Schreckgespenst Überbuchung

Mallorcas Hoteliers bereiten sich auf eine Rekordsaison vor. Und auf die damit verbundene Mammutaufgabe, trotz des Ansturms zufriedene Urlauber nach Hause zu schicken

11.04.2016 | 10:06
Wer sich eine Liege am Pool sicher will, muss 2016 noch früher aufstehen. Foto: Revenga
Wer sich eine Liege am Pool sicher will, muss 2016 noch früher aufstehen. Foto: Revenga

Die Zeichen stehen auf Overbooking (Überbuchung). Bis Ende Oktober wird der Flughafen in Palma 26,4 Millionen Passagiere abfertigen. Das wären 4,3 Millionen mehr als der Vorjahresrekord. Nicht alle dieser Reisenden sind Urlauber, aber der Großteil wird in einem der rund 290.000 Hotelbetten auf Mallorca oder auch in den geschätzt 120.000 alegaler Ferienwohnungen unterkommen. Besonders im Juli und August wird es eng werden auf der Insel. „Die Reisever­anstalter fragen schon nicht mehr nach den Preisen, sondern nur nach den verbleibenden Restplätzen", sagt Antoni Mayol, Vorsitzender des Hoteliersverbands von Peguera. Keiner wolle wegen einer Diskussion um ein oder zwei Euro hin oder her wertvolle Kapazitäten an die Konkurrenz abgeben.

Schon auf der ITB im März hatte so mancher Hotelier laut die Frage aufgeworfen, ob man zuvor in den Verhandlungen nicht zu günstige Übernachtungsmöglichkeiten verkauft hätte – ausgerechnet in einem Rekordjahr wie diesem. Zumal auch die Buchungen für Juni und September so gut laufen wie nie zuvor. „Wir werden Pro­bleme haben, alle unterzubringen", befürchtet Mayol. Weitere Hoteliers stimmen seiner Prognose zu.

Denn Branchenriesen wie TUI und Thomas Cook kämpfen darum, ihre Verluste in der ­Türkei ­auszugleichen, indem sie mehr Kunden nach Mallorca schaffen. Nach den jüngsten Anschlägen wollen insbesondere Familien auch dann keinen Urlaub an der türkischen Riviera buchen, wenn sie ihn praktisch hinterhergeworfen bekommen. Ein TUI-Vorstand bestätigt: Es gebe viele Ziele mit Sonne und Strand. Aber nur wenige, die gleichzeitig das Bedürfnis nach Komfort und Sicherheit befriedigen, das insbesondere für Familien so wichtig ist. Mallorca zählt dazu, die Kanaren auch.

Bleibt die Frage, ob man die Urlauber alle untergebracht kriegt. „Im August ist alles voll", bestätigt Sebastiá Darder, der Präsident der Hoteliers von Palmanova-Magaluf. Er und seine Kollegen stünden jetzt vor einer doppelten ­Herausforderung: Kurzfristig müssten sie die Zahlen für Juli verbessern – dem einzigen Monat der Hauptsaison, bei dem die Buchungen denen des Vorjahres noch etwas hinterherhinken. Mittel- und langfristig gelte es hingegen aus Gelegenheitsurlaubern in Magaluf und andernorts Wiederholungsbucher zu machen.

Darder hat es vor allem auf die aus Hotelierssicht wankelmütigeren Franzosen und Skandinavier abgesehen: „Wenn diejenigen, die ihre Stammziele verloren haben, Qualität in den Hotels und Ordnung bei den öffentlichen Dienstleistungen vorfinden, blicken wir einer großartigen Zukunft entgegen", sagt er.

Urlauber aus Russland könnten die Aussichten noch rosiger machen. „Mallorca ist wieder ganz hoch im Kurs", sagt Elena ­Buzukova, Vertriebsleiterin für Riu in Moskau. Noch nie seien die Flugzeuge so gut ausgelastet gewesen, und man könne sogar noch mehr Reisen verkaufen, „aber die Veranstalter haben Probleme, freie Plätze zu finden."

Auch auf den Airport wartet eine gewaltige Herausforderung. Laut den von der Flughafenbehörde Aena bekannt gegebenen Zahlen kommen von den gut vier Millionen zusätzlichen Passagieren in diesem Jahr viele aus den klassischen Ländern für Mallorca-Stammgäste. Deutsche sorgten für ein Buchungsplus von 21 Prozent, die Briten kauften 17 Prozent mehr Tickets. Zusammengefasst bedeutet das fast 25.000 zusätzliche Flüge im Sommer. Auch auf den Tower wartet eine gewaltige Herausforderung.

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