Real-Mallorca-Präsident Tomeu Vidal: ´Bei uns sollen alle zu Hause sein´

Interview: Vidal über die gesellschaftliche Rolle des Clubs und Auswege aus der Schuldenfalle

31-12-2009  
Tomeu Vidal in seinem Büro in der Geschäftsstelle von Real Mallorca: „Ich arbeite hier nur ehrenamtlich.?
Tomeu Vidal in seinem Büro in der Geschäftsstelle von Real Mallorca: „Ich arbeite hier nur ehrenamtlich.?  Foto: Sebastián Terrassa

HOLGER WEBER Der Mallorquiner Tomeu Vidal ist seit August dieses Jahres Präsident des hoch verschuldeten Fußball-Erstligisten Real Mallorca. Er kam mit der Familie Martí Asensio, die den Club im Sommer für fünf Millionen Euro übernommen hatte, nach Zahlungsschwierigkeiten aber im November wieder an den Vorbesitzer Mateu Alemany zurückgeben musste. Vidal ist Anwalt und war Anfang der 90er in der balearischen Landesregierung Kultusminister.

Sie sind ein Mann der Kultur. Warum haben Sie sich in die hemdsärmelige Welt des Fußballs begeben?

Das war eigentlich mehr ein Unfall. Eigentlich habe ich in meiner Eigenschaft als Anwalt die Gruppe Safín beim Kauf von Real Mallorca beraten. Im August musste alles fürchterlich schnell gehen, weil der Saisonbeginn vor der Tür stand. Als die Verhandlungen sich auf einem guten Weg befanden, bat man mich plötzlich, das Präsidentenamt zu übernehmen. Ich habe zugesagt, um das Projekt nicht noch zu gefährden.

Haben Sie den ‚Unfall‘ bereut?
Nein. Ich fühle mich jetzt auch für dieses Amt berufen. Real Mallorca ist immerhin eine der wichtigsten Institutionen, die wir auf der Insel haben. Das Amt bringt viel Verantwortung mit sich und ich glaube, ich bin es meiner Heimat schuldig, mich für das Wohl des Clubs einzusetzen.

Eine mallorquinische Tageszeitung hat behauptet, Sie hätten für Ihr Amt über die ersten sechs Monate ein Monatsgehalt von 10.000 Euro ausgehandelt.

Das stimmt nicht. Ich bekleide dieses Amt rein ehrenamtlich und lebe von meiner Tätigkeit als
Anwalt.

Haben Sie keine Angst, Ihren guten Ruf zu verspielen?
Man muss im Leben etwas riskieren. Und ich glaube, wenn man arbeitet, wird dies auch anerkannt.

Wann haben Sie das erste Mal an der Solvenz der Familie Martí Mingarro gezweifelt?
Als ich erfuhr, dass Mateu Alemany die zweite Ratenzahlung nicht erhalten hatte. Ich war wie vor den Kopf gestoßen. Mich verband eine mehr als 30-jährige Freundschaft mit Luis Martí Mingarro.

Ist diese Freundschaft an der Sache mit Real Mallorca zerbrochen?
(Denkt nach) Mir fällt es sehr schwer, meine persönliche Beziehung zu Luis Martí Mingarro in Worte zu fassen.

Wie viel Zeit geben Sie sich an der Spitze des Clubs?
Ich werde Mateu Alemany dabei helfen, den Club auf einen guten Weg zu bringen. Wenn der Verein eines Tages aus dem Gröbsten heraus ist, werde ich die Präsidentschaft niederlegen.

Wie sollen die Leute Sie dann in Erinnerung behalten?
Als jemand, der alles getan hat, was er tun konnte.

Was ist Ihr wichtigstes Anliegen?

Ich möchte, dass Real Mallorca eine Anlaufstation für alle Menschen auf dieser Insel wird. Für die Mallorquiner, für die Menschen, die vom Festland gekommen sind, für die Ausländer, die unter uns leben. Dieser Club muss ein Ort sein, an dem wir uns alle zu Hause fühlen, und mit dem wir uns identifizieren können.

Das Stadion war in dieser Saison nie mehr als zur Hälfte gefüllt, obwohl die Mannschaft erfolgreich ist.
Der Fußball hat mittlerweile kein Vergnügungs-Monopol mehr. Auf einer Insel wie Mallorca gibt es viele Möglichkeiten, seine Freizeit zu verbringen. Ich glaube aber, dass hinter jedem, der ins Stadion geht, 100 mehr Fans stehen, die jeden Sonntag die Frage stellen: Wie hat Real Mallorca gespielt? Dieser Club steht im Zentrum unserer Gesellschaft. Und ich kann die Leute nur dazu ermuntern, ins Stadion zu kommen und die Spieler zu unterstützen. Sie haben es verdient, in diesem Jahr mehr als je zuvor. Wir erleben zurzeit wirklich Emotionen auf dem Rasen.

Was unterscheidet eigentlich einen Fan von Real Madrid oder Barcelona von einem Anhänger Real Mallorcas?
Nach einem zehnminütigen Gespräch über politische oder gesellschaftliche Themen kann ich Ihnen sagen, ob eine Person Anhänger von Real Madrid oder dem FC Barcelona ist. Einen Fan von Real Mallorca zu identifizieren, fällt mir wesentlich schwerer. Fußball ist nicht nur Sport. Fußball ist ein gesellschaftliches Spiegelbild.

Sucht Real Mallorca noch seinen Platz in der Gesellschaft?
Nein, es ist vielmehr Mallorca als Ganzes, das noch seinen Platz sucht. Der Club spiegelt nur die Gesellschaft der Insel wider.

Wessen Verdienst ist der sportliche Höhenflug der Mannschaft?
Es sind die Früchte jahrelanger Arbeit. Zudem bildet diese Mannschaft eine verschworene Einheit. Die Spieler verstehen sich nicht nur auf dem Platz. Dahinter steht die sportliche Leitung, vor allem unser fabelhafter Trainer, der selbst viel in den vergangenen Jahren gelernt hat und jetzt davon profitiert.

Sehen Sie einen Weg aus der Schuldenfalle?
Das hängt von vielen Variablen ab: von der Entwicklung der gesamtwirtschaftlichen Situation, von der Entwicklung im Werbe- und Marketingbereich. Und von den sportlichen Perspektiven des Teams natürlich

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