24. Oktober 2020
24.10.2020
Mallorca Zeitung

Beim Auto-Kauf auf Mallorca alles richtig machen

Ein Überblick über Anbieter und Angebote, Konditionen und Fallstricke

24.10.2020 | 01:00
Autos gibt es auf Mallorca zuhauf. Doch Achtung: Nicht bei jeder Anlaufstelle hat der Käufer auch die gleichen Rechte.

Ob Konzessionäre, Gebrauchtwarenhändler, Websites oder Gruppen in den sozialen Netzwerken: Wer sein kaputtes Auto richtig entsorgt hat und sich nun ein anderes anschaffen will, hat auch auf Mallorca etliche Möglichkeiten. Dabei gibt es jedoch einiges zu beachten.

Hier gibt's Autos

Vor allem für diejenigen, die wenig Ahnung von Autos haben, können größere Autohäuser eine gute Anlaufstelle sein. Das Gros des Umsatzes machen auf Mallorca einige wenige, etwa Autovidal und Proa. Auch Isleña de Motores (Opel) und Medimotors (u. a. Toyota) haben sich auf der Insel einen Namen gemacht. Viele Autohäuser befinden sich in den Gewerbegebieten. Hier können Interessenten auch Schnäppchen mit Jahreswagen machen, also etwa ausgestellten Fahrzeugen, deren Erstzulassung weniger als zwölf Monate zurückliegt.

Wer sich nur für herkömmliche gebrauchte Autos (coche de ocasión/de segunda mano) interessiert, kann in Ablegern dieser Autohäuser, aber auch in einem der kleineren Geschäfte fündig werden, die mit Gebrauchtwagen handeln (compraventa de vehículos). Groß ist auf Mallorca auch das Angebot an Mietwagenfirmen, die nach spätestens zwei Jahren ihre Fahrzeuge gebraucht verkaufen, etwa „Ok rent a car" (https://www.okcars.com/coches/usados/) oder Centauro (https://www.centauro.net/coches-de-segunda-mano-y-venta-de-vehiculos-de-ocasion/).

Daneben wächst auch die Anzahl an anderen Verkaufsplattformen im Netz, die Mallorca bedienen. Die größten sind vibbo.es und coches.net. Leider sind unter den Anbietern auch einige Betrüger. Eine Suche auf der Seite www.axesor.es nach dem Unternehmensnamen kann Aufschluss darüber geben, ob die Firma offiziell als solche angemeldet und damit seriös ist. Leider sind einige Sonderfunktionen kostenpflichtig. Auch die Suche des vermeintlichen Unternehmens bei Google und Kommentare von anderen Nutzern können potenzielle Betrüger entlarven.

Wer auf Facebook aktiv ist, kann sich im Marketplace oder verschiedenen lokalen Gruppen umschauen. Die Größte ist mit über 21.000 Mitgliedern „Coches en Mallorca de segunda mano!". Auch bei „Coches segunda mano mallorca" oder „Segundamano coches y motos Mallorca" werden täglich neue Angebote eingestellt.

Ehemalige Mietwagen

Was den Kauf von Mietwagen-Autos betrifft, sind die Meinungen oft geteilt: Da die Fahrer der Fahrzeuge häufig wechseln und Mieter sie eventuell nicht so sorgsam behandeln wie ihre eigenen, könnten sich die vielen unterschiedlichen Fahrweisen und etwa das häufige Öffnen und Schließen der Türen negativ auf den Zustand der Autos auswirken. Alfonso Rodríguez von der spanischen Verbraucherschutzbehörde Consubal rät dennoch nicht vom Kauf bei Mietwagen-Firmen ab. „Vor allem die Autos größerer Anbieter sind häufig nur ein oder eineinhalb Jahr alt und haben vergleichsweise wenige Kilometer auf dem Zähler", so Rodríguez. Kleinere Firmen wiederum würden die Autos oft deutlich später und mit einer höheren Kilometerzahl verkaufen.

„Die Kilometeranzeige kann man natürlich leicht manipulieren. Dennoch zeigen sich Probleme tendenziell vor allem bei älteren Autos. Daher kommt es vor allem auf das Datum an, seitdem das Auto in Betrieb ist", so Rodríguez. „Außer Zulassungsdatum und tatsächlichem Zustand sind alle Daten manipulierbar", betont auch Juan Ramón García von der Autowerkstatt Eco Chipx in Binissalem.

Die Sache mit der Garantie

Wer einen Anbieter gefunden hat, sollte wissen, dass nicht bei allen dieselben Garantie-rechte bestehen. Auf Neuwagen gibt es bei den Konzessionären mindestens zwei Jahre Garantie. Wenn sich bei dem Auto in den ersten sechs Monaten ab Kaufdatum Probleme zeigen, muss der Halter laut Rodríguez keine besonderen Nachweise erbringen, damit es kostenlos repariert wird. Zeigen sich danach Defekte, muss durch einen Mechaniker nachgewiesen werden, dass sie nicht aus mangelhafter Bedienung durch den Fahrer zustande gekommen sind.

„Wer für den privaten Gebrauch etwa in einem Gebrauchtwagengeschäft ein coche de ocasión kauft, hat laut Gesetz nur ein Jahr lang Garantie. Das muss auch so im Vertrag stehen. Die garantía muss zudem stets für das gesamte Auto gelten und nicht nur für einzelne Teile, wie etwa die Bremse oder den Motor", sagt Rodríguez. „Wenn die Scheibe am Kofferraum plötzlich einbricht, obwohl man offensichtlich nichts dazu beigetragen hat, ist das von dieser Garantie abgedeckt. Bricht sie nach einer Vollbremsung, eher nicht", erklärt der Verbraucherschützer. Auch Mietwagenfirmen, die Gebrauchtwagen verkaufen, müssten ein Jahr Garantie geben.

Sehr vorsichtig sollten potenzielle Käufer beim Kauf von Autos von Privatpersonen sein. „Hier gibt es keinerlei Garantie. Auch eine Werkstatt, die nicht offiziell als Compraventa-Geschäft angemeldet ist, wird dem Käufer keine Garantie geben", so Rodríguez.

Unbedingt Probe fahren


Es gibt zwar kein Gesetz, nach dem die Verkäufer verpflichtet sind, Interessenten ein Auto Probe fahren zu lassen, „sollten sie nicht dazu bereit sein, kauft man es einfach nicht", sagt Rodríguez. Gängig sei bei einer Probefahrt, dass ein Mitarbeiter den Interessenten begleitet, um Diebstahl vorzubeugen. Ebenfalls empfiehlt es sich, jemanden mitzunehmen, der sich mit der Mechanik von Autos auskennt, oder das Auto in die Werkstatt seines Vertrauens zu bringen. 50 Euro kostet etwa bei Juan Ramón García eine solche revisión, bei der er etwa die Elektronik prüft oder ob die Angabe des Kilometerstandes beim Blick auf andere Teile realistisch ist. „Wenn ein Auto scheinbar erst 30.000 Kilometer hat, der Keilriemen aber offensichtlich schon einmal gewechselt wurde, sollten die Alarmglocken angehen", so Juan Ramón García.

Check bei der Verkehrsbehörde


Bevor man ein gebrauchtes Auto tatsächlich kauft, sollte man mithilfe des Autokennzeichens bei der spanischen Verkehrsbehörde sicherstellen, dass der Vorbesitzer keinen Pfändungsbeschluss, offenen Strafzettel und auch die Steuern ordnungsgemäß bezahlt hat.

Festland- oder Inselpreis?


Auch bei den Preisen sollte man schon vorab eine grobe Vorstellung von den Gegebenheiten auf der Insel haben, etwa im Vergleich zum Festland. Bei denen von Neuwagen gilt es zu bedenken, dass beim Kaufpreis durch die
Insellage und den notwendigen Transport hierher Differenzen von 2.000 bis 2.500 Euro im Vergleich zum Preis auf dem Festland zustande kommen können, so Rodríguez. „Ich habe viele Kunden, die ihre Autos daher etwa bei Konzessionären auf dem Festland kaufen. Dasselbe Modell mit derselben Ausstattung wird auf der Insel immer etwas teurer sein", so Juan Ramón García. Bei den auf der Insel verkauften Gebrauchtwagen seien die Preise hingegen ähnlich wie auf dem Festland, es gebe allerdings eventuell weniger Auswahl.

Vorsicht geboten sei bei Preisvergleichen mit den gleichen Autos etwa auf der Seite Coches.net. „Derartige Seiten sind auch daran interessiert, dem Nutzer selbst ein Auto zu verkaufen, und schlagen deshalb schon einmal niedrigere Preise vor", so Rodríguez.

Handeln und Ummelden

Den Preis zu drücken, kann man immer versuchen. Den Erfahrungen des Verbraucherschutz-Experten nach bieten Konzessionäre dem Käufer aber statt eines niedrigeren Preises auf Nachfrage häufig eher Extras wie etwa ein besseres Soundsystem oder eine Alarmanlage an. Auch die Ummeldung auf den neuen Fahrzeughalter bei der Verkehrsbehörde ist dort fast immer im Preis inbegriffen.

Auch viele offizielle Gebrauchtwagenhändler übernehmen nach Anfrage die Ummeldung. Man bekommt dann einen Nachweis ausgestellt, der zeigt, dass man das Auto bereits erworben hat, und nach der Ummeldung die neuen Papiere mit dem eigenen Namen.

Beim Privatkauf kann man mitunter individuell, je nach Kulanz des Verkäufers, verhandeln, dass er die Ummeldung übernehmen soll. „Wer es letztlich selbst machen muss, kann seine gestoría damit beauftragen. In jedem Fall sollte sich der Verkäufer mit DNI oder NIE ausweisen", so Rodríguez.

Achtung bei Versicherungen und Werbeanzeigen


Wer bei einem Konzessionär ein Auto kauft und nicht sofort den ganzen Betrag bar, sondern auf Raten bezahlt, dem kann es passieren, dass der Verkäufer ihm eine Versicherung aufzudrücken versucht. „Für jede abgeschlossene Versicherung bekommt er eine Provision.

Den Käufer zu zwingen, eine bestimmte zu nehmen, ist nicht rechtens", betont Verbraucherschützer Rodríguez. Vor allem bei jungen Fahrern oder Fahrzeugen mit hoher PS-Zahl würden etwa Banken Kunden nur einen Kredit geben, wenn sie eine entsprechende Versicherung dazu abschließen – ähnlich wie im Fall einer Hypothek lege jedes Kreditinstitut die Bedingungen individuell fest.

Vorsicht geboten sei auch bei derzeitigen Werbeanzeigen à la „Wir finanzieren dir dein Auto für nur 100 Euro pro Monat". „Im Kleingedruckten steht dann meistens, dass die letzte Zahlung sehr hoch ist. Daher sollte man sich beim Kauf alle zu leistenden Zahlungen bis zum Ende des Vertrages aufzeigen lassen", so Rodríguez.


Zuschüsse für Elektroautos und Ladestationen

Die Balearen-Regierung hat Anfang Oktober neue Subventionen für die Anschaffung von Elektroautos und Ladestationen bekannt gegeben. Die vorgesehenen 963.262 Euro sollen für die Bezuschussung von 
200 bis 250 Fahrzeugen mit maximal 5.500 Euro reichen (nur Neu- oder Jahreswagen). Voraussetzung ist, dass man sein vorheriges Fahrzeug, das älter als zehn Jahre sein muss, verschrottet oder in den vergangenen zwölf 
Monaten kein Auto besessen hat. Weitere 963.262 Euro sind für die Installation auch privater Ladestationen vorgesehen. Infos zum  „Plan Moves 2020" gibt es im Internet unter https://www.caib.es/govern/sac/fitxa.do?codi=4382237&coduo=2390767&lang=es (Details unter „Resolu­ción de la convocatoria").
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