Gedenkjahr Ramon Llull: 700 Jahre danach wird die Zeit langsam knapp

In zwei Wochen beginnt das Jubiläumsjahr zu Ehren des mittelalterlichen Philosophen. Die Vorbereitungen sind noch längst nicht abgeschlossen. Und wie kann man ein breites Publikum begeistern?

13.11.2015 | 14:43
Einst ein Lebemann, später Theologe, Philosoph und Wissenschaftler. Der Mallorquiner Ramon Llull, hier als Galionsfigur des Schiffes „Lulio" von 1870.

Er ist eines der größten Genies, das Mallorca je hervorgebracht hat. 2016 jährt sich zum 700. Mal der Todestag von Ramon Llull. Der Mann, der die ersten 30 Lebensjahre ein weltliches Leben führte, um dann die Einsamkeit des Berges Randa, die Nähe Gottes und die Wissenschaft zu suchen. Über 280 Bücher soll er geschrieben haben, von Theologie über Naturwissenschaften bis zu Romanen. Auf Latein, Arabisch und Katalanisch. Ein Mann, dessen Ziel es war, sein Wissen auch anderen Menschen zu vermitteln.

Im Jubiläumsjahr will nun eine ganze Reihe von Institutionen des großen Philosophen und Theologen gedenken. Offiziell eröffnet wird das Any Ramon Llull am ­­­27. November mit einem vom katalanischen ­Kulturinstitut Ramon Llull organisierten Konzert des Gambisten Jordi Savall in Palma.

Allerdings ist das einer der wenigen Programmpunkte, die bekannt sind. Man hat sich Zeit gelassen bei der Planung dieses Gedenkjahres. Aus Katalonien kommt die Nachricht, dass die Regionalregierung (Generalitat) wenige Wochen vor dem Start des Ehrenjahres immer noch kein Budget zur Verfügung gestellt hat. Und die balearischen Inseln ernannten erst im Oktober die Llull-Expertin Maribel Ripoll von der Balearen-Universität zur Kuratorin des Gedenkjahres, nachdem der 2014 von der Landesregierung Bauzá eingesetzte Kurator Joan Francesc Romero aus persönlichen Gründen zurückgetreten war. Nun muss Ripoll unter Hochdruck ein Programm zusammenstellen.

Einzig das Bistum Mallorca hatte sich schon vor zwei Jahren an die Arbeit gemacht und in Kooperation mit 15 internationalen Institutionen ein breites Programm entwickelt, zu dem auch zwei große Konferenzen gehört.

Immerhin kommt jetzt ein wenig Eile auf. In Katalonien gibt es offenbar bereits ein Veranstaltungsprogramm, das in den kommenden Tagen auch auf einer Website veröffentlicht werden soll. Und man bleibt optimistisch, was die Finanzierung anbelangt. „Die Regierungsbildung in Katalonien macht es gerade schwierig, solche Budgets zu verabschieden", sagt Joan Santanach, der Leiter der Kommission des Llull-Jahres der Generalitat. „Mir wird aber von den Verantwortlichen versichert, dass man sich dem Thema verpflichtet fühlt."

Und auch die balearische Landesregierung will rechtzeitig zum Beginn des Gedenkjahres fertig sein mit ihren Planungen. „Es geht jetzt vor allem darum, sich mit dem Bistum Mallorca und der Generalitat in Katalonien abzusprechen, um zu verhindern, dass die Aktivitäten konkurrieren", sagt Itziar Lecea, Sprecherin des balearischen Kultusministeriums.

Bei den beiden vom Bistum organisierten akademischen Konferenzen ist das immerhin schon einmal gegeben. Die Erste findet vom 24. bis 27. November im CaixaForum in Palma statt. Die Zweite ein Jahr später in Barcelona. „Auf akademischer Ebene wird das eine der besten Veranstaltungen, die es je zu Llull gegeben hat", gibt sich Josep Amengual, einer der vier Organisatoren optimistisch.

In diesem Satz versteckt sich eine der größten Herausforderungen des Gedenkjahres. Denn so sehr das Leben und Werk Ramon Llulls auf akademischer Ebene noch weitere 700 Jahre erforscht werden kann, so schwer ist sein Werk einem breiteren Publikum zu vermitteln.

Viola Tenge-Wolf vom Raimundus-Llullus-Institut der Albert-Ludwigs-Universität in Freiburg gibt sich skeptisch in Bezug auf die Massenkompatibilität des mallorquinischen Philosophen. „Llull ist hochinteressant, aber schwer zu verstehen. Eines seiner Hauptziele war, das Christentum zu verbreiten. Dieses Missionsideal ist im 21. Jahrhundert schwer zu vermitteln." Am ehesten sieht Tenge-Wolf ein allgemeines Interesse an der Person Llulls. „Er war ein Laie, der sich alles selbst beigebracht hat. Ein Selfmade-Man, der neue Wege gesucht hat, statt den alten Traditionen nachzuhängen. Das ist für das Mittelalter sehr ungewöhnlich."

Der deutsch-katalanische Historiker Alexander Fidora von der Universität Barcelona deutet die Botschaft Ramon Llulls als positiven Impuls für unsere Zeit. „Zwar wollte Llull das Christentum verbreiten, er wollte es aber mit Argumenten tun. Bei ihm war die Debatte der zentrale Ankerpunkt seines Handelns."

Fidora ist an der Komission für das Llull-Jahr der Generalitat beteiligt. Für ihn gilt es vor allem, das Publikum über alle verfügbaren Kanäle zu erreichen. „Es wird Theaterstücke, Ausstellungen, Konzerte, Dokumentationen geben. Es geht darum, die Menschen da abzuholen, wo sie sind. Und wenn wir mit einem Comic über Llull ein jüngeres Publikum erreichen können, ist das wunderbar." Wichtig sei auch, diese Veranstaltungen nicht nur im katalanischen Sprachraum abzuhalten, sondern den Austausch mit anderen europäischen Ländern zu suchen.

Auf Mallorca wurde jetzt ein Schritt in diese Richtung getan: Das Bistum hat sich mit der gesellschaft Air Europa darauf geeinigt, eine Maschine nach Ramon Llull zu benennen. An Bord soll dann auch ein Video über ihn gezeigt werden.

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