Wie gefährlich sind Quads?

Diesen Sommer hat es bereits drei schwere Unfälle mit den bulligen Vierrädern gegeben, einer davon mit tödlichem Ausgang. Das dürfte viel mit der Art und Weise zu tun haben, wie sie verliehen werden

07.09.2016 | 09:18
Mit den Eigenarten der Quads sollten sich vor allem Motorradfahrer erst einmal vertraut machen.
Mit den Eigenarten der Quads sollten sich vor allem Motorradfahrer erst einmal vertraut machen.

Keine Knautschzone, keine elektrischen Stabilitätshelfer, keine Kurvenlage: „Quads kombinieren sämtliche Nachteile von Auto und Motorrad", sagte schon 2013 ein Experte des TÜV Rheinland gegenüber dem „Spiegel". Die kleinen vierrädrigen Fahrzeuge werden in den Urlauberhochburgen an jeder zweiten Ecke zum Verleih angeboten. Die Anbieter der Quads wehren sich jedoch gegen die Berichte, dass die Fahrzeuge gefährlich sind. „Quads sind keine Spaßmobile, das sind Trecker im Kleinformat" sagt Frank Strehle, der bei Quad-Mallorca.com als Tourguide arbeitet. Das Problem seien eher die Fahrer, die ihre Fähigkeiten überschätzen.

Fakt ist: In diesem Sommer sind bereits drei schwere Quad-Unfälle geschehen. Am 11. Juni kam ein 32-jähriger Deutscher auf der Straße, die beim Hotel Delta zum Meer hinabführt, von der Fahrbahn ab und stürzte rund 15 Meter in die Tiefe. Glück im Unglück: Er kam mit Rippenverletzungen davon. Am 24. Juli kollidierte ein Niederländer an der Playa de Palma mit einem Betonpfeiler und verstarb am Tag darauf. Der bislang letzte Unfall ereignete sich vergangenen Donnerstag (25.8.). Zwei Jugendliche verunglückten mit dem Freizeitgefährt, als sie auf Höhe der Siedlung Puig de Ros auf der Straße zwischen Arenal und dem Cap Blanc von der Straße abkamen.

Alle drei Unfälle ereigneten sich im Einzugsgebiet der Playa de Palma. „Da liegt nahe, wessen Quads das waren", sagt einer der von der MZ befragten Anbieter. An der Urlaubermeile werden so gut wie alle Quads, auch die, die es im Fahrradverleih zu mieten gibt, von Overcar Rental gestellt.

Wir geben uns als Urlauber aus und fragen in der Zentrale am Balneario 3 nach Quads. Gegen Vorzeigen des B-Klasse-Führerscheins und der Zahlung einer Kaution von 150 Euro würden wir einen bekommen. Eine Einweisung oder Probe sei nicht nötig, sagt der Mitarbeiter am Counter. Helme werden zwar mit ausgegeben, aber auf feste Schuhe oder Bekleidung wird nicht geachtet. Alkoholkontrollen gibt es keine.

Auch in einer der kleineren Verleihstellen, die mit Overcar kooperieren, sagt eine Mitarbeiterin: „Die kleinen Quads haben ein Automatikgetriebe und sind für Anfänger geeignet." Auf die Frage, ob das nicht gefährlich sei, zuckt sie mit den Schultern und sagt, sie sei noch nie damit gefahren. Von der Redaktion aus haken wir noch mal bei Overcar Rental nach und geben uns als Journalisten zu erkennen. Nach kurzem Zögern gibt der Mitarbeiter am Telefon zu: „Ja, die Unfallquads waren bei uns geliehen."

Eine Stellungnahme von der zuständigen Ortspolizei Llucmajor war trotz mehrfachem Nachfragen nicht zu erhalten. Dafür äußern sich die Anbieter geführter Quad-Touren: „Da kommen junge Leute direkt von der Party, wollen Spaß haben und dann wird es gefährlich", sagt Dark Wirtz vom Quad Team Mallorca. Arenal sei diesbezüglich ein schlechter Standort.

„Wir verleihen keine Fahrzeuge", sagt auch Eckbert Waldleben, Chef und Gründer von Quad-Mallorca.com in Costa de la Calma. Um die Sicherheit zu gewährleisten, fährt Tourguide Strehle höchstens mit vier Leuten und nicht schneller als 40 km/h. Dadurch bleibe genügend Zeit, um die Natur zu bewundern.

Offizielle Vorschriften zum Fahren in der Gruppe gibt es aber keine. Der nicht unumstrittene Dark Wirtz fährt auch in größeren Gruppen und schneller, wenn die Fahrer es wünschen und Erfahrung im Umgang mit dem Quad haben. Die Touren seien in der Regel sicher. „Ab und zu ein paar Umkipper bei niedrigem Tempo, aber keine Knochenbrüche" sagt Dark Wirtz.

„Im freien Verleih ist das Pro­blem oft, dass die Leute nicht mit den Quads umgehen können", sagt Jan Thieme von Quad Touren Mallorca. Besonders Motorradfahrer sind vorbelastet, die klassischen Fehler beim Fahren mit vier Rädern zu begehen. Die kraftvollen Quads werden mit einem kleinen Hebel beschleunigt, der mit dem Daumen gedrückt werden muss. Ähnlich dem Motorrad und Fahrrad befinden sich zwei Bremsen am Lenker. Beim sogenannten „Angstgriff" ist der Daumen am Gas und die restlichen Finger an der Bremse. Kommt der Fahrer in eine Notsituation, erfolgt ein Greifreflex und sowohl Gas als auch Bremse werden voll betätigt.

Die Folge: Die Beschleunigung ist stärker als die Bremse und der Fahrer rauscht in das Hindernis hinein. „90 Prozent aller Unfälle passieren so", sagt Frank Strehle, der seine Teilnehmer immer dazu anhält, die Finger weg von der Bremse zu nehmen. „Es reicht, den Daumen vom Gas zu nehmen. Die Motorbremse ist so stark, dass man kurz darauf steht."

Das zweite Problem seien die Kurven. Motorradfahrer neigen dazu, sich in diese reinzulegen. Die Quads haben einen hohen Schwerpunkt, werden instabil und kippen um. Um seine Gruppe heil ans Ziel zu bringen, hat Strehle eine Zeichensprache wie beim Tauchen, mit der er auf Fehler aufmerksam macht. Die besten Quadfahrer seien Pferdeliebhaber: „Es ist exakt wie Reiten, nur weniger anstrengend. Die Füße werden nicht auf dem Boden abgestellt und der Lenker wie Zügel immer zu sich
hingezogen."

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