Superyacht ´Aldonza´: Made in Palma

Die letzte auf Mallorca gebaute Superyacht ist robust wie ein Panzer und pompös wie ein Barock-Palast

19.12.2014 | 11:13

Auch wenn Mallorca schon lange zu den Hotspots der internationalen Superyacht-Szene zählt: Auf der Insel selbst werden Luxusyachten mit einer Länge von mehr als 30 Metern so gut wie gar nicht hergestellt. Lediglich die Refit-Werft Astilleros de Mallorca versuchte sich zwischen Ende der 70er und Mitte der 90er Jahre in der Konstruktion von größeren Custom-Build-Yachten. Die Letzte von ihnen, die knapp 105 Fuß lange und 1995 vom Stapel gelaufene „Aldonza", steht derzeit bei Camper&Nicholsons in Palmas „Club de Mar" zum Verkauf. Preis: rund 4 Millionen Euro.

„Die Aldonza ist eine klassische ´Gentlemen´s Motoryacht´, die man in dieser Form heutzutage kaum noch findet", schwärmt Jonathan Syrett, Generaldirektor der Mallorca-Niederlassung von Camper & Nicholsons. Soll heißen: Wer viel Komfort an Bord sucht und auf Highspeed-Cruising verzichten kann, sei mit der 20 Jahre alten Stahlyacht, die von dem renommierten holländischen Yacht-Designer De Vries Lensch entworfen wurde, sehr gut bedient.

Auch Kapitän Josef Metzler schwört auf die robuste Verarbeitung der „Aldonza", die ihren Namen der imaginären Geliebten von Cervantes weltberühmter Romanfigur Don Quijote schuldet. „Mit teuren Materialien wurde beim Bau der Yacht sicherlich nicht gespart", sagt der Deutsche, der seit rund fünf Jahren das Kommando an Bord führt.

Ein gutes Beispiel dafür sei neben den massiven Teak- und Edelholzvertäfelungen unter Deck vor allem der elf Millimeter dicke Stahlrumpf. „Das Schiff ist so robust wie ein Panzer. Selbst ein möglicher Zusammenstoß mit einem im Meer schwimmenden Container dürfte die Yacht ohne größere Probleme überstehen", ist sich Metzler sicher, der mit der „Alondra" in den vergangenen Jahren bereits mehrmonatige Törns durch das gesamte Mittelmeer absolviert hat.

So sind der mallorquinischen Superyacht eigentlich fast keine Grenzen gesetzt. „Das Schiff ist für Atlantiküberquerungen ausgelegt", sagt Metzler. Dank eines 17.000-Liter-Tanks und zwei relativ spritsparenden Dieselmotoren mit insgesamt 800 PS liege die maximale Reichweite bei etwa 4.500 Seemeilen.

Nonstop von Palma nach Buenos Aires zu cruisen, sei – zumindest theoretisch und bei einer durchschnittlichen Reisegeschwindigkeit von 10 Knoten – kein Problem, zumal die Yacht über eine bordeigene Meerwasser­entsalzungs- und Eiswürfelanlage sowie jeder Menge Stauraum verfüge, um Scampis und Schampus gleich für mehrere Wochen zu bunkern.

Überhaupt gleicht die „Aldonza" mehr einem schwimmenden Luxus-Apartment als einer Motoryacht. Architektonisches Prunkstück an Bord dürfte das über 20 Meter lange und mehr als 6 Meter breite Mitteldeck sein, auf dem der große Salon mit eigener Barzeile sowie der anschließenden Essraum untergebracht ist.

Wie auf jeder anderen Custom-Built-Yacht ist auch die Inneneinrichtung der „Aldonza" ein großes Stück weit Geschmackssache. Wer auf barock-pompöses 90er-Jahre Styling mit lederverkleideten Decken, Bronze-Jungfrauen als Tischsockel und verchromten Deko-Säulen steht, dürfte sich auf der „Aldonza" wie im siebten Himmel fühlen. Alle anderen sollten bei der Schiffsbegehung am besten die Zähne zusammenbeißen und über eine Modernisierung der Innen-Deko nachdenken.

Während die Eigner-Kabine ebenfalls auf dem Mitteldeck liegt, sind die Gäste im Unterdeck ­untergebracht. Eine der drei Doppel­kabinen dort liegt für „Vip-Gäste" besonders komfortabel achterschiffs. Im Oberdeck ist das große und dank zahlreicher Fenster helle Cockpit untergebracht. Wer Lust hat, dem Kapitän beim Steuern zuzusehen, kann es sich auf dem halbkreisförmigen Ledersofa in der gleich nebenan liegenden Skylounge gemütlich machen.

Rein technisch gesehen ist die „Aldonza" dank eines aufwendigen und kostspieligen Refits bei Astilleros de Mallorca vor rund vier Jahren up to date. Ein mehrere hunderttausend Euro teures Zertifikat der internationalen Versicherungsgesellschaft und Schifffahrtsagentur „Lloyd´s London" wurde vor Kurzem von Kapitän Metzler in Auftrag gegeben. Es soll dem zukünftigen Besitzer bescheinigen, dass die Motoryacht in Sachen Sicherheit und Schiffstechnik auf dem neuesten Stand ist.

Bleibt die Frage, warum die „Aldonza" eigentlich die letzte Superyacht ist, die auf Mallorca gebaut wurde. „Irgendwann wurde es einfach zu teuer, das für den Bau solch großer Yachten nötige Material auf die Insel zu schaffen", sagt Diego Colon, Geschäftsführer von Astilleros de Mallorca. Seine Werft habe daher Mitte der 1990er Jahre den Entschluss gefasst, sich in Zukunft ausschließlich auf das Refit und den Umbau von Super­yachten zu spezialisieren.

Der Bau der „Aldonza" wurde von der spanischen Regierung subventioniert, um die Arbeitsplätze auf der Werft zu garantieren. Jahrelange Querelen mit dem Auftraggeber führten zudem dazu, dass sich die Übergabe der Yacht immer wieder hinaus­zögerte. „Am Ende war man nur noch froh, dass die Yacht fertiggestellt war", glaubt Jonathan Syrett von Camper & Nicholsons. Dennoch: Sehen lassen kann sich die „Aldonza" heutzutage allemal, selbst unter den schnittigeren und moderneren Motor­yachten, die wie Perlen aneinandergereiht im Hafen von Palma liegen.

www.camperandnicholsons.com


Im E-Paper sowie in der Printausgabe vom 18. Dezember (Nummer 763) lesen Sie außerdem:

- Was schwimmt denn da? Knurrender Hahn auf sechs Beinchen
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