Der feuerspeiende Drache gehört schon so sehr zum Inventar der Feierlichkeiten des Stadtfestes Sant Sebastià in Palma, dass man leicht vergessen kann, dass es die Figur erst seit 2011 gibt. Seither eröffnet das Fabelwesen die Lagerfeuer am 19. Januar. Die Legende erzählt, dass der Drache im 17. Jahrhundert im Viertel bei der Kathedrale sein Unwesen trieb, bevor es vom mutigen Ritter Bartomeu Coch aus Alcúdia getötet wurde, der es seiner Angebeteten als Opfer darbrachte.

Antonio Fernández-Coca entwarf schon 2017 das Plakat (re.). F.: PEP ROVIRA

Und in diesem Jahr steht der Drache, der zu Lebzeiten eigentlich ein eher kleineres Krokodil war, noch mehr im Mittelpunkt. Denn das Biest ziert die Plakate, mit denen die Stadt für die tagelangen Feierlichkeiten wirbt.

Menschliche Beine für den Drachen

Verantwortlich dafür ist Antonio Fernández-Coca. Der gebürtige Andalusier hat nach 2017 zum zweiten Mal den Auftrag bekommen, das Poster für Sant Sebastià zu entwerfen. „Ich sage immer, der Drac de na Coca ist meine Cousine“, sagt er in Anspielung auf seinen Nachnamen. Dass er den Drachen in diesem Jahr als Motiv ausgewählt hat, hat aber andere Gründe: „Ich wollte kein religiöses Element in den Mittelpunkt stellen“, erklärt er. Das Fest habe eine große Tradition und sei gleichzeitig in der Aktualität fest verankert. Dies stellt der 56-Jährige dar, indem er dem Fabelwesen menschliche Beine verpasst.

Vor sechs Jahren, als Fernández-Coca erstmals das Plakat gestalten durfte, wählte er einen Pfeil als Motiv, der ein Brot mit Sobrassada durchsticht. Damit spielte er zum einen auf das traditionelle Grillen zum Patronatsfest an, zum anderen auf den Umstand, dass der heilige Sebastian mit Pfeilen getötet wurde. Das Bild war vergleichsweise schlicht gehalten und ähnelt kaum dem neuen Motiv. „Ich probiere eine neue Art der Darstellung aus“, erklärt er. „Ich habe mir überlegt, die Farben so darzustellen, als ob sie auf einer Leinwand zu sehen sind, hinter der ein Feuer brennt.“

Das Plakat, das Fernández-Coca 2017 gestaltete Antonio Fernández-Coca

Von der Lonja inspirierte Typografie

Eine andere Neuerung ist, dass Fernández-Coca diesmal nicht alleine gearbeitet hat. Der Projektentwurf, der im Rathaus Palma eingereicht wurde, entstand gemeinsam mit dem Designer Mikel Oleaga. Der war für die Entwicklung der Typografie verantwortlich. „Die Schrift basiert auf alten Inschriften, die sich auf der Lonja befinden“, so Fernández-Coca. Die Rundungen erinnerten zudem an den Mond. „Der Mond spielt ebenfalls eine große Rolle, denn hier spielt sich alles in der Nacht ab.“ Das betreffe sowohl die Feierlichkeiten zu Sant Sebastià als auch die Geschichte des Drac de na Coca, der des Nachts getötet wurde.

Im Gegensatz zur Ausgabe 2017, bei der Fernández-Coca nur das Plakat gestaltete, steuert er dieses Jahr eine ganze Reihe an Illustrationen bei, mit denen die verschiedenen Aktivitäten des Stadtfestes beworben werden – insgesamt sind es 15 Designs. So ist der Drache auch auf dem Plakat für die Diada Ciclista, der Radtour durch Palma am 20. Januar, auf einem Fahrrad zu sehen.

Der Stadtdrache "Drac de na Coca" entzündet das Lagerfeuer auf der Plaça Major. DM

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Die Lust darauf, die Plakate zu gestalten, sei so groß gewesen, dass er alle Entwürfe schon im Laufe des Jahres gestaltet habe, sagt der Illustrator, der als leitender Professor für visuelle Kommunikation an der Balearen-Universität arbeitet. Als die Ausschreibung rausging, habe er die Entwürfe sofort abgeschickt. Sein Wunsch sei, dass die Entwürfe das diesjährige Fest überdauern. „Ich wollte etwas schaffen, was man gerne behält, etwas, dass nicht nur mit diesen wenigen Tagen in Verbindung gebracht wird.“