23. August 2019
23.08.2019
Mallorca Zeitung

Sóller will den Roten Blitz nicht verkaufen

Eine Investorengruppe hat ein 25-Millionen-Angebot vorgelegt. Kaum zu glauben, dass sie damit erfolgreich ist

23.08.2019 | 01:00
Der Rote Blitz ist bei Touristen beliebt.

Ein Kaufangebot für den touristischen Bummelzug Tren de Sóller („Roter Blitz") und die Straßenbahn von Sóller zum Hafen wirbelt mächtig Staub auf. Eine Gruppe überwiegend anonymer Investoren will mit 25 Millionen Euro möglichst sämtliche Aktien kaufen und verspricht, das touristische Angebot zu modernisieren. In Sóller – der Zug ist für den Ort eine Art Heiligtum – stößt das Angebot bisher überwiegend auf Ablehnung. Insider halten den Verkauf bei dem aktuellen Angebot daher für unwahrscheinlich.

Eine verlockende Offerte...

Unterhändler von Goros Investment stellten das Angebot zunächst bei einem Treffen mit Sóllers Bürgermeister Carlos Simarro vergangene Woche vor: 147 Euro pro Aktie will man bezahlen. Mit insgesamt 25 Millionen Euro wolle man möglichst sämtliche Anteile kaufen. Der Kauf werde nur abgewickelt, wenn man mindestens die Hälfte der Aktien erhalte. Die Offerte gilt bis 6. September und könne um ein halbes Jahr verlängert werden.

Aus dem Mund der Investoren klingt das Angebot so verlockend, als könne es kaum jemand ausschlagen: 147 Euro pro Aktie entsprächen dem Dreifachen des Marktwerts, so Goros. Der Zug bleibe zudem in „mallorquinischer und spanischer Hand. Man habe nicht vor, die Aktien an einen anonymen Fonds weiterzuverkaufen, sondern wolle in die Modernisierung des Angebots investieren: barrierefreie Nutzung, Ticket-Verkauf im Internet, Bezahlmöglichkeiten per Kreditkarte und die Vermarktung zusätzlicher Touren. Kurzum: Man wolle die veraltete Bahngesellschaft „zu einem modernen Unternehmen des 21. Jahrhunderts machen".

...die kaum eine Chance hat

Die 172.000 Aktien der Bahngesellschaft Ferrocarril de Sóller S.A. sind auf rund 800 Aktionäre verteilt. Bei den meisten handelt es sich um Sóller-Bewohner, die häufig kleine Pakete von zum Beispiel zehn oder 20 Aktien halten. Oft ist es ein Erbe der Vorfahren, die die Bahngesellschaft vor über 100 Jahren gegründet hatten, um den Sóller-Zug samt Bahntunnel und damit den Ausweg aus der Abgeschiedenheit des Orangentals zu ermöglichen.

Aktuelle Hauptaktionäre sind der Restaurant-Besitzer Vicente Sastre Cardell (Mar y Sol) sowie die Unternehmer-Familie Mayol, die mit ihrer Reederei Barcos Azules viele in Port de Sóller ankommende Zug- und Straßenbahn-Passagiere per Ausflugsschiff weiter in die beliebte Bucht von Sa Calobra bringt. Carlos Mayol ist zudem Geschäftsführer der aktuellen Bahngesellschaft.

Bürgermeister Simarro äußerte sich skeptisch. Er wolle zwar nicht „in den freien Markt" eingreifen, lieber aber wäre es ihm, „wenn es beim aktuellen Stand bleibt". Schließlich sei es schade, wenn der Sóller-Zug „die besondere Bindung zum Ort" verlöre.

Wer sich in Sóller umhört, stellt schnell fest, dass Simarro damit vielen Bürgern aus der Seele spricht. „Der Zug steht nicht zum Verkauf", sagt denn auch voller Überzeugung der in Sóller ansässige deutsche Unternehmer Franz Kraus (Fet a Sóller). Er selber halte zwar nur vier Aktien, aber „außer einem Aktionär, der dem Fonds zugetan ist, wird nicht eine weitere Aktie verkauft werden".

Die Sóller-Bahn sei zwar ein Geschäft, aber eben auch „Emotionalität" und „Heiligtum" der Dorfbewohner. Der Sóller-Zug fahre seit 107 Jahren pünktlich und zuverlässig und sei somit „sehr wohl im 21. Jahrhundert angekommen". Die stolzen Aktionäre würden ihre Anteile ebenso wenig aufgeben, „wie Dänemark Grönland verkauft, New York die Freiheitsstatue oder der Bischof die Kirche von Sóller".

Bislang zeigte die ansonsten anonyme Investorengruppe nur ein bekanntes Gesicht: Mar Raventós, Chefin des katalanischen Schaumwein-Imperiums Codorníu, das 2018 mehrheitlich an den US-Investmentfonds Carlyle verkauft wurde. Raventós' Sohn, Javier de Ros, ist einer der offiziellen Unterhändler der Gruppe. Hinter das Vorhaben stellte sich zudem bislang einer der aus Sóller stammenden Aktienbesitzer: Lluís Rullan. Er gilt als Kritiker des Managements durch die Mayol-Familie und hält zehn Prozent der Aktien. Rullan ist Generaldirektor des katalanischen Freizeitpark-Resorts Port Aventura World und langjähriger Funktionär der Bank La Caixa.

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