18. Juni 2019
18.06.2019

Soziales Mallorca: Die Helfer brauchen Hilfe

Seit fast zehn Jahren sammelt „Comida para todos" Obst und Gemüse für Bedürftige. Jetzt ist das federführend deutsche Lions-Projekt in Gefahr

18.06.2019 | 01:00
Marcos Pleite ist vom Lions Club Palma fest angestellt. Täglich sammelt er Obst ein und bringt es zu Tafeln

Die Supermarkt-Angestellten winken Marcos Pleite zu, als er die Lidl-Filiale in Manacor auf Mallorca betritt. Zielstrebig geht er auf die Lagerräume zu. Dort stehen schon mehrere Kisten für ihn bereit, gefüllt mit Obst und Gemüse. „Das können sie nicht mehr verkaufen, also geben sie es uns", sagt Pleite und deutet auf ein Bündel Bananen. Eine davon hat große schwarze Flecken, die übrigen sehen noch passabel aus. Genau das, was Pleite sucht. Nicht für sich selbst, sondern für das Lebensmittelprojekt „Comida para todos" (Essen für alle), das der Lions Club Palma seit fast zehn Jahren auf Mallorca organisiert. Ein soziales Projekt, das kurz vor dem Aus steht.

„Wir befürchten, dass es ,Comida para todos' schon in einem halben Jahr nicht mehr geben könnte", sagt Petra Steiner. Die Wahlmallorquinerin aus Düsseldorf ist die Vorsitzende des Lions Clubs und eine bodenständige Frau. „Alle denken bei Lions Club immer an ganz reiche Leute. Aber hier in Palma ist das anders, wir gehören nicht der Super-High-Society an und können die laufenden Kosten nicht ohne Weiteres decken." Knapp 4.000 Euro seien jeden Monat fällig, um „Comida para todos" aufrechtzuerhalten. Da sind die Wartungskosten des Lieferwagens, die Spritkosten und natürlich Marcos Pleites Gehalt. Er ist vom Lions Club fest für das Projekt angestellt, fährt jeden Tag 13 Lidl-Filialen auf der Insel ab und bringt die Lebensmittel dann zu verschiedenen Essensausgabestellen. „Der alte Peugeot hat schon 375.000 Kilometer auf dem Buckel", sagt er. „Jetzt ist uns ein Hauptsponsor abgesprungen. Es wird wirklich eng", so Steiner.

Nicht, dass die 20 aktiven Lions-Mitglieder nicht alles versuchten, um Geld einzutreiben. „Der Flohmarkt, den wir organisieren, funktioniert gut und ist in Palmas Veranstaltungskalender eta-bliert", so Steiner. Beim letzten Mal habe man damit 3.240 Euro Reinerlös gemacht. Auch die Einnahmen des Charity-Sommerfests oder der Getränkestand bei der Mallorca Classic Week im September spülten Geld in die Kassen, das fast ausschließlich an „Comida para todos" geht. „Es ist unser wichtigstes Projekt. Aber trotz dieser Einnahmen können wir es ohne Sponsoren nicht stemmen", so Steiner.

Marcos Pleite kennt die Insel mittlerweile gut. Jeden Morgen startet er seine Supermarkt-Tour in Palma, fährt nach mehreren Stopps weiter nach Marratxí, Inca, Manacor, Felanitx, Santanyí und Campos. An guten Tagen sammelt er mehr als 2.000 Kilo frischer Lebensmittel ein, die er dann gut gekühlt im Transporter nach Palma bringt. Je nach Wochentag liefert er sie an eine andere Essensausgabestelle: die der Kapuzinermönche an der Plaça d'Espanya, die der Organisationen Zaqueo, Mallorca Sense Fam oder SOS Mamás, an das Kloster Monasterio Real, das Männerhaus Can Gaza oder die Kirchengemeinde im Viertel Camp Redó. Sie alle organisieren Tafeln, bei denen Bedürftige sich kostenlos mit Lebensmitteln eindecken können. Rund 2.000 Menschen profitieren von den Bananen, Orangen, Pfirsichen oder was sonst so in den Lidl-Filialen aussortiert worden ist.

„,Comida para todos' ist für uns sehr wichtig, es sind meines Wissens nach die einzigen, die regelmäßig frisches Obst und Gemüse liefern", berichtet die Vorsitzende von Mallorca Sense Fam, Catalina Aguiló, auf MZ-Anfrage. Haltbare Lebensmittel bekämen die Hilfsorganisationen unter anderem von der Europäischen Lebensmittelbank. „Aber frische Produkte sind rar. Es wäre ein großer Verlust, wenn es ,Comida para todos' bald nicht mehr gäbe."

Grundsätzlich, erklärt Petra Steiner, seien alle Spenden willkommen. „Allerdings helfen uns regelmäßige Sponsoren deutlich mehr, denn nur mit denen können wir wirklich planen." Als Anreiz für Firmen bieten die Lions an, je nach Wunsch auch ein Logo auf dem Kühltransporter anzubringen. „So viel, wie der unterwegs ist, wird diese Werbung auf jeden Fall gesehen", so Steiner. Am Liefereingang des Lidls in Manacor hievt Marcos Pleite auch die letzte Kiste in den Laster. Sie ist voller Melonen und Mandarinen. „Wäre doch wirklich schade, wenn das alles im Müll landen würde", sagt er.

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