Lesben-Festival "Ella" auf Mallorca geht in die vierte Runde

Die Initiatorin Kristin Hansen hat mit der Zielgruppe auf der Insel noch viel mehr vor

01.06.2016 | 06:59
Lesben-Festival "Ella" auf Mallorca geht in die vierte Runde

Die LGTB-Zielgruppe ist eine bunte, weite Welt. Die Abkürzung steht für die englischen Begriffe Lesbian, Gay, Bisexual sowie Trans – und auch innerhalb des Segments der Lesben kann man weiter differenzieren. Deswegen gibt es zur diesjährigen vierten Ausgabe des internationalen Festivals „Ella" auf Mallorca gleich zwei Varianten – eine sommerliche mit Strand, Sport und Party, die jetzt am 28. Mai beginnt, sowie erstmals eine winterliche mit Vorträgen, Kultur und Städtetourismus zum Jahreswechsel.

Für Initiatorin Kristin Hansen ist es eine logische Weiterentwicklung des Festivals, das vergangenes Jahr rund 2.000 Teilnehmerinnen auf die Insel lockte. Die Deutsche aus München, die eine Eventagentur in Palma betreibt, den weltweiten Gay-Reiseführer „Spartacus" mit vermarktet und die „Mallorca Gay Map" herausbringt, hat sich längst einen Namen im LGTB-Markt gemacht – und entwickelt immer neue Projekte.

Nach dem kurzen Experiment einer Gay-Lounge im MegaPark an der Playa de Palma im vergangenen Jahr, bei dem Hansen beratend zur Seite stand, aber inzwischen wieder ausgestiegen ist, lotet die Unternehmerin jetzt weitere Consulting-Projekte aus. Im März ging es nach Argentinien, wo sich die Region Mendoza als lesbian friendly destination aufstellen will. Auch mit Teneriffa sei man im Gespräch.

Wachstumsmarkt "Künstliche Befruchtung"

Im Februar war Hansen mit ihrer Reisemarke Ella Travel auf der spanischen Tourismusmesse Fitur in Madrid, um erstmals einen lesbischen Bereich einzurichten – zur Premiere habe man bereits Stände an ein Dutzend Aussteller vermittelt. Im kommenden Jahr soll dann auch die internationale Tourismusbörse in Berlin (ITB) folgen. Ein wichtiger Wachstumsmarkt seien etwa Angebote für künstliche Befruchtungen – lesbische Paare, die sich an der Urlaubsdestination ihren Kinderwunsch erfüllen wollen.

Neu eingestiegen ist die Deutsche mit ihrer Agentur Hansen & Partner zudem in die Ausrichtung von Hochzeiten lesbischer Paare, wobei sie sich auf eigene Erfahrungen stützen kann: Im vergangenen Jahr heiratete die 40-Jährige ihre argentinische Lebensgefährtin. Dank der früheren sozialistischen Zapatero-Regierung sind gleichgeschlechtliche Paare vor dem spanischen Gesetz den heterosexuellen Paaren schon länger in jeder Hinsicht gleichgestellt. Darüber hinaus hat das Balearen-Parlament jetzt ein Antidiskriminierungsgesetz verabschiedet.

Zumindest als Idee gibt es des Weiteren das Projekt eines Szene-Cafés in Palmas Viertel Santa Catalina, wo die Agentur auch ihren Standort hat. „So könnten wir eine eigene Community schaffen", sagt Hansen. Ob die Unternehmerin aber auch noch in die Gastronomie einsteigt, steht noch nicht fest.

"L-Community" braucht mehr Angebote

Bislang ist das Angebot von Szene-Lokalen für die „L-Community" in Palma sehr übersichtlich. Zwar hat die Balearen-Metropole so wie jede größere, fortschrittliche Stadt eine Gay Map – also eine Karte, auf der Lokale und Orte für die Zielgruppe inklusive zahlender Inserenten eingezeichnet sind. Doch vergleichbare Karten für lesbische Besucher gebe es kaum, so Hansen. Den Anfang wagt sie jetzt in Palma mit einer Kombi-Lösung – einer Broschüre, die das Programm des „Ella"-Festivals mit einer Karte der Szene-Angebote kombiniert, sowie einer dazugehörigen Website.

Das Festival ist nicht nur von August auf Mai vorgezogen worden. Statt in Cala Major wird dieses Jahr in Can Pastilla (Höhe Palma Aquarium) gefeiert, unter anderem mit Strandfußball, Barbecue und Riesen-Paella. Am Abend stehen Themenpartys mit internationalen DJs auf dem Programm, von der japanisch angehauchten „Geisha Party" über Spanish Dinner und einem Argentinien-Dinner bis hin zur „Circus Party".

Bei der Winterausgabe kann Hansen dann mit der Unterstützung durch die Tourismusstiftung Palma 365 rechnen, die sich schließlich das Ziel auf die Fahnen geschrieben hat, die immer noch schwache Nebensaison zu beleben. Für internationale Vortragsgäste würden dann nicht nur Flüge und Hotelzimmer gestellt, wie Hansen sagt, das Festival werde zudem in die Destinationswerbung Palmas in Reisemagazinen mit aufgenommen.

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