Playa de Palma: "Das Bier wird uns in den Ruin treiben"

"Palma Beach"-Mitbegründer Juan Miguel Ferrer über seine Vision einer gesitteteren Playa mit Paellas für 18 Euro

24.07.2016 | 07:54
Warum kein „springbreak" an der Playa? Juan Miguel Ferrer will Partyexzesse nur 20 Tage im Jahr dulden.
Warum kein „springbreak" an der Playa? Juan Miguel Ferrer will Partyexzesse nur 20 Tage im Jahr dulden.

Fünf große Hoteliers mit an Bord

  • Die private Marketing-Offensive „Palma Beach" ist von acht Lokalbetreibern an der Playa de Palma im Mai ins Leben gerufen worden. Damit sollen unternehmerische Initiativen für mehr Qualität gefördert und das wichtigste Urlaubsgebiet Mallorcas stärker als Destination für Qualitätstourismus positioniert werden. Neben dem Hotel Playa Golf, das die Initiative von Anfang an unterstützte, haben sich inzwischen vier weitere mallorquinische Hotelketten angeschlossen: Riu, Hipotels, Pure Salt Luxury Hotels und Iberostar. Iberostar eröffnete am Freitag (15.7.) außerdem offiziell sein erstes Fünf-Sterne-Hotel an der Playa de Palma, ehemals ein Vier-Sterne-Haus, in dessen Sanierung 18 Millionen Euro investiert wurden.

Als Juan Miguel Ferrer vor 45 Jahren geboren wurde, war die Playa de Palma noch ein beschaulicher Urlaubsort. Selbst als der Massentourismus einsetzte, sei die Welt noch in Ordnung gewesen, erzählt der Unternehmer, dessen Familie in der Urlauberhochburg mehrere Bars und Restaurants betreibt – unter anderem das „El Chiringuito" am Eingang der Bierstraße, seit Sommer 2015 ein weiß getünchter Beach-Club. Ferrer hat vor einigen Monaten zusammen mit anderen Unternehmern die Marketing-Offensive „Palma Beach" ins Leben gerufen. Sie soll das Image der Playa wieder aufpolieren und dem guten Geschmack zum Durchbruch verhelfen.

Herr Ferrer, was ist in den vergangenen Jahrzehnten schiefgelaufen, wieso ist die Playa de Palma so in Verruf geraten?
Ich denke, es lag an einer neuen Urlaubergeneration – vor 30 Jahren kamen Besucher mit hoher Kaufkraft hierher, die sich zu benehmen wussten. Hinzu kommt, dass die deutschen Medien uns das Klischee von ständiger Party und hemmungslosem Über-die-Stränge-Schlagen verpassten, das nichts mit dem zu tun hat, was man sich als Tourismusmodell für die Playa vorgestellt hatte. Das hat uns ins Verderben geführt.

Nun geht bei jeder Meldung, Palma wolle die Alkoholexzesse einschränken, ein Aufschrei durch die deutschen Medien €
Genau so ist es. Und die Playa de Palma sollte diesen Charakterzug als Partyhochburg auch nicht verlieren. Aber wir müssen es machen wie Daytona, Acapulco oder Cancún, wo es während ein paar Wochen im Jahr, beim springbreak, ausgelassene Partys für Studenten gibt: 20 Tage lang im Mai ist, innerhalb gewisser Normen, alles erlaubt, und danach kehrt wieder Ruhe ein. Im Herbst kann man dann noch was machen für die ältere Generation, etwa ein Oktoberfest, und das war´s. Es kann nicht weiterhin sieben Monate am Stück massenhafte Besäufnisse geben.

Das Modell basiert auf Schleuderpreisen für Essen und Getränke. Kann das überhaupt rentabel sein?
Für Unternehmensgruppen, die große Mengen umsetzen, ja. Die anderen sind Parasiten, die die Großen nachahmen, Klitschen, die ums Überleben kämpfen, kein Konzept haben. Sie verkaufen das Bier um fünf Cent billiger, um aus dem Profit zu schlagen, was die Großen übrig lassen.

Im „Chiringuito" kostet die Paella mit Meeresfrüchten 18 Euro, funktioniert das an der Playa?
Es gibt jeden Tag Gäste, die die Karte sehen und wieder aufstehen. Aber dafür haben wir neue Zielgruppen gewonnen, Einheimische und Residenten. Seit wir auf mehr Qualität setzen, ist der Laden voll. Auch die anderen Initiatoren von „Palma Beach" sind zufrieden – wegen der Umsätze, aber vor allem weil das Konzept zukunftsfähig ist. Ich habe immer gesagt, das Bier wird uns in den Ruin treiben. Das neue Modell hingegen sichert uns die nächsten 40 Jahre gute Geschäfte.

Was ging durch die Partyexzesse verloren, was Sie nun mit „Palma Beach" wiedererlangen wollen?
Vor allem die Dauer der Saison, hier war es gelungen, sie auf zehn Monate auszuweiten, mehr als der Inseldurchschnitt. Aber mit dem Party­tourismus gingen die Familien, die Paare, die normalen Leute verloren. Alle sind sich einig, dass die Playa im Winter traumhaft ist. Warum? Weil die Horden an Sauftouristen nicht da sind, weil man morgens um 11 keine betrunkenen Jugendlichen trifft. Wenn wir die verbannen, haben wir das perfekte Reiseziel. Dass das drei oder auch fünf Jahre dauert, ist uns klar. Aber wir Unternehmer sind bereit für eine Veränderung.

Welche Auflagen muss erfüllen, wer sich der Initiative anschließt?
Wir setzen auf Qualität, Innovation, Spezialisierung und Investitions­bereitschaft. Wobei das Inseltypische gerne erhalten bleiben darf oder muss. Was wir nicht haben wollen, sind Läden mit Ein-Euro-Produkten oder gefälschten Markenartikeln im Sortiment und Lokale, die Flyer­verteiler vor dem Eingang stehen haben und mit Happy Hours oder rein auf Alkohol ausgelegten Angeboten um Kunden buhlen. Die traurige Wahrheit ist allerdings, dass wir damit mindestens 80 Prozent der Unternehmer hier an der Playa von vornherein ausschließen.

Was erhoffen sich die Hoteliers, die „Palma Beach" nun unterstützen?
Dass die Kunden, die ein Fünf- oder Vier-Sterne-Plus-Hotel mit Infinity Pool und exzellentem Service buchen, ein angemessenes Umfeld vorfinden und nicht über Alkohol­leichen stolpern. Nachts darf es gerne eine Partymeile geben, aber tagsüber sollte es am Strand ruhig sein.

Wie wollen Sie das Image der Playa aufpolieren, wenn gleichzeitig eine angebliche Polizei-Mafia europaweit für Schlagzeilen sorgt?
Das ist natürlich nicht hilfreich. Wir waren selbst überrascht. Das soll an unserer Playa passiert sein?

Aber irgendetwas müssen Sie doch mitbekommen haben €
Natürlich hört man Sachen, aber dass da Polizisten mit Ferngläsern Wache stehen, um Taschendieben zu helfen, sprengt mein Vorstellungsvermögen.

Und Sie haben nicht gehört, dass Schutzgelder erpresst wurden?
Es gab hier sehr schwierige Zeiten, in denen manche Polizisten eher der Einschüchterung statt dem Schutz der ehrlichen Leute dienten. Vor drei Jahren hatten wir mehr Angst vor der Polizei als vor manchem Verbrecher.

Warum hat dann kein ehrlicher Unternehmer und kein großer Hotelier den Mund aufgemacht? Aus Angst vor den Big Playern?
Ich denke ja, diese Leute sind sehr mächtig. Wenn wir nichts gesagt haben, dann weil wir nicht noch mehr Schwierigkeiten wollten. Uns bleibt die Genugtuung, dass wir am Ende die Gewinner sein werden, wenn wir auf Ehrlichkeit und Qualität setzen.

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