14. März 2020
14.03.2020

Hygienemängel in Restaurants auf Mallorca

In manchen Küchen auf den Balearen geht es nicht immer ganz sauber zu. Im vergangenen Jahr mussten 83 Lokale umgehend ihre Pforten schließen.

14.03.2020 | 01:00
Wer in einer Küche arbeitet, sollte eine ganze Reihe von Hygiene- und Sicherheitsregeln beachten.

Jaume Artigues hat in seiner 14-jährigen Berufslaufbahn schon so manche Horrorszenarien gesichtet. „Ich bin schon in Lokale reingekommen, in denen etliche Kakerlaken an den Kühlschränken klebten", sagt der Kontrolleur beim Gesundheitsministerium der Balearen, der seinen richtigen Namen nicht in der Zeitung lesen will. Auf völlig versiffte Küchenlappen angerichtetes Essen, Köche mit langen, dreckverklebten Fingernägeln, Ratten in Vorratskammern, Küchenutensilien aus Holz, die nur mit kaltem Wasser abgespült werden – für Ekel ist hinter den Kulissen so einiger Betriebe auf jeden Fall gesorgt. „Einmal bin ich bei der Kontrolle einer Schulkantine auf eine Spülmaschine gestoßen, die sich in den Toilettenräumen befand – angeblich sauberes Geschirr direkt neben den Klos", erzählt der inspector de sanidad.

So extrem ging es zwar nicht zu bei der Mehrzahl der im vergangenen Jahr auf den Balearen geprüften Restaurants und Unternehmen – dazu gehören auch Supermärkte, Cateringbetriebe von Fluggesellschaften, Metzgereien, Transportunternehmen oder Krankenhauskantinen –, aber die Zahl der Betriebe, die Hygienemängel aufwiesen, ist trotzdem erschreckend hoch. Bei 522 der 3.564 bewerteten Lokale fanden die Kontrolleure gravierende Mängel – 1.663 der Einrichtungen wiesen weniger gravierende Mängel auf. Davon lässt sich ableiten, dass 61,2 Prozent der benoteten Lokale in kleinerem oder größerem Ausmaß gegen die Hygienevorschriften verstoßen.

Ganz schlimm sah es bei 83 dieser Lokale aus: Die Kontrolleure vergaben ihnen auf einer Skala von 0 bis 5 die Tiefstnote 0. 44 davon befanden sich auf der wesentlich kleineren Nachbarinsel Ibiza. Bei all diesen Betrieben waren die Verstöße so gravierend, dass sie eine ernsthafte Gefahr für die Gesundheit der Gäste darstellten. „Ich vergebe eine Null, wenn das Lokal extrem schmutzig ist, wenn es keine Spülmaschine und kein heißes Wasser gibt – aber natürlich auch, wenn es von Kakerlaken und Ratten nur so wimmelt", sagt Artigues. Besagte Lokale müssen umgehend schließen und eine saftige Geldstrafe zahlen.

Artigues beobachtet immer wieder, dass die Betreiber danach Schilder an ihre geschlossenen Pforten hängen, auf denen „Wegen Renovierungen geschlossen" oder „Wegen Urlaub geschlossen" zu lesen ist. Hier kollidiere das Datenschutzgesetz, das die Identität der Gastronomen schützt, mit dem Verbraucherschutzgesetz, wonach Kunden darüber informiert werden sollten, dass ein Betrieb gegen die Hygienevorschriften verstoßen hat.

Aber es gibt auch Lokale, in deren Küchen es einwandfrei aussieht – 1.065 der 3.564 Betriebe erhielten die Note 4 und 313 waren so sauber und gut ausgestattet, dass sie die volle Punktzahl (5) bekamen. „Nicht immer sind es die feinen Restaurants, die ausgezeichnete Hygienestandards aufweisen", sagt Artigues. Der Kontrolleur hat schon Küchen von sehr teuren Lokalen gesehen, in denen er nicht gern gegessen hätte. „Und andersherum gibt es auch kleine, einfach eingerichtete Restaurants in denen alles blitzt und blinkt", erklärt der inspector.

Was für Vorschriften?


Eines jedoch sei Tatsache: In chinesischen Restaurants gehe es häufig nicht ganz so sauber zu. „Oft ist einfach das Problem, dass die Angestellten dieser Lokale kein Spanisch sprechen, und demnach kein Wort von dem verstehen, was wir verordnen", sagt Artigues.

Die Chefin des Amts für Lebensmittelsicherheit auf den Balearen, Margalida Buades, führt die teils gravierenden Mängel darauf zurück, dass viele Restaurants in der Hochsaison mit dem großen Kundenandrang überfordert seien. Durch die Arbeitsüberlastung würden viele Hygienevorschriften nicht beachtet. Außerdem seien die Saisonkräfte oft nicht genügend im Umgang mit Lebensmitteln geschult.

Artigues ist der Ansicht, dass es schlicht zu wenig Gesundheitsinspektoren gibt. „Auf einer Insel, die vollkommen dem Tourismus verschrieben ist, müssten wir viel mehr Kontrolleure sein", sagt er. Auf Mallorca gebe es gegenwärtig nur etwa 25 Gesundheitsinspektoren – „das ist definitiv nicht ausreichend", so
Jaume Artigues.

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