Ferienhaus eines Deutschen an der Playa de Palma besetzt

Der Deutsche Frank Zingelmann durchlebt einen Albtraum: In seinem Haus haben sich Fremde eingenistet - und die Polizei kann nur abwarten

23.02.2018 | 10:37
Möbliert und voll von persönlichen Dingen: Das Chalet von Frank Zingelmann vor der Besetzung.

Eigentlich waren Gedanken an sein Häuschen auf Mallorca immer etwas, das Frank Zingelmann den Arbeitsalltag als Steuerberater in Hamburg versüßt hat. Gedanken an seinen Privatpool, den Garten, die großzügige Wohnfläche. Heute versucht der 48-Jährige das alles zu verdrängen. „Mein persönlicher Horror begann am 26. Januar", berichtet er am Telefon.

Es war ein Freitagvormittag, als er am Flughafen in Palma landete und mit dem Mietwagen zum Chalet in der ruhigen Zone Some­times an der Playa de Palma fuhr. Ein Wochenende Entspannung, ein bisschen Meerluft schnuppern, wie so oft, seit er die Immobilie vor 20 Jahren kaufte. Doch als er ankam, traute er seinen Augen nicht: Das Haus war bewohnt. Drei Hunde am Eingangstor verwehrten ihm den Zutritt, die Schlösser waren ausgetauscht, ein Handwerker legte gerade Kabel für Telefon- und Internet­anschluss. Und zwei Personen trugen seinen Fernseher in ein Auto und fuhren davon.

Hausbesetzer hatten die Immobilie unter Beschlag genommen. „Es war ein Schock, ich fühlte mich wie im falschen Film, in meiner Brust hat sich alles zusammengezogen", so Zingelmann zur MZ. „Er war leichenblass im Gesicht, es war hart, ihn so zu sehen", erzählen Nachbarn, die die Szene beobachteten und herbeieilten. Ihre Namen wollen sie nicht in der Zeitung lesen. „Wir haben Angst", sagen sie. Bereits zwei Tage, bevor Zingelmann ankam, wollen sie Lärm im Haus gehört haben – vermutlich, als die Eindringlinge die Schlösser austauschten.

„Es sind zwei Erwachsene und drei Minderjährige. Erst dachten wir, es könnten Freunde von Herrn Zingelmann sein, aber uns wurde schnell klar, dass dem nicht so ist, und wir verständigten die Polizei", so die Anwohner. Kontaktdaten von Zingelmann hatten sie nicht. „Wir kannten uns nur flüchtig und konnten ihn nicht erreichen."

Es war ein Zufall, dass der Deutsche just an diesem Wochenende aufkreuzte. Umso härter traf ihn die Szene, die sich vor seinen Augen abspielte. „Die Besetzer waren ordentlich gekleidet, keine Obdachlosen, sie hatten zwei Pkw." Aber das Schlimmste sei gewesen, zusehen zu müssen, wie die Polizei kam und unverrichteter Dinge ­wieder abfuhr. „Man ist so unglaublich hilflos", berichtet Zingelmann. Zwar sprachen die Beamten mit den Eindringlingen – doch das Haus betreten oder die Fremden gar zum Gehen zwingen, konnten sie nicht.

„Das ist die spanische Gesetzeslage, deshalb gibt es solche Fälle in ganz Spanien", so der von Zingelmann eingeschaltete Anwalt Jaime Ques. Wenn die Besetzer einmal im Haus seien, dann brauche es einen richterlichen Räumungsbeschluss, um sie wieder auf die Straße zu setzen – und bis der ausgestellt wird, vergehen oft Monate, manchmal sogar Jahre.

„All das wusste ich nicht, in Deutschland gibt es Fälle von Mietnomaden, aber nicht diese Machtlosigkeit in Fällen, in denen die Menschen unrechtmäßig in die Immobilie eingestiegen sind", sagt Steuerberater Zingelmann. Er ist seinen spanischen Nachbarn unendlich dankbar, die ihn unverzüglich zum Gericht in Palma brachten, ihn bei der Anzeige unterstützten und dolmetschten. Ihr Angebot, über Nacht bei ihnen unterzukommen, lehnte er ab. „Ich wollte einfach nur nach Hause." Spontan flog er zurück nach Deutschland. „Nach 17 Stunden hatte der grausame Tag
endlich ein Ende."

Doch der Schock sitzt tief, noch immer ist Zingelmann in ärztlicher Behandlung. „Mein Hausstand ist in dem Chalet, Kleidung, Möbel, zahlreiche Dokumente", sagt er. Der Gedanke daran, was die Besetzer damit anstellen, sei schwer zu ertragen. „Ich bin nur froh, dass meine Kinder nicht dabei waren, oder meine Eltern, die das Haus auch oft nutzen."

Jetzt ist abwarten angesagt. Dass die Eindringlinge irgendwann auf die Straße gesetzt werden, sei klar, so Anwalt Ques. Denn die Eigentumsdokumente hatte ­Zingelmann in Deutschland gelagert. „Aber wie lange es dauert, bis der Räumungsbeschluss erfolgt, ist unmöglich zu sagen."

Auch für die Nachbarn in Sometimes ist die Situation nur schwer zu ertragen. „In den zwei Wochen, seit die Besetzer hier sind, wurde zwei Mal die Postbotin bestohlen, dabei ist hier früher nie etwas ­passiert", sagen sie.

Auch zu Konfrontationen mit den okupas sei es bereits gekommen, einem Nachbarn wurde daraufhin das Auto zerkratzt. „Wir fühlen uns nicht mehr sicher. Es passiert offensichtlich Unrecht, und die Justiz kann nicht schnell einschreiten." Das wissen auch die Besetzer – in Sometimes sind aktuell noch zwei weitere Häuser von Eindringlingen in Beschlag genommen. Die Anwohner sind sich einig. „Das Einzige, was helfen kann, wäre eine Änderung der Gesetzeslage."

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