Ärger mit der Steuernummer: Mal schnell auf der Insel arbeiten ist nicht

Seit der Einführung der Terminvergabe für die NIE dauert es vor allem im Sommer für Neuankömmlinge Monate, bis sie sie bekommen

30.07.2016 | 07:22
Ärger mit der Steuernummer: Mal schnell auf der Insel arbeiten ist nicht
Ärger mit der Steuernummer: Mal schnell auf der Insel arbeiten ist nicht

Ein Sommer auf Mallorca: Wie jedes Jahr strömen Tausende Saison­arbeitskräfte auf die Insel. Und alle benötigen die Steuernummer NIE. Jahrelang mussten die Antragsteller mehrere Stunden in einer kaum enden wollenden Schlange vor der Ausländerbehörde hinter dem Kongresspalast von Palma ausharren. Bis im September 2014 das System geändert wurde – hin zur bei den meisten spanischen Behördengängen unverzichtbaren cita previa zur Terminverein­barung. Gebessert hat sich die Situation seitdem nicht. Eher ist das Gegenteil der Fall.

Bereits im vergangenen Sommer musste man teilweise zwei Monate auf eine persönliche Vorladung in der extranjería, der Ausländerbehörde, warten. Und in diesem Jahr sieht es noch schlimmer aus. Die MZ machte den Test am Freitag (15.7.). Die kompliziert zu handhabende Website der Behörde spuckte als nächstmögliche Termine den 31. Oktober und den 2. November aus (Anleitung hier). Dreieinhalb Monate warten auf die Steuernummer NIE – da wären viele Saisonkräfte schon wieder weg. Mit dem Freizügigkeitsgesetz für EU-Bürger ist das nicht vereinbar.

Wer ist schuld an der Misere? Von der Nationalpolizei, der die extranjería untergeordnet ist, heißt es gegenüber der MZ: „Fragen Sie doch mal im Innenministerium nach. Von dort kommt das Computersystem der citas previas. Wir haben darauf keinerlei Einfluss." In Madrid ist lediglich zu erfahren, dass es zurzeit eben eine sehr große Nachfrage nach Terminen gebe. „Und außerdem müssen wir Spanier auch monatelang auf einen neuen Ausweis warten. Warum sollte es dann bei Ausländern schneller gehen?", fragt der Sprecher aus der Pressestelle zum Abschied.

Der nächste Weg führt in die Ausländerbehörde. Dort herrscht gähnende Leere, eine Familie steht mit zwei Kindern am Eingang, drinnen warten drei Personen am Auskunftsschalter, ein paar weitere sitzen auf den Stühlen. Für die Behörde hat sich die Systemumstellung gelohnt, das Chaos vergangener Jahre ist nicht einmal mehr zu erahnen. An diesem Freitag ­bearbeiten allerdings gerade einmal zwei Beamte die NIE-Anträge. „Wir sind zurzeit einfach nicht mehr Leute", erklärt die freundliche Dame am Auskunftsschalter. Urlaubszeit eben. Zu hoffen, dass man, wie im vergangenen Jahr teilweise noch geschehen, auch ohne Termin bei dringenden Fällen zwischengeschoben werde, könne man sich in diesem Jahr abschminken. „Sonst hätten wir jeden Morgen hier 50 Leute ohne Termin."

Ein weiteres Problem ergibt sich für Arbeitswillige auf der Insel. Die Sozialversicherung Seguridad Social vergibt ohne NIE-Nummer normalerweise keine Sozialversicherungsnummer, und die braucht man für einen Arbeitsvertrag. Eine Sonderregelung lässt hier zumindest ­Verhandlungsspielraum. Mit einem bereits vereinbarten Online-Termin in der Ausländerbehörde und der Bestätigungsmail können Antragsteller bei der Sozialversicherung vorsprechen und erhalten so ihre Nummer. Den meisten Arbeitgebern reicht das aus, um einen Vertrag auszustellen. Sobald die Steuernummer da ist, muss sich der Antragsteller dann erneut zur Seguridad Social begeben und seine Angaben aktualisieren.

Wer nun aber wirklich dringend eine NIE-Nummer benötigt, dem bleibt nur der Weg zu einer gestoría, einem privaten Dienstleister. Die gestorías haben einen direkteren Draht zur Ausländerbehörde und können derzeit in rund zweieinhalb bis drei Wochen eine ­Steuernummer besorgen, wie Daniel Pires von der gestoría Smart Finance in Palma versichert. Die Mitarbeiter der Dienstleister müssen dabei nicht den umständlichen Weg über die cita previa nehmen, sondern können auf der Rückseite des Gebäudes einen eigenen Eingang nutzen. Dafür wird der Kunde aber auch gebührend zur Kasse gebeten. Statt der 9,45 Euro, die als Gebühren für die Ausstellung der NIE-Nummer fällig werden, müssen Kunden einer gestoría einen Betrag von etwas über 100 Euro berappen.

Anleitung: Schritte zur "cita previa" und NIE

Zumindest eine gute Nachricht gibt es dann aber doch: Seit dieser Woche werden kurzfristig etwa zehn bis zwölf weitere Termine pro Tag vergeben – und das sogar noch für dieselbe Woche. Reichen wird das nicht. Aber man kann es ja mal versuchen, vielleicht hat man ja Glück beim Online-Timing der cita previa.  /jk

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