Der deutsche Wirtschaftsmanager Utz Claassen mischt künftig beim FC Barcelona mit. Zumindest ein klein wenig. Der frühere Präsident, Aktionär und Geschäftsführer von Real Mallorca ist daran beteiligt, den katalanischen Fußballclub an der New Yorker Technologiebörse Nasdaq zu notieren.

Das Verfahren ist verzwickt: Wie "El País" aufdeckte, soll Barça Media, eine für Videos, Interviews und Werbung zuständige Tochterfirma des spanischen Erstligisten, mit dem bereits seit 2021 an der New Yorker Börse gelisteten Investmentunternehmen „Mountain & Co. Acquisition 1 Corp“ fusionieren. Das hatte der deutsche Unternehmer Cornelius Boersch gegründet, der Sitz ist in der Schweiz. Boersch pflegt enge Verbindungen nach Mallorca.

Das Verfahren heißt im Finanzjargon Special Purpose Acquisition Company (Spac). Es besteht daraus, dass Boersch zuerst Geld von Investoren eingesammelt hat - die Rede ist von 200 Millionen Euro -, obwohl zu dem Zeitpunkt noch nicht mal feststand, für was das Geld gedacht ist.

Hauptaktionär ist Boersch mit 17,6 Prozent der Anteile. Das Sagen haben aber die vier Wall Street-Unternehmen Calamos Investment Trust (11,1%), Highbridge Capital Management (11,5%), Saba Capital Management (14,0%) und Glazer Capital (13,9%), die die Mehrheit halten. Utz Claassen ist mit 1,9 Prozent der Anteile beteiligt.

Umzug in die Niederlande

Für den Börsengang soll Barça Media nun erstmal seinen offiziellen Sitz in die Niederlande verlegen, das operative Geschäft bleibt in Spanien. Bis zum 11. August 2024 soll die Fusion klappen. 80 Prozent der Anteile der fusionierten Firma sollen beim FC Barcelona bleiben, 20 Prozent gehen an die Investoren.

Der ehemalige Karstadt- und Bertelsmann-Chef Thomas Middelhoff, der 2014 wegen Betrugs und Steuerhinterziehung zu einer dreijährigen Haftstrafe verurteilt wurde, soll laut Informationen der "Neuen Westfälischen" als Strategiechef bei Barça Media einsteigen. Utz Claassen übernimmt das operative Geschäft von „Mountain & Co. Acquisition 1 Corp“.

Barça Media wird auf einen Wert von 900 Millionen Euro geschätzt. Der Börsengang soll den hochverschuldeten Club aus der finanziellen Krise helfen.

Als Utz Claassen Real Mallorca leitete

Utz Claassen stieg im November 2010 als Aktionär bei Real Mallorca ein und kaufte nach und nach weitere Anteile. Im Dezember 2014 wurde er Präsident und Geschäftsführer des damaligen Zweitligisten. Im Januar 2016 verkaufte der Deutsche seine Anteile an eine US-amerikanische Investorengruppe rund um den damaligen Phoenix Suns-Besitzer Robert Sarver. Heute ist der US-Amerikaner Andy Kohlberg Hauptanteilshaber an Real Mallorca. Der frühere Tennisprofi ist auch der Präsident des Erstligisten.