30. Juli 2019
30.07.2019
Mallorca Zeitung

Und wo bleiben die Sozialwohnungen in Palma de Mallorca?

Die Stadtverwaltung hatte große Pläne mit der Kaserne Son Busquets. Nun will Madrid sie versteigern

30.07.2019 | 01:00
Jetzt soll es also versteigert werden: das rund 111.000 Quadratmeter große Gelände der ehemaligen Soldatenkaserne Son Busquets.

Eigentlich hatte das Rathaus von Palma de Mallorca schon detaillierte Pläne darüber, was mit dem alten Kasernengelände Son Busquets an der Ausfallstraße nach Valldemossa passieren sollte: Das große Hauptgebäude, in dem früher die Büros der Offiziere untergebracht waren, sollte stehen bleiben. Ansonsten werden fast alle anderen Bauten auf dem rund 111.000 Quadratmeter großen Terrain dem Erdboden gleichgemacht, so der Plan. 831 Sozialwohnungen sollten hier stattdessen entstehen – um rund 2.500 Menschen Wohnraum zu fairen Mieten zu bieten. Jetzt machte der spanische Ministerrat der Stadt einen Strich durch die Rechnung.

Eigentümer ist nämlich noch immer offiziell das zentralspanische Verteidigungsministerium – und das will das Terrain nun nicht, wie von der Stadt Palma und der balearischen Landesregierung gefordert, den Inselinstitutionen zur Verfügung stellen, sondern es zur öffentlichen Versteigerung bereitstellen. Mindestens 46 Millionen Euro muss der künftige Käufer auf den Tisch legen – es ist zu erwarten, dass nun statt der Stadt Palma ein privater Bauträger den Zuschlag bekommt.

Der Verwaltungsapparat der spanischen Streitkräfte war es, der in den 50er Jahren die Kaserne mit ihren Schießübungsplätzen, den Soldatenunterkünften sowie Lagerhallen für militärische Fahrzeuge errichten ließ. Nachdem jahrzehntelang an die 1.000 Artilleriesoldaten hier ihren Dienst absolvierten, wurden die Tore 2001 dicht gemacht. Seitdem ist das langsam verfallende Gelände den Anwohnern in den angrenzenden Vierteln Cap Capiscol und Son Busquets ein Dorn im Auge.

Umso zufriedener war man Ende 2017. „Wir haben Lösungen, und die sollen endlich umgesetzt werden", erklärte der Vorsitzende der Nachbarschaftsvereinigung, Gabriel González, nach einem Treffen mit der Stadtverwaltung im Dezember 2017 im Gespräch mit der MZ. Neben den Sozialwohnungen hatte man sich darauf geeinigt, eine große Parkanlage und Wege anzulegen, damit die Anwohner nicht wie bisher einen großen Bogen um das Gelände herum machen müssen, sondern es auch baulich in die Nachbarschaft integriert wird.

Auch die Architektenkammer auf den Balearen hatte in Studentenprojekten bereits Pläne entwickelt, die den alten Kasernenbauten eine neue Funktion zukommen lassen. „Wir diskutieren seit Monaten mit dem Verteidigungsministerium, damit das Gelände endlich in den Besitz des spanischen Infrastrukturministeriums übergeht und der spanische Staat zusammen mit den Balearen-Institutionen den Bau der Sozialwohnungen angehen kann", so Palmas Baudezernentin Neus Truyol am Dienstag (16.7.). Die balearische Landesregierung hatte nämlich bereits grünes Licht gegeben, die städtischen Pläne finanziell zu unterstützen.

All dies dürfte durch die Entscheidung zur Versteigerung nun hinfällig sein. „Wir sind sehr enttäuscht, für Madrid scheinen wir Bürger unwichtig zu sein", so Nachbarschaftsvorsitzender Gabriel González jetzt. Immerhin die Idee der Sozialwohnungen müsse aber weiterhin aufrechterhalten werden, egal wer das Gelände ersteigere, erklärte Neus Truyol. Auch wenn ein privater Bauherr bei der Versteigerung zum Zug komme, werde man für die Bewilligung des Bauprojekts zur Voraussetzung machen, dass die Wohnungen zu festgesetzten Preisen auf den Markt kommen, so Truyol weiter. 30 Prozent müssten durch die öffentliche Hand vertrieben werden – immerhin das kann die Stadt vorschreiben.

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