Boris Beckers Villa nur noch ein Trauerfall

Was ist die Finca des hoch verschuldeten Boris Becker überhaupt noch wert? 12,5 Millionen Euro? 6 Millionen? Viel, viel weniger, sagen die, die sich auskennen

18.07.2017 | 02:30
Beckers Villa in Artà, als das Haus noch in einem guten Zustand war

Man mag es kaum noch lesen: Boris Becker und sein finanzieller Leidensweg. Fast täglich werden neue, horrende Schuldensummen veröffentlicht, seitdem ein Gericht in London den ehemaligen Tennisstar für zahlungsunfähig erklärt hat, weil er rund vier Millionen Euro Schulden nicht zurückzahlen kann.

Zuletzt wurde bekannt, das ein Gläubiger in der Schweiz, der Geschäftsmann Hans-Dieter Cleve, Schulden in Höhe von umgerechnet 36,5 Millionen Euro zurückfordert, die Becker im Laufe der letzten 16 Jahre angehäuft hat.

Teil des Schulden-Sumpfes ist auch Beckers über 26 Hektar große Finca Son Coll in Artà. Es waren Belastungen aus dem Grundbuch, die zu seiner Zahlungsunfähigkeit in Großbritannien geführt haben. Wie das Magazin „Stern" in seiner Ausgabe 28/17 schreibt, hat Becker 2014 ein hochverzinstes Darlehen über 2,1 Millionen Euro abgeschlossen. Das Geld stammt von dem britischen Unternehmer und Milliardär John Caudwell, als Sicherheit diente die Finca.

Der Grundbucheintrag

Im Grundbuchamt der Stadt Manacor wurde für die „Finca Nr. 14 143" eine Hypothek auf David Caudwell eingetragen. Der zahlte 2.111.651,97 Euro an die Firma Goatbridge S.L., dessen Inhaber Boris Becker ist. Weiter gingen 582.288,96 Euro an den Bauunternehmer Melchior Mascarò, der damals kurz davor war, die Zwangsversteigerung der Finca zu erwirken. 74.179,72 Euro bekam ein Steuerberater, 80.000 Euro wurden an Caudwell selbst überwiesen, 138.000 Euro gingen ans Finanzamt, 1,2 Millionen Euro ließ Becker nach London überweisen.

Für die einjährige Laufzeit des 2,1-Millionen-Darlehens wurde ein Zinssatz von 25 Prozent vereinbart. Demnach wären alleine für die Zinstilgung mehr als eine halbe Million Euro fällig. Bereits im April 2015 übernahm die Londoner Privatbank Arbuthnot, Latham & Partner den Schuldschein samt Hypothek zu gleichen Konditionen. Offenbar war Becker nicht zahlungsfähig. Im Sommer 2016 wurden die Schulden im Grundbuch aktualisiert, sie beliefen sich mittlerweile auf 4.056.129,45 Euro.

Die Sache landete bekanntermaßen vor einem Gericht in ­London, wo Beckers Anwälte stets angaben, dass die Villa 6 Millionen Euro wert sei und verkauft werden könne. Die Richterin aber wollte das nicht glauben und erklärte die Zahlungsunfähigkeit.

Die Experten zweifeln

Vielleicht hatte sie ja zuvor mit den Immobilienmaklern auf der Insel gesprochen. Von denen nämlich glaubt kaum einer, dass das Anwesen noch so viel Geld wert ist – geschweige denn die 12,5 Millionen Euro, die TV-Makler Marcel Remus immer noch offiziell für die Finca aufruft (wobei er selbst nicht glaubt, diesen Preis erzielen zu können, wie er der „Bunten" kürzlich in einem Interview gestand). „Wenn Boris Becker jemand dafür 5 Millionen auf den Tisch legt, sollte er das Geld nehmen und rennen", kommentiert ein großer Makler im Südwesten. „Das Haus ist fertig."

Tatsächlich lastet auf Beckers einstigem Luxus-Anwesen eine Art Fluch. Rückblick: 1997 hatte der damals noch als Profi aktive Sportler das aus acht Einzelparzellen bestehende Grundstück für rund 500.000 Euro erworben. Nur zwei Jahre später erfolgte ein Baustopp wegen illegal errichteter Gebäude – 2003 rückten die Bagger an, Becker musste Teile der Neubauten wieder abreißen lassen. Dann richtete er alles mit viel Geld wieder her, um 2006 eine Einweihungsparty zu feiern – und das Anwesen schnell wieder zu verkaufen. 15 Millionen Euro rief damals der mit der Koordination des Umbaus und dem Verkauf betraute Immobilienunternehmer Matthias Kühn als Wunschpreis auf. Das war hoch gepokert für eine Immobilie „in der Walachei", wie es ein Nachbar ausdrückt, aber vielleicht hätte Son Coll tatsächlich für 8 oder 10 Millionen Euro den Besitzer gewechselt – wenn da nicht die Finanzkrise über Spanien, Eu­ropa und die Welt hereingebrochen wäre.

Becker verlor das Interesse

Von da an ging gar nichts mehr: Becker verlor Interesse an seinem eigenen Objekt, zahlte seine offenen Rechnungen nicht, konnte wiederholt nur in letzter Minute eine Zwangsversteigerung abwehren. Haus und Nebengebäude verfielen, sehen inzwischen aus wie ein „fortgeschrittener Rohbau".

„Nur noch ein Trauerfall", sagt auch eine bekannte Immobilienunternehmerin, die allenfalls noch 3 Millionen Euro als Verkaufspreis für realistisch hält. Wegen des Zustandes ebenso wie wegen der Lage. „Im Südwesten ginge da vielleicht noch etwas, aber nicht bei Artà", bestätigt ein dritter Immobilienunternehmer.

Bliebe noch die Möglichkeit, dass sich jemand mit der ehemaligen Immobilie eines Prominenten schmücken möchte. Solche Käufer gibt es – auf der Insel haben auch aus dieser Motivation heraus schon einige Immobilien, etwa von ehemaligen Mitgliedern der Pop-Gruppe Abba, ihren Besitzer gewechselt. Doch das ist nicht jedermanns Sache: „Die meisten wollen das Haus zu ihrem eigenen machen. Die wollen nicht, dass es mit einem anderen Namen verknüpft ist", sagt die Immobilienunternehmerin. Und schon gar nicht mit dem eines Pechvogels wie Boris Becker.
„Becker wollte mit seinem Namen Geld verdienen, aber es gefällt nun mal nicht jedem, in ein Haus einzuziehen, das mit einem prominenten Namen verknüpft ist." Das größte Problem der Villa sei jedoch die völlig abgeschiedene Lage bei Artà.

Vieles muss neu gemacht werden

Das Haus ist fertig", so Mink­ner. Das sei aber auch kein Wunder, wenn man es zehn Jahre brachliegen lässt. „Wahrscheinlich müssen alle Leitungen neu gemacht werden, der Garten ist völlig niedergemacht." Das Haus sei nur noch ein fortgeschrittener Rohbau. Außerdem habe es nichts besonderes, allenfalls eine sehr sachliche Architektur, die auch nicht bei jedem gut ankomme. „Für fünf Millionen kann man auch schon ein intaktes, historisches, ländliches Anwesen kaufen, wo es vielleicht noch eine Pferderennbahn gibt."

Boris Becker selbst sagte zuletzt der „Süddeutschen Zeitung: „Ich bin weder zahlungsunfähig noch pleite", und fügte hinzu: „Ich komme allen meinen Verpflichtungen gegenüber meinen Mitarbeitern und sonstigen monatlichen Ausgaben nach."

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