Prostituierte schoben für korrupte Politiker Sonderschichten

Einzelheiten im Korruptionsfall in der Ortspolizei Palma. Richter hebt Ermittlungsgeheimnis teilweise auf

05.07.2016 | 08:57
Der Nachtclub "Table Dance" soll Sonderschichten für Polizisten angeboten haben.

Der Besitzer des Nachtclubs "Table Dance" an der Playa de Palma ließ die für ihn arbeitenden Prostituierten nachmittags Sonderschichten für hohe Tiere aus Politik, Verwaltung und Polizei einlegen. Dabei mussten teilweise minderjährige Frauen ungeschützten Sex über sich ergehen lassen. Diese und weitere Details wurden bekannt, nachdem das Ermittlungsgeheimnis im Korruptionsskandal der Ortspolizei Palma am Donnerstag (30.6.) teilweise aufgehoben worden ist. 

Sonderschichten
Eine der Prostituierten sagte nach Informationen der MZ-Schwesterzeitung "Diario de Mallorca" vor Gericht als Zeugin aus, dass der Club "Table Dance" für das normale Publikum jeweils um 21 Uhr öffnete. Für geladene Politiker, die ihre Dienste nicht bezahlen mussten, schoben die Frauen jedoch ab 17 Uhr Sonderschichten. Die Frauen mussten ihre Dienste anbieten "ohne sich zu beschweren", die Ansage war "man durfte nicht nein sagen". Bei diesen Feiern waren "Bürgermeister von Orten auf Mallorca, Polizeichefs und alte Politiker, die über 60 oder 70 Jahre alt waren", wird eine Zeugin zitiert. Namen wurden vorerst nicht bekannt.

Bei diesen Orgien zahlte der Betreiber des Nachtclubs die Prostituierten aus eigener Tasche. Die Gäste konsumierten nicht nur gratis, sondern erhielten zusätzlich Geld. "Alle Mädchen in dem Club wussten, dass die Ortspolizisten, Guardia-Civil-Beamten und Politiker Umschläge mit Geld bekamen." Mindestens eine der Prostituierten soll in den ersten Jahren ihrer Tätigkeit minderjährig gewesen sein. Nie werde sie ihren ersten Arbeitstag vergessen, als sie gezwungen worden sei, – minderjährig und ohne Kondom – Sex mit dem Chef des Clubs praktizieren zu müssen.

Drogen und Gewalt
Einige der Polizisten seien regelmäßig Kunden der Prostituierten gewesen. Teilweise seien diese sehr gewalttätig geworden, wenn eine der Frauen nicht gefügig war. Laut den Aussagen einer Zeugin war eine Prostituierte von einem der Polizisten in einen Müllcontainer geworfen worden.

Manche Polizisten hätten regelmäßig Drogen konsumiert. Es habe sogar einen Laufboten des Nachtclubs gegeben, der die verschiedenen Substanzen auslieferte. Nach dem Konsum der Rauschmittel seien die Beamten gegenüber den Frauen noch ausfälliger und gewalttätiger geworden.

PP-Chef von Palma in der Bredouille
Der Vorsitzende der Konservativen (Partido Popular, PP) in Palma, José María Rodríguez, gerät nach den neuen Veröffentlichungen erneut in Erklärungsnot. Die Ermittler verdächtigen ihn, einer der Hintermänner der korrupten Machenschaften zwischen Polizei, Stadtverwaltung und mindestens zwei großen Unternehmergruppen gewesen zu sein. Nach dem Wahlsieg der PP im Jahr 2011 soll eine regelrechte Seilschaft entstanden sein, um Schlüsselpositionen in Polizei und Verwaltung mit affinen Personen zu besetzen.

Die Clubs der beiden Unternehmergruppen seien bei Polizeikontrollen bevorzugt worden. Einige der Nachtclubs seien jahrelang ohne Lizenz geöffnet gewesen. Die Stadtverwaltung drückte anscheinend mehr als nur ein Auge zu.  /tg

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