Keine Angst vor Segway-Regulierung auf Mallorca

Nach Calvià denkt nun auch Palma de Mallorca über verschärfte Regelungen für Elektrofahrzeuge nach. Warum das auch die Touranbieter befürworten

18.09.2017 | 17:57
Segways sollen in Palma de Mallorca ab Oktober nur noch dort fahren dürfen, wo auch Fahrräder erlaubt sind

Die Stadt Palma de Mallorca hat einen Entwurf veröffentlicht, der Segways und andere elektrische Kleinfahrzeuge wie Scooter, Drei- oder Einräder möglicherweise von den Bürgersteigen verbannen könnte. Geplant ist, dass die Fahrzeuge ab Oktober nur noch dort zirkulieren dürfen, wo auch Fahrräder erlaubt sind: auf den Straßen und auf den Fahrradwegen. Eine Ausnahme soll für Kinder unter zwölf Jahren gelten. Sie dürfen auch weiterhin auf den Bürgersteigen fahren, wenn ein Erwachsener sie begleitet.

Verkehrsdezernent Joan Ferrer begründet die Regelung damit, dass Zusammenstöße mit Fußgängern vermieden werden sollen. Dazu beitragen sollen auch Sicherheitsabstände zu Passanten und Häuserfassaden. Erst vergangene Woche hatte auch die Gemeinde Calvià bekannt gegeben, über ähnliche Maßnahmen nachzudenken.

Dabei sind die Elektrofahrzeuge nicht nur umweltschonend, sondern auch schwer im Trend. In den vergangenen Jahren gründeten sich auf der Insel immer mehr Unternehmen, die sich auf den Verleih oder auf geführte Touren spezialisieren. Bedeuten die angedachten Regelungen das Aus
für sie?

„Nein", sagt Thais Villadóniga. Sie ist die Geschäftsführerin des Touren-Anbieters Segway Palma. „Wir befürworten die Regelungen. Sie sollen respektvolles Verhalten aller Verkehrsteilnehmer fördern, und das ist notwendig", findet sie. Villadóniga stimmt darin überein, dass die öffentlichen Wege und Straßen Platz für alle bieten sollten. „Für uns wird sich nicht viel ändern", fügt sie hinzu. „Wir werden einige Routen ändern, die Vorgaben genau studieren und uns ein wenig anpassen." Die Mehrheit der vorgeschriebenen Sicherheitsmaßnahmen halte man bei Segway Palma ohnehin ein. Angeboten ­werden hier ausschließlich geführte Touren mit gut ausgebildeten Guides, die vor der Abfahrt genaue Anweisungen geben und darauf achten, dass diese auch eingehalten werden. „Wenn sich jemand nicht daran hält, wird er von der Tour ausgeschlossen." Allerdings, so Villadóniga, müsse die Stadt auch dafür sorgen, dass Fahrradwege ausgebaut und instand gehalten werden. Kritisch sieht sie zudem den freien Verleih von Elektrofahrzeugen. „Es ist gefährlich, wenn Urlauber, die sich in der Stadt nicht auskennen, mit einem Fahrzeug unterwegs sind, dessen Gebrauch sie nicht gewohnt sind. Dadurch passieren dann häufig Unfälle."

Andreas Schwarzmann, Investor von Segway Tours Santa Ponsa, stimmt dem zu. „Man muss auch unterscheiden, mit welchem Fahrzeug man es zu tun hat", betont er. Während die Original-Segways über hohe technische Sicherheitsstandards verfügten und in der Anschaffung rund 8.000 Euro kosten, seien es im freien Verleih oft sogenannte Ninebots. Zwar kaufte die chinesische Firma Ninebot das US-Unternehmen Segway im Jahr 2015 auf, doch die eigene Billig-Linie von Ninebot sei weiterhin im Angebot. „Da muss besser differenziert werden", findet Schwarzmann. Sorgen, dass sein Unternehmen durch die neuen Regelungen negativ beeinflusst werden könnte, macht sich der Österreicher nicht. „Vielleicht kommt es uns sogar zugute. Außerdem führen derzeit ohnehin nur zehn Prozent unserer Routen über öffentliche Straßen." Der Rest gehe über Stock
und Stein.

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