Dimonis von Kinfumfà: Ohne Masken wären sie nur halb so wild

Wer auf Mallorca als Leibhaftiger sein Unwesen treiben will, braucht ein Antlitz. Wie bei Kinfumfà stellt man es sich meist selbst her

07.05.2017 | 10:32

Es sind die Nägel, Schrauben und an Stränden und im Meer gefundene Krebs- und Hummerzangen, die Tolo Méndez stolz machen. „So etwas montiert niemand anderes auf dieser Insel auf seine Dimoni-Maske", freut sich der Chef des in Palmas Strand-Stadtteil El Molinar beheimateten Teufelstrupps Kinfumfà. „Und auch die rötlich-schwarzen Farben benutzt hier sonst keiner."

Etwa 40 dieser sogenannten colles gibt es derzeit auf der Insel, die von Tolo Méndez wurde 2010 gegründet. Der Oberteufel steht an einem rechteckigen Tisch im Vereinslokal im Carrer Llucmajor und hebt eine etwa drei Kilogramm schwere Maske hoch. Es ist sein Lieblingsstück. „Wir brauchen vier Tage, um so eine Maske zu basteln", sagt er. Im Winter dauere es wegen der höheren Luftfeuchtigkeit mitunter deutlich länger.

Um die 20 Stück stellen Tolo Méndez und einige seiner insgesamt 60 Teufels-Kompagnons pro Jahr her. Die Masken kommen bei Feuerläufen, Schulveranstaltungen und selbst bei Hochzeiten zum Einsatz. „Einmal wurden wir sogar gebeten, bei einem Totengedenken für eine verstorbene Schweizerin anzutreten", erinnert sich Tolo Méndez.

Erst Gips, dann Vaseline

In unregelmäßigen Abständen versammelt man sich im Vereinslokal, um weitere Masken herzustellen: „Der erste Schritt besteht darin, einen Gipsabdruck vom Gesicht des zukünftigen Trägers zu machen, darauf werden dann Vaseline, flüssiges Harz und Glasfasern aufgetragen", erklärt Pere Canals, der Stellvertreter von Tolo Méndez. Ist diese Mischung getrocknet, wird der Gips abgeschlagen.

Die Masken werden dann unter anderem mit wetterfester und beim Trocknen schnell dunkler werdender Bitumen-Farbe bemalt und danach mit echten Ziegen- oder Schafshörnern versehen. „Die finden wir nach längeren Märschen in der Serra de Tramuntana, manchmal gibt´s die auch für 30 bis 40 Euro pro Stück auf Flohmärkten", sagt Tolo Méndez.

Manche der Teufel versehen die Masken dann noch mit einer Art Kragen aus alten T-Shirts, um sich während eines Feuerlaufs vor Funkenflug zu schützen. Manchmal passt einem Teufel auch seine im Prinzip jahrelang haltende Maske nach einiger Zeit nicht mehr, weil sein Kopf dicker geworden ist. „Dann müssen wir die ganze Prozedur vom Gips-Abdruck bis zur Bemalung wiederholt werden", sagt Tolo Méndez.

Ausgesprochen stabil

Die mal mehr und mal weniger gruselig dreinschauenden Masken sind nach Aussagen ihrer Macher ausgesprochen stabil. „Früher hatten wir sie aus empfindlicherem Material hergestellt, unter anderem aus Pappmaché", erinnert sich der Chef der colla. „Doch so eine Maske ging im Nullkommanichts wieder kaputt."

„Wir haben unseren eigenen Stil gefunden", freut sich Pere Canals. „Unsere Masken sehen nicht nur wegen der Nägel und Schrauben, sondern auch wegen ausgeprägter Krummnasen und Augenbrauen-Wülste und tiefer Falten besonders furchteinflößend aus." Zum Einsatz kamen sie im vergangenen Jahr bei insgesamt zwölf Feuerläufen auf Mallorca und etlichen weiteren Veranstaltungen, darunter Begegnungen mit katalanischen und valencianischen Leibhaftigen. Auch eine besondere Maske, die Pere Canals bei sich zu Hause fast wie einen Goldschatz hütet, kommt dann zum Einsatz: „Es ist eine Kombination aus Teufels- und Gasmaske", sagt er. „Das einzige Problem ist, dass man damit nur ganz schwer atmen kann."

Die nächste Gelegenheit, die Teufelsmasken aus El Molinar bei einem Feuerlauf zu bestaunen, ist am 21. April in Magaluf. Einen Tag später findet in Palmanova ein großes Treffen aller Mallorca-Collas statt, das ab 20 Uhr mit einem Feuerlauf seinen Höhepunkt erreicht. Weitere Infos über Facebook: Kinfumfà Dimonis.

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