Tabletten auf vier Beinen."

Was Mallorca betrifft, hat sich Margarethe Schreinemakers in den Südosten verguckt. „Die Landschaft bei Campos ist so schön ländlich." Weniger sagt ihr das Etepetete-Ambiente um Port d´Andratx zu, „wo man übrigens gar nicht mal so gut essen kann". Sie träumt davon, bald leidlich Spanisch zu sprechen. Neulich in einem Supermarkt in Campos habe sie sich nicht verständigen können, was sie sehr wurme. „Ich möchte mehr mit den Menschen reden können."

Wer mit Hilfe von Margarethe Schreinemakers ins Deutschland einen Hund adoptieren will, erhält bei Facebook unter dem Stichwort Schreinemakers mehr Informationen. Kontakt zur Mallorca-Tierrettung in Felanitx über E-Mail: info@mallorca-tierrettung.de

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