Chefs(in): Wenn aus Köchen Freunde werden

Wie die Initiatoren seit nunmehr vier Jahren Kräfte bündeln und für die balearische Gastronomie die Werbetrommel rühren

17.02.2017 | 17:58
Sie stecken dahinter: Araceli Bosch, Miguel Ángel Payeras, Aina Escalas, Miquel Àngel Barrios, Bárbara Sureda.

Gemeinsam stark

  • Chefs(in), Gran Vía Asima, 2, Palma (Polígono Son Castelló). Tel.: 971-78 10 47, www.chefsins.com

Wenn man ihnen im Herbst 2012, als ihnen die Idee zu Chefs(in) kam, gesagt hätte, wie weit sie damit in nur vier Jahren kommen und dafür sogar wie gerade geschehen einen Preis erhalten würden, hätten sie es wahrscheinlich nicht geglaubt. Sie, das waren zu Anfang nur das Ehepaar Araceli Bosch und Miguel Ángel Payeras, eigentlich Leiter einer Marketingagentur namens Deacorde Marketing. Ein Jahr später kamen Miquel Àngel Barrios und seine Frau Bárbara Sureda hinzu. Mittlerweile gibt es noch einige weitere Mitarbeiter, denn das Projekt ist groß geworden.

Die Grundidee ist so simpel wie bekannt: „Gemeinsam sind wir stark". Chefs(in) präsentiert die gehobene Gastronomie der Balearen mit ihren Topköchen bei Events im In- und Ausland. Mal bei offiziellen Veranstaltungen wie Messen und im Auftrag des Consell, mal bei ihren eigenen Publikumsveranstaltungen wie Peccata Minuta, 4manos, Hidden Kitchen oder Chefs(in) Kids. Zudem gibt es Kooperationen mit Firmen wie die Kochkurse bei Ikea oder Engagements für private Firmenevents.


Unter 700 Kandidaten ausgezeichnet

Den „Premio Excelencias Gourmet 2016", bei dem eine siebenköpfige Jury mit Experten aus Tourismus und Gastronomie aus 700 internationalen Kandidaten ihre Wahl getroffen hat, wurde an Chefs(in) im Rahmen der Tourismusmesse Fitur in Madrid am 18. Januar verliehen. Er erkennt genau diese Leistungen an.

Mit Fug und Recht kann man sagen, dass in den vergangenen vier Jahren das Ansehen der gehobenen Gastronomie nicht zuletzt durch die Aktionen von Chefs(in) gewachsen ist – auf der Insel, aber auch außerhalb. Gleichzeitig sind viele zuvor als Einzelkämpfer agierende Köche zu Freunden geworden.

Wobei es in den vier Jahren, die seit den ersten Veranstaltungen verstrichen sind, auch Änderungen und Einsichten gab. „Wir sind strenger geworden bei der Aufnahme von neuen Köchen und der Auswahl unter den vorhandenen Mitgliedern. Wir wollen uns ein wenig anders positionieren", erzählt Payeras. Anders positionieren bedeutet exklusivere Locations, feinere Events entsprechend dem Anspruch von Chefs(in) und der teilnehmenden Köche sowie limitierte Besucherzahlen, auch um beispielsweise das Chaos einiger Veranstaltungen zu vermeiden. „Die 10.000 Leute, die uns bei einer Peccata Minuta im Mercat de l´Olivar quasi überrollten, haben uns ja selbst überrascht. Klar, dass da auch Fehler passiert sind, aber so etwas soll es nie mehr geben."


Zu viele Köche verderben der Brei

Anfänglich waren es 24 Köche, dann wuchs die Gruppe auf über 50 an, nun ist man wieder bei 34 angelangt. 22 Köche kommen von Mallorca, acht von Menorca und vier von Ibiza. Wer dabei sein will – und die Liste der anklopfenden Köche ist lang – muss verschiedene Kriterien und vertragliche Bedingungen erfüllen. „Auch da haben wir die Latte ein wenig höher gelegt, denn wer uns bucht, macht das unter dem Aspekt, immer höchstes Niveau zu bekommen."

Ein achtköpfiges Köche-Gremium entscheidet mit, wer auf Chefs(in)-Niveau kochen kann und wer nicht – wer aufgenommen wird und wer nicht. Ab diesem Jahr zahlen Neu-Mitglieder 500 Euro im Jahr, die alten Mitglieder 365 Euro, also 1 Euro pro Tag. Damit werden etwa die Kochjacke finanziert, die Aufsteller, die Homepage mit dem Profil in mehreren Sprachen. „Und die Köche, die Kurse geben, die Unkosten inklusive Zutaten bei den Veranstaltungen sowie die Stände, die Saalmieten, die Flüge – all das zahlen wir ja auch."

Gewinn lässt sich mit Chefs(in) bislang nicht erzielen. Nach vier Jahren ist man gerade soweit, dass man nicht mehr nur investieren muss. Und auch mit einem anderen Vorurteil wird aufgeräumt: „Einige Leute denken, die Köche müssten schon immer ihre Mitgliedschaft bezahlen. Doch dem ist nicht so. Als über die Teilnahmegebühr entschieden wurde, waren die acht Köche des Gremiums für den Beitrag, wir von Deacorde waren sogar dagegen." Doch nur zum Spaß machen es die Gründer auch nicht, denn die enorme Reputation von Chefs(in) hat auch Auswirkungen auf die Auftragslage der Marketing-Abteilung ihrer Firma. Anfänglich hätten sie Chefs(in) ja auch genau deshalb initiiert, um auf Deacorde aufmerksam zu machen und neue Aufträge zu generieren.

Im Laufe der Jahre gingen auch einige Köche, die man bei Chefs(in) gerne weiter in den eigenen Reihen gesehen hätte, wie beispielsweise Macarena de Castro und Fernando P. Arellano. „Es gibt keine Probleme zwischen uns, aber die beiden hatten zu viele eigene Projekte, sodass keine Zeit blieb, sich bei Chefs(in) zu engagieren." Das habe man so akzeptieren müssen. Ein anderer Abtrünniger ist Koldo Royo. „Als wir unsere Kriterien neu überdachten, passte ein Streetfood-Truck-Betreiber wie Koldo nicht mehr dazu, was er aber auch eingesehen hat." Pikantes Detail: Koldo Royo hat kürzlich mit sich selbst als Präsident eine eigene Gruppierung von Köchen gegründet (darunter Maria Salinas, José Cortes García vom Diablito oder Matias Provvidenti vom Despensa del Barón): die Asociación de Cocineros Afincados en las Islas Baleares, kurz ASCAIB genannt. Wie es heißt, will auch er zukünftig mit Aktionen und Events die balearische Küche repräsentieren.


Die nächsten Veranstaltungen

Silvia Anglada (Es Tast den Na Silvia in Ciutadella, Menorca) kocht als Gastköchin am 3., 4. und 5. Februar im Puro Hotel ein siebengängiges Menü samt Getränken für 65 Euro. Ein 4manos-Kurs zum Thema Käse findet am 14. Februar mit Santi Taura und Joan Bagur (Rels in Ciutadella) in der EHIB statt. Einen Hidden-Kitchen-Event, ebenfalls mit Silvia Anglada, gibt es am 18. Februar und eine neue Ausgabe der Peccata Minuta (Gourmet-Tapas von acht Köchen) kann man am 28. Februar in Lloseta im dortigen Theater ab 20 Uhr besuchen.

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