Und weg war der Wagen

Im Mai beschlagnahmte die Polizei den Mercedes einer deutschen Residentin, der angeblich geklaut war. Inzwischen scheint der Fall geklärt, doch kein Gericht fühlt sich für die Freigabe des Autos zuständig

30.08.2016 | 09:52
Irgendwo auf dem Weg von Deutschland nach Mallorca wurde der Mercedes zum "Corpus Delicti".
Irgendwo auf dem Weg von Deutschland nach Mallorca wurde der Mercedes zum "Corpus Delicti".

Im Herbst 2014 kaufte Anke Köhler bei einem Händler in Andratx einen Jahreswagen, einen Mercedes GKL, Neuwert um die 50.000 Euro. Als Immobilienmaklerin nutzte die deutsche Residentin aus Cala Ratjada ihr neues Gefährt so gut wie jeden Tag – bis sie im Mai dieses Jahres einen Anruf der Nationalpolizei aus Palma erhielt: Der Wagen sei beschlagnahmt, da es sich möglicherweise um Diebesgut handle. Dazu der Hinweis: Wenn Sie das Auto nicht freiwillig herbringen, holen wir es uns.

Sichtlich eingeschüchtert, aber in dem festen Glauben, dass es sich um ein Missverständnis handeln müsse, fuhr Anke Köhler nach Palma und legte der Polizei den Kaufvertrag und die Kfz-Papiere vor. Eine freundliche Beamtin bestätigte ihr zwar, dass sie alles richtig gemacht hätte, doch ein Gericht in Alicante habe angeordnet, den Mercedes zu konfiszieren – und dem müsse sie nun Folge leisten.

Einige Wochen lang überbrückte die Maklerin daraufhin mit Mietwagen. Als sich die Sache weiter in die Länge zog und sie lediglich die Nachricht erreichte, das Gericht in Alicante habe den Fall nun nach Madrid weitergegeben, kaufte sich Köhler ein neues Auto. „Ich brauchte es ja für meine Arbeit", erzählt sie. Vorige Woche bekam die Deutsche dann wieder Post, diesmal von der Policía Local in Palma, die fürs Abschleppen und Verwahren ihres Wagens im städtischen Autodepot Son Toells stolze 300 Euro einforderte. „Da dachte ich endgültig, ich bin im falschen Film." Immerhin klärte sich dieser Teil der Insel-Posse innerhalb weniger Tage auf: Schuld war ein Kommunikationsproblem zwischen Orts- und Nationalpolizei, die das Abschleppen angeordnet hatte – die Kosten sollten der Wagenhalterin aber natürlich nicht in Rechnung gestellt werden.
Von der Polizei hat Anke Köhler erfahren, dass der Mercedes einst in Deutschland als Mietwagen gemeldet war. Der Verkäufer habe ihr hingegen damals von einem deutschen Unternehmer als Vorbesitzer erzählt, der mit dem Wagen nach Mallorca gekommen war, ihn dann aber verkaufte. „Ich hätte vergangenes Jahr schon stutzig werden sollen, als mir bei der Inspektion gesagt wurde, das Auto laufe als ­Mietwagen und müsse deshalb zum TÜV, obwohl es noch gar keine fünf Jahre alt ist."

Julio Romera, der Inhaber des Autosalon Mallorca in Andratx, hat eine andere Version parat. Der Mercedes stammte von einem Großhändler in Madrid, mit dem er regelmäßig Geschäfte mache. Da der Madrilene, der seine Autos wiederum von einem Händler aus Deutschland bezieht, aber offenbar in Zahlungsverzug geraten ist, sei der Sachverhalt bei der Polizei aktenkundig geworden – und ein Gericht habe kurzen Prozess gemacht. Beschlagnahmt worden sei dabei noch ein zweiter Wagen, ein Jeep, den Romera bis dato nicht weiterverkauft hatte. „Ich war deshalb auch schon zigmal bei der Polizei, um nachzuweisen, dass ich die Autos ordnungsgemäß erworben und bezahlt habe", sagt er. Seiner Aussage verlieh er mit einem Auszug von der Verkehrsbehörde Nachdruck. „Daraus geht hervor, dass die beiden Autos vollkommen sauber sind."
Romero ist zuversichtlich, dass sich die Sache schnell aufklärt und ein Gericht die Autos wieder freigibt. „Allerdings sind wir mitten in der Urlaubszeit, vor September wird das nichts." Anke Köhler dagegen ist kaum optimistisch. „Wenn die noch nicht mal wissen, welches Gericht zuständig ist, kann das noch Monate, wenn nicht gar Jahre dauern."

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