11. Juli 2020
11.07.2020
Mallorca Zeitung

Eigene Traumfinca in der Tramuntana - wie geht das?

Große Teile der Tramuntana sind in Privatbesitz, viele gehören ausländischen Fincabesitzern. Nicht wenige sind mit der Instandhaltung überfordert, die Grundstücke verwahrlosen. Dabei muss es gar nicht so schwer sein, verspricht eine Initiative

11.07.2020 | 01:00
Auch die Olivenernte ist in der Tramuntana kein Zuckerschlecken. Doch wer Profis zur Hand hat, kann sie leichter bewerkstelligen

Wer stellt es sich nicht idyllisch vor? Eine ­abgelegene Finca mitten in der Serra de Tramuntana auf Mallorca, mit eigenem Olivenhain, Stein­eichenwäldchen und Trockensteinmauern, dazu möglichst noch eine ertragreiche kleine Plantage und erneuerbare Energien – der perfekte Ort für Selbstversorger. Doch je größer das Grundstück, desto mehr Arbeit steht an. Und die ist auf den teils abgelegenen und viele Hektar umfassenden Grundstücken gar nicht so einfach zu bewältigen.

„In vielen Fällen wollen die Besitzer ihre Fincas durchaus in Ordnung halten – sie scheitern aber an den Gegebenheiten der Serra de Tramuntana", sagt Joe Holles, Vorsitzender der gemeinnützigen Vereinigung Tramuntana XXI. Die Folge: Große Landstriche des Gebirgszuges verwahrlosen, Wildwuchs breitet sich aus. Holles und seine Mitstreiter wollen nun bei den Eigentümern ansetzen und sie unterstützen. „Wir helfen, günstige und effektive Wege zu finden, die Anwesen instand zu halten. Davon profitieren nicht nur die Eigentümer, sondern die gesamte Serra de Tramuntana."

Das kommt allen zugute

Welche Rolle den Eigentümern des UNESCO-Welterbes zukommt, zeigen allein schon die Zahlen: 93 Prozent der Serra de Tramuntana sind in Privatbesitz, auch wenn große Teile ­davon dennoch etwa über Wanderwege zugänglich sind. „Wenn ein Fincabesitzer die ­Olivenbäume auf seinem Grundstück vernachlässigt, dann kann das Auswirkungen auf alle anliegenden Olivenbaumbestände haben", sagt Holles und spielt damit auf Plagen wie das sich immer weiter ausbreitende Feuer­bakterium Xylella fastidiosa an. „Auch die Waldbrandgefahr hängt stark damit zusammen, wie gewissenhaft und effektiv die Fincabesitzer ihr Unterholz in Ordnung halten", sagt Joan Juan, der das neue Projekt von Tramuntana XXI leitet. Als die MZ ihn ans Telefon bekommt, ist der Landschaftsverwalter und Biologe gerade in den Bergen unterwegs, gut eine Stunde zu Fuß bis zur nächsten Straße.


„Alles spricht dagegen"

„Machen wir uns nichts vor: Die Tramuntana ist geografisch ein schwieriges und teils unwegsames Gelände, das Klima macht es nicht leicht, Landwirtschaft zu betreiben, und hinzu kommen zahlreiche Bestimmungen, weil große Teile unter Naturschutz stehen oder öffentlich zugänglich sein müssen. Eigentlich spricht alles dagegen, sich hier niederzulassen", sagt Joan Juan. „Aber gleichzeitig ist die Natur überwältigend und wertvoll. Wir wollen die Leute ermutigen, den Schritt zu wagen." Vor einiger Zeit brachte er eine Richtlinien-Broschüre mit praktischen Tipps heraus, die Fincabesitzern in der Tramuntana helfen sollen. „Aber sie brauchen noch mehr Unterstützung. ­Deshalb bieten wir ihnen nun ganz praktische Hilfestellungen."


Gewusst wie

Dass es manchmal einfach nur am Know-how fehlt und vieles mit dem Wissen der Landschaftsschützer zu lösen ist, zeigen viele ­Beispiele. Da sei der Fincabesitzer, der die Vereinigung verzweifelt kontaktierte, weil er für viel Geld sein riesiges Grundstück eingezäunt hatte, um die Pflanzen vor den Wildziegen zu schützen – nur um die gierigen Tiere wenig später wieder bei sich anzutreffen. „Er hat viel investiert, um einen ein Meter hohen Zaun zu ziehen. Das hätte er sich sparen können, denn ein Meter ist nicht hoch genug", hätte Joan Juan schon zuvor gewusst.

Andere Eigentümer erneuern jedes Jahr ­ihren Zufahrtsweg zur Finca, weil Regenfälle die Steine immer weggespült haben. „Das ist ebenfalls vergebliche Mühe. Wenn man es richtig macht, hat man jahrelang Ruhe damit", sagt Joan Juan. Auch der Bau und die Instandhaltung der in der Serra de Tramuntana so ­typischen Trockensteinmauern sei ein Dauerthema unter vielen Fincabesitzern.

„Zugleich gibt es Eigentümer, die ganz konkrete praktische Tipps benötigen, um ihr Grundstück landwirtschaftlich zu nutzen, etwa, weil sie Olivenöl selbst herstellen ­möchten", sagt Joan Juan. Auch die Energie­versorgung werfe viele Fragen auf, etwa wenn es darum geht, Solarpanele zu installieren, was in dem unwegsamen Gelände nicht immer leicht sei.

Immer diese Auflagen

„Und dann sind da natürlich immer wieder die Auflagen, die Genehmigungen und die ­Bürokratie", ergänzt Joe Holles. Gerade ausländische Fincabesitzer verlören schnell den Durchblick bei all den Auflagen und Genehmigungen, die es einzuhalten gilt, wenn man in der Serra de Tramuntana etwas verändern möchte. Andererseits wüssten viele nicht, ­welche staatlichen Fördermittel ihnen eigentlich zustehen und wie sie diese beantragen können. „Auch hier wollen wir als Schnitt­stelle dienen", sagt Joe Holles.

Tramuntana XXI steht in Kontakt mit zahlreichen Organisationen, Firmen und Vereinigungen rund um die Serra de Tramuntana. Hinzu kommt ein Netzwerk von Leuten, die sich auskennen: von Landwirten und Handwerkern bis hin zu Biologen, Verwaltungsberatern oder Anwälten. Wer die Vereinigung kontaktiert, kann zunächst ein kostenloses Gutachten beantragen. „Die Ausführung der möglicherweise anfallenden Arbeiten oder die praktische Lösung der Probleme leiten wir dann an die jeweiligen Fachleute weiter", sagt Joe Holles. Dabei sei man immer darauf bedacht, dass alles möglichst günstig, mit wenig Aufwand und gleichzeitig effektiv und nachhaltig angegangen werde.


Zurück zum Anbau

„Wer eine Landfinca in diesem traumhaften Gebirge hat, der darf sich nicht darauf beschränken, dass sein Haus, der Pool und ein paar Meter Garten in Ordnung sind. Bei dem Rest muss man sich einfach helfen lassen", sagt Joan Juan. Er hofft darauf, dass die Gegend mittelfristig auch wirtschaftlich davon profitiert. Große Teile der derzeit meist mit Kiefern dicht bewachsenen Tramuntana seien ursprünglich Anbaugebiete gewesen. Zum einen sei der Landwirt stets der beste Feuerwehrmann. „Zum anderen wäre es ein Gewinn, wenn Bauern hier wieder mehr lokale Produkte anbauen könnten, gerade in Zeiten von Corona, wo immer mehr Menschen sich Produkte aus der Region wünschen", findet er.

Tatsächlich habe die zeitweise Grenzschließung wegen der Pandemie der Vereinigung einen weiteren Anstoß gegeben, sich als Schnittstelle zwischen Eigentümern und Landschaftsschützern aufzustellen. „Viele der ausländischen Besitzer konnten monatelang nicht herkommen und es war ihnen wichtig, dass sich während ihrer Abwesenheit trotzdem jemand um ihr Anwesen und die Ländereien kümmert und regelmäßig ­Bericht erstattet."

https://tramuntanaxxi.com/es/gestion-de-fincas

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