Bundesregierung rechnet mit Insolvenz und Grounding von Niki

Die Lufthansa hatte am Mittwoch (13.12.) ihr Angebot zur Übernahme der Air-Berlin-Tochter wegen Bedenken der Wettbewerbshüter zurückgezogen

13.12.2017 | 18:47
Niki-Flieger.

Die Bundesregierung rechnet mit Insolvenz und Einstellung des Flugbetriebs bei der Air-Berlin-Tochter Niki. "Alternative Käufer für Niki standen und stehen bis heute nicht zur Verfügung, trotz allerlei öffentlicher Ankündigungen und intensiven Bemühens des Generalbevollmächtigten von Air Berlin", erklärte Regierungssprecher Steffen Seibert am Mittwoch (13.12.). "Insolvenz und Grounding von Niki sind jetzt die Folge."

Die Lufthansa hatte zuvor erklärt, im Zuge der angestrebten Übernahme von Teilen der Air-Berlin-Gruppe vollständig auf die Übernahme von Niki zu verzichten. "Lufthansa hat heute Air Berlin und ihren Sachwalter informiert, dass sie aufgrund der zu erwartenden Restriktion die geplante Transaktion ohne den Erwerb von Niki weiterverfolgen wird", heißt es in einer Pressemitteilung vom Mittwoch (13.12.).

Mit dem Verzicht reagiert die Lufthansa auf Bedenken der EU-Wettbewerbshüter. "In der sogenannten Phase I- Prüfung hatte Lufthansa bereits umfangreiche Zusagen insbesondere durch den Verzicht auf Slots angeboten", heißt es. "Die Kommission beurteilt diesen Schritt als nicht ausreichend und hat klar signalisiert, dass eine Übernahme und Integration von Niki in die Eurowings Gruppe aktuell nicht genehmigungsfähig ist." Die "Süddeutschen Zeitung" berichtet, dass nun in aller Eile eine Übernahme von Niki durch Thomas Cook verhandelt werde. 

Neben dem Verzicht auf Niki will Lufthansa bei der weiterhin angestrebten Übernahme der Luftfahrtgesellschaft Walter (LGW) auch auf zahlreiche Slots verzichten. So solle die "Freigabe in der Phase I" erzielt werden. Die überarbeiteten Zusagen sollten am Dienstag bei der EU-Kommission eingereicht werden.

Zuletzt hatte Air Berlin gegenüber Brüssel den Ton verschärft. Wenn es bis 21. Dezember von der Europäischen Kommission kein grünes Licht für den Verkauf gebe, müsse Niki Insolvenz anmelden. Rund tausend Jobs seien in Gefahr, zahlreiche Passagiere würden stranden und Flugtickets ihre Gültigkeit verlieren.  

Die österreichische Niki ist im Gegensatz zur Muttergesellschaft Air Berlin, die im Sommer Insolvenz angemeldet hatte und im Oktober den Flugbetrieb einstellte, weiter aktiv. Angesteuert wird von Flughäfen in Deutschland und Österreich unter anderem Mallorca - die Strecke hatte Niki im Frühjahr von Air Berlin übernommen. Die Pläne der Lufthansa sahen vor, die Maschinen von Niki der Billigtochter Eurowings zuzuschlagen. 

In Erwartung der Übernahme hatte die Lufthansa dem Unternehmen Niki von dem ursprünglich vereinbarten Kaufpreis bereits einen Teil als Brückenfinanzierung zur Verfügung gestellt. "Die nicht ausgezahlten Kaufpreiskomponenten werden nun für diesen organischen Kapazitätsaufbau in den Märkten von Niki genutzt", heißt es bei Lufthansa.

Niki-Kunden müssen sich unterdessen bei der Flugbuchung auf Stolpersteine einstellen. So ist die Bezahlung auf der Website nur noch per Sofort-Überweisung oder per Diners Club-Karte möglich. "Wir bitten unsere Kunden und Partner um Verständnis, dass derzeit angesichts der Insolvenz unserer Muttergesellschaft Air Berlin nicht alle Serviceleistungen in gewohntem Umfang zur Verfügung stehen", heißt es dazu in der Pressestelle gegenüber der Mallorca Zeitung. "Wir arbeiten auf Hochtouren, um diese technischen Probleme zu lösen." /ff

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