Galgenfrist für den Nassau Beach Club

Das Lokal in Portitxol hat die Konzession verloren. Noch ist aber nicht Schluss

13.04.2017 | 15:28
Das Nassau Beach am Stadtstrand von Palma kämpft um seine Existenz – jetzt vor Gericht.

Das Erstaunen und die Empörung unter den Angestellten des Nassau Beach Club am Stadtstrand von Palma wirkt nicht gespielt, als die MZ am Donnerstagvormittag (6.4.) mit einer Pressemitteilung der balearischen Hafenbehörde APB vorbeischaut: Laut der Mitteilung besetzt der aktuelle Betreiber, ein Unternehmen namens Insula Avanttia, das Gebäude und den Strandabschnitt, auf dem die Liegen stehen, illegal. Die Konzession sei längst ausgelaufen.

Der Barkeeper, die Schichtleiterin und eine Kellnerin können es nicht glauben, eine der Angestellten hat Tränen in den Augen. „Wir wissen überhaupt nichts, haben nichts Offizielles", sagt sie verzweifelt. Draußen wartet bereits das zweite Kamerateam an diesem Morgen. Der Betrieb laufe zunächst normal weiter, bis man eine neue Ansage bekäme.

Die neue Ansage kam dann am darauf folgenden Dienstag (11.4.): Ein Sprecher der Hafenbehörde bestätigte der MZ, dass der Nassau Beach Club trotz der Androhung einer Zwangsräumung durch die Hafenbehörde vorerst geöffnet bleibe. Die Betreiberfirma habe eine Verwaltungsklage gegen die Entscheidung eingereicht und eine vorläufige Aussetzung erreicht. Das Gericht werde über die Frage voraussichtlich erst nach den Osterfeiertagen entscheiden. „Der Nassau Beach Club ist nach wie vor geöffnet und freut sich auf alle Gäste", heißt es in einem aktuellen Beitrag auf der Facebook-Seite des Clubs.

Marport Sunbeach gewinnt

Dass da allerdings etwas im Busch war, dürfte für die Betreiber des Nassau Beach Club nicht überraschend gekommen sein. Der Sprecher der Hafenbehörde erklärt der MZ, dass die Konzession für die aktuelle Betreiberfirma Insula Avanttia bereits im Oktober 2014 ausgelaufen sei. Es sei eine neue Ausschreibung gestartet worden, die im August 2016 zu Ende gegangen sei. Aus dieser Ausschreibung ist nicht Insula Avanttia, sondern ein Unternehmen mit dem Namen Marport Sunbeach als Sieger hervorgegangen. „So lange die Ausschreibung lief, haben wir den Betreibern aber erlaubt, im Nassau Beach Club weiterzumachen", sagt der Sprecher. Das habe sich mit dem Tag geändert, an dem man Insula Avanttia, ein Unternehmen des österreichischen Hoteliers Günther Aloys aus Ischgl, über den Ausgang der öffentlichen Ausschreibung informiert habe.

Insula Avanttia habe daraufhin mit Einsprüchen reagiert und den Prozess bis jetzt in die Länge gezogen. „Das ist vor allem ein großes Pro­blem für den neuen Betreiber Marport Sunbeach. Das Unternehmen wollte im Winter übernehmen, um Umbauten und Renovierungen vor dem Start der neuen Saison abzuschließen. Das funktioniert jetzt nicht", erklärt der Sprecher der Hafenbehörde.

Bei Marport Sunbeach allerdings ist offenbar nicht alles Gold, was glänzt. Die mallorquinische Firma, die bereits mehrere Strandkonzessio­nen an der Ostküste im Gemeindegebiet von Felanitx innehat, war im Jahr 2014 ins Gerede gekommen. Die Staatsanwaltschaft nahm sich Ende des Jahres der Ausschreibung an, nachdem mehrere Mitbewerber Unregelmäßigkeiten angezeigt hatten. So soll unter anderem ein Mitglied des Gemeinderats von Felanitx mit dem Betreiber verwandt sein. Außerdem hat die Polizei auf Geheiß des Bürgermeisters Biel Tauler (Volkspartei PP) mehrere Berichte über Unregelmäßigkeiten von Marport Sunbeach anfertigen lassen.

Normalität vorspielen

So bleibt auf jeden Fall ein Gschmäckle zurück. Auch deshalb, weil der bisherige Betreiber Günther Aloys auf Anfrage der MZ mitteilt, dass die Hafenbehörde ihn stets im Glauben gelassen habe, dass er das Nassau Beach weiterbetreiben dürfe.

Im Club selbst bemühte man sich während der vergangenen Tage, nach außen hin Normalität zu zeigen. So wurde am Freitagnachmittag auf Facebook ein Foto veröffentlicht, auf dem die gut gefüllte Terrasse des Clubs zu sehen ist. Dazu hieß es, dass man sich bewusst sei, dass Kunden und Gäste sich Gedanken über die Presseberichte machten. Und weiter: „Das Nassau ist ganz normal geöffnet, die Terrasse voll, und das Team arbeitet voll motiviert ­weiter." ­Letztere Information ist dabei aber mit Vorsicht zu genießen. Es gibt Hinweise darauf, dass vielen der Angestellten bereits seit Längerem sehr wohl klar gewesen sei, dass das Nassau Beach in der jetzigen Form keine Zukunft habe. Viele der langjährigen Mitarbeiter haben sich offenbar wegbeworben, seit festgestanden habe, dass die Lizenz nicht erneuert würde.

Am Samstag (8.4.) meldete sich Besitzer Günther Aloys per Mail bei der MZ. Es sei alles „sehr schlimm, denn wir haben uns im Nassau gegenüber der Hafenbehörde nie irgendwas zu Schulden kommen lassen, haben alle Rechnungen immer pünktlich bezahlt, auch alle Steuern und die Hafengebühren und haben über 40 Arbeitsplätze geschaffen". Die Mitarbeiter stünden jetzt vor einer ungewissen Zukunft. Sein Unternehmen habe damals den Betrieb übernommen, als ihn niemand wollte. Man habe unter anderem 2,5 Millionen Euro investiert und dafür auch Kredite aufgenommen, die teils noch nicht abgezahlt seien.

„Konkurs vorprogrammiert"

Aufgrund seiner Investitionen, auch um das Image des Lokals zu verbessern, sei die Konzession nun auf einmal so gefragt gewesen. Allerdings verstehe man die Vergabekriterien der Hafenbehörde nicht, nach denen jetzt der Betreiber Marport Sunbeach den Zuschlag bekommen hat.

Laut Aloys habe das Unternehmen einen unrealistischen Pachtpreis an die Hafenverwaltung ins Spiel gebracht. Marport Sunbeach sicherte zu, 465.000 Euro im Jahr für den Betrieb des Lokals zu zahlen. „Die hohen Mietkosten, ein Investment und unsere Ablöse. Das geht sich finanziell nicht aus. Somit ist der nächste Konkurs vorprogrammiert." Das Angebot von Insula Avanttia habe wirtschaftlich und ökonomisch auf realistischen Zahlen beruht, deshalb sei es niedriger als die anderen gewesen.

„Wenn wir gehen müssen, werden wir den Betrieb abbrechen und ausräumen", schreibt Aloys. In diesem Fall wolle er mit Marport Sunbeach Kontakt aufnehmen, um darauf hinzuwirken, dass die Mitarbeiter übernommen werden. „Wir hoffen aber darauf, dass die Ausschreibung wiederholt wird", schrieb Aloys auf der Facebook-Seite des Lokals.

In der Nacht auf Donnerstag (13.4.) schrieb Aloys der MZ, dass er sich am Vortag längere Zeit mit den Verantwortlichen von Marport Sunbeach getroffen habe. Momentan gebe es mehrere Optionen. "Wir überlegen gerade, wie wir es machen sollen", schließt Aloys.

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