Tolo Cursach, der Unternehmer der Nacht

Schillerndes Unternehmergenie und rücksichtsloser Investor: Der Megapark-Besitzer hat sich von ganz unten nach ganz oben gearbeitet und ein weitverzweigtes Imperium aufgebaut

05.03.2017 | 10:13
So kennt man ihn: Tolo Cursach mit obligatorischer Sonnenbrille.

Irgendwo zwischen genialem Geschäftsmann und skrupellosem Strippenzieher des Nachtlebens der Insel: Bartolomé Cursach – auf Mallorca unter dem Spitznamen „Tolo" bekannt – gilt auf Mallorca sowohl als schillernde Persönlichkeit, die sich in Eigenarbeit ein riesiges Imperium aufgebaut hat, als auch als forscher Machtmensch, mit dem es keiner aufnehmen wollte. Wer es trotzdem tat, bereute es zuweilen und musste sein Geschäft womöglich schließen. In einem sind sich wohl alle einig: Dass er wirklich einmal festgenommen wurde, ist auf der Insel eine Sensation und zeigt, dass niemand mehr – auch nicht die Big Player – vor der Justiz sicher sind.

Nach einer großangelegten Razzia und der Festnahme am Dienstag (28.2.) sitzt Cursach inzwischen in Untersuchungshaft. Verwiesen wurde auf Flucht- und Verdunklungsgefahr. Gegen den Beschuldigten wird wegen mehr als einem Dutzend Delikten ermittelt.

Das Cursach-Imperium
Als Jugendlicher jobbte Tolo Cursach als Balljunge im damaligen Mallorca Tenis Club und später in den ersten Diskotheken der Playa de Palma. Zu einigem Geld brachte er es erstmals in den 70er-Jahren durch den Verkauf importierter britischer Modeklamotten. Das sich von der Franco-Diktatur befreiende Spanien lechzte nach Modernität. Kurze Zeit später eröffnete er seine erste Diskothek, das „Splash", die zum Grundstein für sein späteres Imperium werden sollte.

Über die Jahrzehnte schwang er sich zum Platzhirsch an der Bucht von Palma auf. In Deutschland ist die Cursach-Gruppe vor allem wegen des Megaparks, der Mega­arena oder des Paradies bekannt. Aber der Konzern kontrolliert nicht nur die meisten großen Vergnügungstempel an der Playa de Palma, sondern auch an der anderen Seite der Bucht, im von britischen Urlaubern begehrten Magaluf. Als größter Partydom wacht hier der Klub BCM über den Rest der Vergnügungs-Etablissements. Und in der Mitte der Bucht – am Paseo Marítimo – betreibt ­Cursach die Nobelschuppen Pachá und Tito´s.

Hintergrund: Der Skandal um die Ortspolizei

In der Recherche zu den Arbeitsbedingungen an den Spaßmeilen befragte die MZ mal die tiqueteros, die Verteiler von Flyern, die immer wieder von der Ortspolizei an der Playa de Palma gestellt wurden und Strafzettel erhielten. „Wir geben die Strafzettel einfach an unsere Chefs. Die geben sie dann weiter. Die kümmern sich dann bei den Behörden darum. Ein Bußgeld wurde, glaube ich, noch nie gezahlt." Und Cursach, davon gingen alle aus, konnte niemand etwas anhaben.

Das Imperium wuchs weiter. Zu den Diskotheken kaufte Cursach Restaurants (Asaditos, Linos, Steakhouse), Hotels (BH Mallorca, Club B, BCM Hotel) und Fitness-Center (Megasport, Megahealth) dazu. Was im Freizeitbereich Geld bringt, wurde aufgekauft oder plattgemacht, kritisierten seine Konkurrenten.

Sportmäzen
Die meiste Zeit über blieb Cursach im Hintergrund der Geschäfte. Nur zwischendurch gefiel sich der inzwischen zum Multimillionär aufgestiegene Magnat auch in der Rolle des in die Öffentlichkeit tretenden Sportmäzens. Als der damalige Fußball-Erstligist Real Mallorca die Schulden aus der Saison 2001/02 nicht zahlen konnte, befreite er den Verein vor dem Zwangsabstieg wegen ­Zahlungsunfähigkeit. Knapp zehn Millionen Euro blätterte er für den Spaß hin und ließ sich sogar zum Vereinspräsidenten küren. Zwei Jahre später verlor er den Spaß und verkaufte den Verein an den Bauunternehmer Vicente Grande.

Immer cool
Im Januar 2015 musste er vor dem Untersuchungsausschuss des Balea­ren-Parlaments aussagen. Es ging um die illegalen Machenschaften beim Bau des Krankenhauses Son Espases. Cursach hatte mächtig Kohle verdient, weil er Grundstücke aufgekauft hatte, die kurze Zeit später zu Bauland umgewidmet wurden, und es bestand der Verdacht, er hätte von der Entscheidung gewusst. Cursach wollte sich an viele Dinge nicht erinnern: „Wer weiß schon, was er vor drei Jahren getan hat", antwortete er lapidar.

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