Jetzt hat er die Archäologen im Garten

Auf der Finca von Dieter Süßmanns Hotel Predio Son Serra hat die Freilegung mindestens zweier Talayots begonnen. Später sollen sie Besuchern offenstehen

27.02.2015 | 10:35
Mein Haus, mein Garten, mein Talayot: Hotelier Dieter Süßmann auf der Finca Son Serra

Seit vergangener Woche sind auf der Finca Son Serra in der Gemeinde Muro fünf Archäologen und mehrere Freiwillige zugange, um die Überreste zweier Talayots und eines weiteren, noch nicht näher identifizierten Bauwerks aus der Zeit um 1000 vor Christus freizulegen. Wir sprachen mit Hausherr Dieter Süßmann, dem einstigen Neckermann-­Chefreiseleiter auf Mallorca, der auf dem Anwesen das Landhotel Predio Son Serra betreibt.

Herr Süßmann, wie gehen die Arbeiten in Ihrem Garten voran?
Derzeit werden ja erst einmal die ganzen Pflanzen und Bäume entfernt, die alles überwucherten. Allein die Reinigung wird noch mindestens zehn Tage dauern. Man kann aber jetzt schon einiges sehen und auch als Laie bestimmte Formationen erkennen. Danach wird man das Gelände kartografieren und sich überlegen, welche Teile als Erstes freigelegt werden.

Seit wann wissen Sie, dass auf Ihrer Finca ein solcher Schatz schlummert?
Seit mindestens 25 Jahren. Damals gab mir der Dorfschullehrer aus Muro ein altes Buch, in dem die archäologischen Reste erwähnt sind, und fragte mich, ob ich eigentlich wisse, dass es hier Talayots gibt. Vergangenen Mai kam dann ein Archäologen-Team zu mir, darunter eine Frau aus Muro, die offenbar von den historischen Überresten wusste. Sie schauten sich das Areal an und fragten mich, ob ich mit Ausgrabungen einverstanden wäre.

Und Sie sagten sofort zu?
Natürlich. Ich finde das wunderbar, das passt ja sehr gut in den Rahmen eines Landhotels. Jetzt können wir den Gästen sagen: Schaut her, das ist ein mystischer Ort, hier gab es schon vor mehreren tausend Jahren Zivilisation. Mit der Gemeinde habe ich inzwischen einen Vertrag unterschrieben, dass ich den Forschern und allen anderen Interessierten Zugang gewähre. Der Gemeinderat stellte außerdem umgehend und einstimmig 10.000 Euro für die Ausgrabungsarbeiten zur Verfügung. Für die Freilegung aller Funde dürfte das kaum reichen. Klar, das ist nur eine Anschub­finanzierung, damit es überhaupt losgehen kann.

Wie lange werden die Ausgrabungen insgesamt dauern?
Die Archäologen schätzen drei bis vier Jahre. Das stört mich aber nicht, ich brauche ja nicht als Freiwilliger mitzuhelfen. Außerdem ist das Anwesen 7,5 Hektar groß, die Talayots befinden sich im unteren Teil, in der Nähe des Reitplatzes. Das tangiert also auch unsere Hotelgäste nicht – wobei wir die Ausgrabungsstätte den Gästen bei Interesse natürlich gerne zeigen.

Was passiert nach Abschluss der Ausgrabungen mit den Talayots und sonstigen Funden?
Alles, was hier gefunden wird, ist Eigentum des Staates. Meine Frau fragte: „Und falls sie Gold finden?" Da sagte ich: „Dann müssen wir es leider abgeben". Aber Gold gab es auf Mallorca nie, da müssten man schon bei den Ruinen von Machu Picchu in Peru buddeln. Die Fundstücke von hier sollen voraussichtlich im Museo de Mallorca in Palma ausgestellt werden. Und das Gelände hier wird, sobald alles freigelegt und restauriert ist, kostenlos für Besucher geöffnet werden.

Sie werden keinen Eintritt ver­langen?
Nein. Ich finde, dass einheimische Besucher ein Recht haben, ihre Vergangenheit kennenzulernen. Für mich ist es Reichtum genug, dass ich all diese Überreste auf meinem Grundstück habe und die Urlauber erfahren, dass sie hier sind. Das ist eine Attraktion, die für Son Serra als Landhotel einen Mehrwert darstellt – ohne Eintritt zu kassieren.

Tag der offenen Tür: Am Samstag (28.2.) können das Hotel und die Ausgrabungsstätte von 10 bis 14 Uhr besichtigt werden (Carretera Muro-Can Picafort, Kilometer 7.) Die Archäologen und Dieter Süßmann stehen für Auskünfte zur Verfügung.

Im E-Paper sowie in der Printausgabe vom 26. Februar (Nummer 773) lesen Sie außerdem:

- Skandal um Son espases: Ex-Premier Matas stellt sich taub
- Jaume Santandreu und sein Kampf um "Sa Casa Llarga"
- Doulas begleiten Geburten und werden von vielen angefeindet

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