Limits für das touristische Wachstum auf Mallorca: Das sind die Reaktionen
Was die Tourismusbranche und die Oppositionsparteien zu dem neuen Kurs der Konservativen sagen

Urlauber an der Kathedrale von Palma im April dieses Jahres. / Europapress
Zeitenwende auf Mallorca: Galt bisher die Forderung nach einem Limit für den Massentourismus auf den Balearen als eine Sache von linken Parteien und Umweltschützern, vertreten nun auch konservative Politiker und Vertreter der Tourismusbranche mehr und mehr kritische Positionen.
Nachdem der Inselrat von Mallorca am Freitag (10.5.) angekündigt hatte, 18.000 Gästebetten für touristische Unterkünfte auf der Insel zu streichen, gab es für die Pläne nun auch Applaus von den Hoteliers.
Das sagen die Hoteliers
Der Dachverband FEHM begrüßt in einer Pressemitteilung die Ankündigung von Inselratspräsident Llorenç Galmés, die Obergrenze für die Gästebetten zu senken. Seit 2018 befürworte man den Kurs "Qualität statt Quantität". Man habe gefordert, die Pläne "mit aktuellen Daten, Strenge und Kohärenz zu überarbeiten, um ein Instrument zu haben, das die korrekte Entwicklung und Verteilung der touristischen Aktivitäten auf der Insel begünstigt, mit der festen Absicht, ein Gleichgewicht zwischen der Entwicklung des Tourismus, der treibenden Kraft der balearischen Wirtschaft, und dem Zusammenleben mit den Einwohnern zu erreichen."
Gleichzeitig machen die Hoteliers die Ferienvermietung für den zunehmenden Unmut. Durch "die exorbitante Zunahme von Ferienvermietungen unter dem falschen Namen Collaborative Economy" sei die Wohnungsnot verschärft worden. Die Zunahme der Zahl der Ferienvermietungen habe "zusammen mit dem demografischen Wachstum und der mangelnden Planung und Dimensionierung von Infrastruktur und Dienstleistungen" zu dem aktuellen Szenario geführt.

Overtourism auf Mallorca: So sah es in den vergangenen Wochen auf der Insel aus / DM
Das sagt die Opposition
Bei den Oppositionsparteien derweil wird der Kurswechsel bei der PP kritisch beurteilt. Die Volkspartei (PP) habe Angst vor Kundgebungen, die infolge des Unmuts der Bevölkerung anstünden, heißt es bei den Sozialisten. Noch vor einem Jahr habe die PP eine ähnliche Entscheidung des Linkspakts scharf kritisiert. Im Übrigen handle es sich bei den 18.000 Gästebetten, die nun wegfallen sollen, praktisch um dieselben, die schon damals auf Eis gelegt worden seien. Die Linkspartei Més per Mallorca wiederum wirft der PP Scheinheiligkeit vor. Die angekündigten Maßnahmen seien zudem wenig ambitioniert.
Bei den Gästebetten, die gestrichen werden sollen, handelt es sich um noch nicht vergebene Touristenplätze. Inselratspräsident Galmés erklärte, von derzeit 430.000 Gästebetten auf Mallorca sollen in Zukunft noch 412.000 erhalten bleiben. 308.000 dieser Gästebetten sollen für Hotels zur Verfügung stehen, die restlichen 104.000 für die Ferienvermietung. Das würde einen Verlust von 7.000 Betten bei den Hotels und 11.000 Betten in der privaten Ferienvermietung bedeuten.
Große Umfrage
Die balearische Landesregierung kündigte zudem am Freitag an, nach der diesjährigen Sommersaison eine große Umfrage in der Bevölkerung starten zu wollen. Dabei wolle man im Detail untersuchen, wie die Menschen den Tourismus in ihrem täglichen Leben wahrnehmen. Man werde den Dialog suchen, um das bestehende Tourismusmodell anzupassen.
Am vergangenen Mittwoch (9.5.) hatte die balearische Ministerpräsidentin Marga Prohens erstmals öffentlich erklärt, dass das Tourismusmodell auf den Inseln "an eine Grenze gekommen" sei. "Diese Regierung hat verstanden, dass man nicht weiter wachsen kann", sagte Prohens mit Blick auf die Tourismusbranche. Sie spreche nicht von einem kompletten Wechsel des Wirtschaftsmodells, "denn das Modell ist das, was es ist". Aber "ohne Zweifel" sei ein Limit erreicht.
Proteste angekündigt
Der Protest gegen die Auswüchse des Massentourismus, der sich in Demonstrationen vor einigen Wochen unter anderem auf den Kanaren zeigte, dürfte Ende des Monats auch auf Mallorca zu sehen sein. So wird für den 25. Mai zu einer Protestkundgebung unter dem Motto "Mallorca no es ven!" (Mallorca ist nicht zu verkaufen) im Zentrum von Palma aufgerufen.
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