"Sklaverei der heutigen Zeit": Eine bolivianische Altenpflegerin auf Mallorca berichtet
„Nur wenn ich tanze, fühle ich mich frei und kann sein, wie ich bin“, sagt die 44-jährige Altenpflegerin Flora Suárez

Flora Suarez Ribera (Mi.), Altenpflegerin und Präsidentin des bolivianischen Kulturverbandes auf Mallorca / Nele Bendgens
Es gibt Forscher, die überzeugt davon sind, dass Christoph Kolumbus Mallorquiner war. Damit würde sich der Kreis schließen. An diesem Donnerstag (12.10.) feiern die Spanier den „Día de la Hispanidad“ und gedenken der „Entdeckung“ Amerikas am 12. Oktober 1492. Heute sind es eher die Süd- und Mittelamerikaner, die Mallorca als neue Heimat für sich entdecken. Zu ihnen gehört auch Flora Suárez Ribera aus Bolivien.
„Nur wenn ich tanze, fühle ich mich frei und kann sein, wie ich bin“, sagt sie. Flora Suárez leitet als Präsidentin den Kulturverband der Bolivianer. Die 44-Jährige klagt über rassistische Anfeindungen – nicht nur seitens der Mallorquiner, sondern auch ihrer Landsmänner. „80 Prozent der Bolivianer sind indigen. Sie werden von der weißen Bevölkerung unterdrückt“, sagt sie.
"Ich träumte von einem Studium an der Universität"
Vor 19 Jahren kam sie auf die Insel, an den Ort, wo schon ihre Schwestern und Freundinnen lebten. „Ich träumte von einem Studium an der Universität“, sagt sie. „Am Ende müssen sich aber alle Migrantinnen den Lebensunterhalt mit der Pflege älterer Menschen verdienen. Es ist die Sklaverei der heutigen Zeit.“ Dabei liege diese Arbeit ihnen im Blut. „Uns wird als Kindern beigebracht, uns um die Alten zu kümmern und respektvoll mit ihnen umzugehen.“
Flora Suárez ist alleinerziehende Mutter. Sie trennte sich vom Vater der Kinder, der sie geschlagen und misshandelt habe. „Ich hatte meine Identität verloren, quasi auch meine Stimme.“ Sie überlegte, ob sie in die Heimat zurückkehren soll. „Ohne Geld und Lebensgefährten hätte ich dort aber als Ausgestoßene leben müssen.“ Eine Ausbildung zur Köchin holte sie aus dem Loch raus. Und eben der Tanz.
„Diese Tänze kommen aus Bolivien, andere lateinamerikanische Länder haben sie kopiert“, meint Flora Suárez. Getanzt wird in Tracht, Jung und Alt, Männer und Frauen wirbeln gemeinsam herum. Es sind insgesamt 13 bolivianische Tanzgruppen, die fast jeden Freitagabend im Parc de Ses Estacions an der Plaça d’Espanya in Palma für ihre Auftritte, etwa beim Karneval, üben.
„Ich lade jeden ein, zuzuschauen oder sogar mitzutanzen“, sagt Flora Suárez. Bisher halte sich das Interesse der Mallorquiner aber in Grenzen. „Sie bezichtigen uns, dass wir ihnen nach den Jobs nun auch noch den Park klauen.“
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