Erfreulicher Prozessbeginn für "Big Manni"

Flowtex-Betrüger und Mallorca-Resident Manfred Schmider steht gemeinsam mit seiner Ex-Frau und deren Sohn und Tochter in der Schweiz erneut vor Gericht

06.10.2015 | 10:00
Weiß Mallorca durchaus zu genießen: Manfred Schmider auf einem Archivbild von 2009.

Manfred Schmieder, der einstige Chef von Flowtex und Mallorca-Resident, hat gleich zu Beginn eines neuen Strafprozesses in der Schweiz am Montag (5.10.) einen Punktsieg errungen: Auf Antrag der Verteidigung entschied das Bezirksgericht in Frauenfeld (Kanton Thurgau), zivilrechtliche Forderungen auf Entschädigungen in dem Strafverfahren um Geldwäsche, Veruntreuung und Urkundenfälschung nicht zuzulassen.

Wie die Nachrichtenagentur dpa berichtet, folgte Richter Rudolf Fuchs dabei der Argumentation, dass Forderungen deutscher Insolvenzverwalter bereits in einem Zivilprozess im Kanton Zürich anhängig seien. Es sei nicht zulässig, die gleichen Forderungen in zwei Prozessen parallel zu behandeln. Über die Zulassung der strafrechtlich relevanten Vorwürfe der Anklage werde das Gericht am Dienstag entscheiden. Die Verteidigung macht in mehreren Punkten der Anklage wegen Geldwäsche geltend, dass diese verjährt seien.

Die Staatsanwaltschaft wirft vor allem Schmiders damaliger Frau vor, Vermögenswerte von insgesamt umgerechnet rund 22 Millionen Euro in der Schweiz versteckt und so der Insolvenzmasse von Flowtex entzogen zu haben – darunter die Verkaufserlöse für eine Villa in St. Moritz, ein 51-Karat-Diamant und andere wertvolle Juwelen.

Der auch als "Big Manni" bekannte Manfred Schmieder lebt seit Jahren zumindest zeitweise auf Mallorca. Und das nicht auf kleinem Fuß. In einem Exklusiv-Interview mit der MZ im Jahr rechtfertigte er sich 2009 damit, dass er gewissermaßen aus Not in der Villa seiner wohlhabenden Ex-Frau im vornehmen Stadtviertel Son Vida untergeschlüpft sei.

In dem neuen Gerichtsverfahren in der Schweiz, das auf 20 Prozesstage angesetzt ist, wird Manfred Schmider Geldwäsche vorgeworfen. Für ihn fordert die Staatsanwaltschaft dreieinhalb Jahre Haft, für die Frau fünf Jahre und fünf Monate. Zudem sollen nach der Vorstellung der Ankläger hohe Geldbußen gezahlt werden. Ursprünglich hatten die Staatsanwälte auch beantragt, den größten Teil des Schmider-Vermögens in der Schweiz einzuziehen und Geschädigten des Flowtex-Betrugs zu übergeben. Darüber kann nun nur noch in einem Zivilverfahren in Meilen am Zürichsee entscheiden werden, das bereits seit 2012 anhängig ist.

Die von Schmider in Ettlingen bei Karlsruhe gegründete Firma Flowtex hatte mehr als 3.000 Spezialbohrgeräte zur unterirdischen Rohrverlegung "verkauft", von denen die meisten allerdings nur auf dem Papier existierten. Der Schaden durch diese Luftgeschäfte belief sich auf 2,6 Milliarden Euro. Schmider saß in Deutschland sieben Jahre in Haft, 2007 kam er frei. /dpa/ck

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