Illegale Vermietung im illegalen Haus

Warum der gerichtlich angeordnete Abriss einer Anlage in Cala Llamp weiter auf sich warten lässt

25.09.2016 | 08:43
Beste Aussicht, überdachte Pkw-Stellflächen: Wer macht hier nicht gern Urlaub?

Der britische Urlauber auf dem Balkon ist sehr angetan von der Immobilie, auf die er im Internetportal Homeaway gestoßen war. 1.400 Euro zahle er für eine Woche, berichtet er – und hat dafür nicht nur einen Panoramablick auf die Steilküste von Cala Llamp, sondern kann auch den großen Pool hinter dem Haus sowie überdachte Stellflächen nutzen. „Ich bin das erste Mal hier – aber ich werde wiederkommen", so der Brite.

Dafür muss er sich womöglich­ beeilen. Denn über den zwei Gebäuden schwebt das Damoklesschwert eines Abrissbescheids der Justiz. Die zwölf Apartments im Carrer Tonyina waren 2005 in der Zeit von Bürgermeister Eugenio Hidalgo in einer Grünzone errichtet worden – mit einer Genehmigung, die das Rathaus laut Gerichtsurteil niemals hätte ausstellen dürfen. Es war der Kern des großen Korrup­tionsskandals von Andratx. Hidalgo wurde 2006 festgenommen und mehrfach wegen einer langen Reihe von Delikten verurteilt – sein Erbe jedoch bereitet den Gemeinde­oberen, die die Gebäude abreißen und die Eigentümer entschädigen müssen, noch heute Kopfschmerzen.

Hintergrund: Die Zukunft der Ferienvermietung auf Mallorca  - fast wie im Hotel

Um den Abriss vorzubereiten, müssen nun Arbeiter der Gemeinde das Gebäude in Augenschein nehmen. Zuletzt scheiterte ein Versuch am 20. Juli. „Sie wurden von keinem der Bewohner vorgelassen", so Bürgermeister Jaume Porsell (Volkspartei, PP) gegenüber der MZ. Das habe man daraufhin dem zuständigen Richter mitgeteilt und warte seitdem – im August sei die öffentliche Verwaltung bekanntlich in der Sommerpause gewesen – auf eine gerichtliche Anordnung, die die Bewohner in die Pflicht nimmt.

Gerald Hau, Aktivist bei der balearischen Umweltschutzvereinigung Gob, die die Klage damals mithilfe eines österreichischen Anwohners auf den Weg gebracht hatte, glaubt dagegen an eine Verzögerungstaktik des Bürgermeisters, der schließlich schon unter Hidalgo politische Verantwortung getragen habe. Sollte sich der Abriss weiter verzögern, dürften ähnlich wie bei den illegalen Villen von Llucalcari an der Nordküste möglicherweise Geldbußen fällig werden, die Porsell dann monatsweise aus eigener Tasche zahlen müsse, solange der Abriss auf sich warten lasse. Diesen hatte das Gericht eigentlich schon vor drei Jahren angeordnet.

„Ich mache das, was der Richter sagt, nicht das, was der Gob sagt", hält der Bürgermeister dagegen. Die Gemeinde sei zu keinem Zeitpunkt untätig gewesen, von drohenden­ Geldbußen könne keine Rede sein. Dass sich das Verfahren so lange hinziehe, liege nicht an ihm, sondern an den Einsprüchen der Betroffenen und der Überlastung der Justiz. Porsell verweist zudem darauf, dass der Gemeinderat längst ein Budget für den Abriss in Höhe von 400.000 Euro bereitgestellt habe. Die Kosten für die ebenfalls vorgeschriebene Renaturierung des Geländes seien darin ebenso wenig enthalten wie das Geld für die zu erwartenden Entschädigungs­forderungen.

Obwohl die Rechtslage nach Ansicht von Hau von Anfang an eindeutig und die Anzeige schon während der Bauarbeiten eingegangen war, wurde die Anlage fertiggestellt und wurden die Apartments verkauft. Und obwohl das Rathaus beklagt, dass die insgesamt acht Eigentümer nicht anzutreffen sind oder man nicht vorgelassen werde, wurde rund die Hälfte der zwölf Apartments diesen Sommer an Urlauber vermietet, wie Anwohner gegenüber der Zeitung „Última Hora" berichteten.

Report: Ferienvermietung - Wenn überall Touristen wohnen

Von Trubel ist an diesem Freitag (9.9.) jedoch nichts zu spüren – zur Freude des britischen Urlaubers, der den Pool praktisch für sich allein hat. Auch anderen Gästen, die hier in der gesetzlichen Grauzone abgestiegen sind – Ferienvermietung ist auf den Balearen eigentlich nur in frei stehenden Häusern erlaubt –, hat es ihren Kommentaren auf der Website von Homeaway zufolge gut gefallen. Die Presslufthämmer, die nach wie vor fest zur Geräuschkulisse­ der Urbanisation von Cala Llamp zu gehören scheinen, wurden von den Nutzern nicht moniert.

So auskunftsfreudig die Urlauber, so diskret die Eigentümer. Beim Besitzer des an den Briten vermieteten Apartments etwa handelt es sich um einen Mallorquiner, der die Frage nach Opfern und Schuldigen in dem Skandal auf Anfrage der MZ nicht kommentieren will – genauso wenig wie die Frage nach der illegalen Ferienvermietung in der illegalen Traumimmobilie.

Cala Llamp ist bei Weitem nicht die einzige Nuss, die die Gemeinde infolge des damaligen Skandals in Port d´Andratx noch zu knacken hat. Ähnlich kostspielig wie die illegale­ Siedlung von Ses Covetes am Es-Trenc-Strand könnten dem Rathaus die 68 Apartments kommen,­ die in Montport errichtet wurden.­ Die Lizenz aus der Hidalgo-Zeit haben die Richter ebenfalls längst für nichtig erklärt. Das Bild dort ist jedoch unverändert: Das Gelände ist nur provisorisch abgesperrt, die zum Teil bereits fertiggestellten Wohnungen wurden geplündert.

Die Mühlen der Justiz mahlen langsam", meint Gob-Sprecherin Margalida Ramis. Selbst bei längst abgeschlossenen Fällen wie den 2012 abgerissenen illegalen Villen von Llucalcari habe man bis zuletzt wegen Mängeln bei der Renaturierung Druck machen müssen. Ramis geht aber davon aus, dass im Fall Cala Llamp bis zum nächsten Sommer die Abrissbagger anrücken. „Der Fall ist einfach zu eklatant."

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