Die hippe Konservative mit dem losen Mundwerk

Marga Prohens ist die Sprecherin der konservativen Partido Popular (PP) im balearischen Parlament. Die 35-jährige Mallorquinerin ist seit 2004 politisch auf Erfolgskurs – und lehrt den Linkspackt mit ihren verbalen Attacken das Fürchten

01.07.2017 | 01:00

Modisch-schicke Kleidung, selbstbewusstes Auftreten, strahlendes Lächeln – Marga Prohens könnte gut als Chefredakteurin einer Modezeitschrift auftreten. Oder als ­Führungskraft in einem trendigen, aufstrebenden Start-up-Unternehmen. Aber nein, die hippe 35-Jährige aus Mallorca ist Fraktionssprecherin der ­konservativsten Partei im balearischen Landesparlament: der Partido Popular (PP).

„Ich hätte auch nicht gedacht, dass es mal so kommt", sagt sie im Gespräch mit der MZ und setzt ein sympathisches Lächeln auf. Ihre Eltern waren politisch nicht aktiv, auch sie selbst trat erst nach ihrem Studium der PP-Jugendorganisation „Nuevas Generaciones" in Campos bei. „Das war im Jahr 2004. Ich kam aus dem Studium in Barcelona zurück in die Heimat und hatte den Drang, mich einzubringen."

Es scheint, als hätten die Konservativen nur auf jemanden wie Marga Prohens gewartet: Nach wenigen Monaten Mitgliedschaft leitete sie bereits die Jugendabteilung in Campos, wurde dann auch in der regionalen PP aktiv und agiert seit dem Jahr 2009 auf Landesniveau. Im Jahr 2011 wurde sie erstmals ins Balearen-Parlament gewählt – zwei Tage vor ihrem 29. Geburtstag – und übernahm in der konservativen Regierung unter José Ramón Bauzá von 2011 bis 2015 den Posten der stellvertretenden Fraktionssprecherin und wurde in den Medien häufig als dessen politische „Lieblingstochter" bezeichnet. „Das war eine spannende Zeit, da habe ich viel gelernt. Wie man es gut macht und auch, was man besser nicht machen sollte", so Prohens verschmitzt. Mit Korruption will sie schließlich nichts zu tun haben und blieb – anders als zahlreiche ­
Parteikollegen – bisher auch von Vorwürfen verschont.

Seit Beginn der aktuellen Legislaturperiode ist Prohens nun die Hauptsprecherin der PP. Hart, schlagfertig, abgebrüht und unerbittlich wirkt sie in den Parlamentssitzungen, wenn sie dem Linkspakt in der Regierung ihre Meinung sprichwörtlich um die Ohren haut. Biel Barceló? Sollte zurücktreten! Verbot des Stierkampfs? Ein Diktat der Linksparteien, die alles verbieten wollen! Die Schuldenpolitik der Sozialisten? Ein schlechter Scherz!

„Ich wirke hart?", fragt Marga Prohens im Interview und lächelt wieder ihr weiches, nettes Lächeln, das sie scheinbar auf dem Weg ins Parlamentsgebäude stets abzulegen pflegt, wenn sie sich in die Vollblutpolitikerin verwandelt. „Ich würde mich eher als leidenschaftlich bezeichnen", findet sie. „Wenn ich wirklich an eine Sache glaube und von ihr überzeugt bin, dann steigere ich mich hi­nein. Dann gebe ich alles dafür. Ich bin emotional. Aber nicht hart."

So oder so – Marga Prohens versteht es, sich auszudrücken und aus der Opposition heraus den Regierenden mit ihren Fragen auf die Pelle zu rücken. Während der Parlamentssitzungen bekommt man den Eindruck, dass sie praktisch die Einzige ihrer Parteigenossen ist, die mal den Mund aufmacht. „Frau Prohens ist heute nicht da. Falls Herr Biel Company trotzdem die geplante Anfrage vorbringen will, beantworten wir sie gern", feixte Balearen-Präsidentin Francina Armengol bei einer Sitzung am 6. Juni – wohl wissend, dass PP-Fraktionschef Company, der für seine Schweigsamkeit bekannt ist, das Angebot ablehnt: besser warten, bis Prohens wieder da ist.

„Ich hatte tatsächlich Glück in meiner beruflichen Laufbahn, ich werde in der Partei respektiert. Aber es ist nicht immer leicht als Frau in der Politik", sagt Prohens. Vor allem andere Frauen haben sie das spüren lassen. Damals, vor fast vier Jahren, als ihr Sohn Miquel Ángel zur Welt kam – und sie fünf Wochen später schon wieder ihren Fulltime-Job als Abgeordnete antrat. „Viele Frauen haben das nicht verstanden, die Nase gerümpft und sich dadurch machohafter verhalten als die meisten Männer", so Prohens. „Das war schon sehr kompliziert", gibt sie zu. „Aber ich finde, jeder sollte selbst entscheiden dürfen, wie viel Zeit er seiner Familie und wie viel er seiner Arbeit widmet. Es gibt noch viel zu tun in der Politik, bis Frauen wirklich gleichberechtigt sind", betont sie, hält kurz inne und sagt dann: „Wie heißt es so schön? Die Politik verändert eine Frau, aber viele Frauen verändern die Politik."

Marga Prohens, die Feministin? Wohl kaum – zumindest nicht im klassischen Sinne. „Ich bin ganz klar gegen eine Frauenquote. Ich will doch meinen Posten nicht bekommen, weil ich eine Frau bin, sondern weil ich gut bin", sagt sie energisch und erinnert nun doch ein bisschen an die Power-Politikerin aus dem Parlamentssaal.

Dann wird ihre Stimme wieder weich. „Es ist interessant, aber gleichzeitig sagen mir viele Mütter in meinem privaten Umfeld, wie toll sie es finden, dass ich die Freizeit, die ich habe, so intensiv mit meinem Sohn nutze." Wenn sie mit Miquel Ángel zusammen ist, dann schaltet sie ihr Handy gern aus. „Ich will wenigstens qualitative Zeit mit ihm verbringen, wenn es quantitativ schon nicht möglich ist", sagt sie.

Wird sich das nach dieser Legislaturperiode ändern? Oder will Marga Prohens noch höher hi­naus? Sie blockt ab, spricht wieder als aalglatte Politikerin: „Politik ist instabil. Man kann so etwas nicht vorhersehen. Noch liegen zwei Jahre intensiver Oppositionsarbeit vor uns", sagt sie knapp. „Und in denen werde ich weiter alles geben."

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