Wenn der Adel die Hand aufhält

Auf den Balearen gibt es eine alte Feudalabgabe für Immobilien. Sie scheint nicht zeitgemäß, ist aber teilweise noch gültig.

29.02.2016 | 02:30

Vor Kurzem wurde bekannt, dass die Flughafen­gesellschaft Aena zur Zahlung von 70.000 Euro wegen eines Allods (alou), das über das Gebiet des Flughafens in Son Sant Joan eingetragen ist, verurteilt wurde; eine Nachricht, die der Frage nach der Löschung dieser dinglichen Rechte im Grundbuch noch mehr Relevanz verliehen hat.

Allode sind ein Überbleibsel aus den post-feudalen Zeiten Mallorcas. Sie bestehen in einer sogenannten dinglichen Last, die auf einer Immobilie lastet und daher deren volle Verfügbarkeit einschränkt. Ihre Herkunft geht zurück auf die Zeit, in der die feudalen Herren den Landwirten Zugang zu dem Privat­eigentum der Ländereien, die sie bewirtschafteten, erlaubten, sich gleichwohl jedoch ein Recht über dieselben zurückbehielten, das ihnen einige Vorteile sicherte.

Obwohl es in der Praxis vermischt wird, unterscheiden wir im Recht eigentlich zwei Typen von dinglichen Lasten mit ähnlichem Namen, aber unterschiedlichen Wirkungen: Die allodiale Belastung (censo alodial), die ihrem Begünstigten die Einnahme eines jährlichen Ertrages gestattet, und das Allod im engeren Sinne, das die Verpflichtung des Grundstückseigentümers zur Zahlung eines Prozentanteils des Verkaufspreises der Immobilie an den Begünstigten dieses Rechts bewirkt.

Die allodiale Belastung wird heutzutage selten in Anspruch genommen: Im Laufe der Zeit sind viele nicht ausgeübt worden, und tatsächlich sind viele von ihnen noch in alten Währungen aufgeführt, wie zum Beispiel in reales, einem Zahlungsmittel, das auf Mallorca vor Einführung der Pesete galt. Diese Belastungen sind oft in Vergessenheit geraten. Aber sie sind da, belasten die Immobilie mit erstem Rang und haben in der Praxis kritische Situationen hervorgerufen, wie im Fall jener deutschen Bank, die sich weigerte, einen millionenschweren Kredit für den Erwerb einer Immobilie zu erteilen, da nach ihrer Satzung die Hypothek mit dem ersten Rang eingetragen werden musste und dieses mit der Belastung nicht möglich war.

Sehr aktuell ist hingegen das Allod, weil in einigen Gegenden von Mallorca die Erben der Markgrafen und feudalen Herren festgestellt haben, dass das Erbe des Urgroßvaters ihnen erlaubt, auf einfache Art gutes Geld zu verdienen. In den vergangenen Jahren wurden daher manche Allode wieder aktiviert, und die aus der Grundbucheintragung resultierenden Geldforderungen auch eingefordert. Deren Prozent­anteil wird in dem Gründungstitel des Allods definiert – üblicherweise als schwer lesbare handschriftliche Eintragung im Grundbuch – und kann bis zu
5 Prozent des Verkaufspreises ausmachen.

Unter Berücksichtigung ihres Charakters als dingliche Last und der daraus folgenden Tatsache, dass der Käufer zahlen muss, wenn der Verkäufer die Kosten nicht übernimmt, sollte diese Belastung nicht vernachlässigt werden, auch wenn beim Kauf der Immobilie gesagt wird, dass es sich um ein sehr altes Recht handelt, das schon längst nicht mehr angewendet wird.

Tatsächlich sieht ein balearisches Gesetz aus dem Jahr 2010, das im Juli 2015 in Kraft trat, ein einfaches System der Löschung der Belastungen und Allode vor, die seit Jahren nicht ausgeübt wurden. Daher ist zu empfehlen, sich prophylaktisch an einen Anwalt zu wenden, damit er anhand eines aktuellen Grundbuchauszugs nachprüft, ob Ihre Immobilie belastet ist und vor allem, ob Sie dieses dingliche Recht, das Ihre freie Verfügungsgewalt über Ihr Grundstück einschränkt, löschen lassen können.

Carlos Anglada Bartholmai ist Partner der Kanzlei Monereo Meyer Marinel-lo Abogados. Av. Jaume III, 29, Entresuelo. 07012 Palma. Tel.: 971-71 70 34. E-Mail: canglada@mmmm.es

auf Twitter teilen
auf Facebook teilen



 

Mallorca-Immobilien im Video




Immobilienmakler auf Mallorca

Sie möchten bei einem Immobilienmakler direkt nach Immobilien auf Mallorca suchen? Sehen Sie hier eine Auswahl an renommierten Maklern, die eine Vielzahl an Immobilien bieten können, sei es eine Wohnung, ein Haus, eine Finca oder auch ein Grundstück zum Bauen, wenn Sie einen Neubau auf der Insel vorziehen.



Service rund um den Hauskauf auf Mallorca

Egal, ob vor oder nach dem Hauskauf auf Mallorca: Dienstleister werden immer benötigt, sei es ein Rechtsanwalt, der sich auf Mallorca auskennt, oder Handwerker, die sich um die Heizung kümmern oder gerade gekaufte Immobilie renovieren. Hier finden Sie einige Unternehmen aus dem Bereich Immobilien.

Empfohlene Links: Inselradio 95,8 | Mallorca mal 365 |