Interview: "Die Chance auf eine Schwangerschaft mit Eizellspende liegt bei 70 Prozent"

14.11.2014 | 10:14

Seit zwei Jahren arbeitet Gynäkologin Sabine Rehkugler (49) beim Instituto Balear de Infertilidad (IBIlab) und verhilft deutschen Paaren zum Wunschtraum Kind. Wie genau eine Eizell-Spende und die anschließende Behandlung abläuft, erklärt sie im Interview.

Wie genau läuft die Kontakt­aufnahme der Paare aus Deutschland ab?
Die meisten Anfragen kommen mittlerweile über das Internet. Zwei deutschsprachige Mitarbeiterinnen, die sich ausschließlich um die Patienten kümmern, nehmen dann Kontakt auf und versorgen die Interessierten mit ersten, allgemeinen Informationen. Anschließend wird ein Termin vereinbart – einige möchten sich die Klinik vorher anschauen, viele verzichten aber auch darauf und kommen direkt zur Behandlung.

Wie sieht die Vorbereitung aus?
Zunächst brauchen wir Informationen über den Zustand der Gebärmutter – der kann vom eigenen Frauenarzt in Deutschland überprüft werden. Die meisten Frauen wissen darüber aber schon ganz genau Bescheid, weil sie oft schon jahrelang versuchen, durch künstliche Befruchtung schwanger zu werden.

Wie geht es weiter, wenn eine geeignete Spenderin gefunden wurde?
Das kommt darauf an, ob die Paare eine Frisch-Eizellspende oder eine vitrifizierte, also tiefgefrorene Spende wollen. Im ersten Fall werden gleichzeitig die Spenderin hier vor Ort entsprechend stimuliert, und die Empfängerin in Deutschland vorbereitet: Ihr Zyklus wird herunterreguliert, damit die eigenen Eierstöcke den Vorgang nicht stören. Bei einer Frischspende muss die Empfängerin meist recht kurzfristig anreisen, eben in dem Moment, in dem der Zyklus der Spenderin soweit ist. Sobald die Eizell-Spende entnommen ist, wird diese in vitro mit dem Samen des Mannes befruchtet. Bei einer vitrifizierten Spende können wir flexibler auf die Terminwünsche der Empfängerin eingehen.

Wie lange dauert die Behandlung vor Ort?
Von der Befruchtung bis zur Einsetzung unter Ultraschallkontrolle vergehen normalerweise drei Tage. Üblicherweise werden dann zwei Embryonen injiziert, um die Erfolgschancen zu erhöhen.

Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit einer Zwillingsschwanger­schaft?
Die liegt bei etwa 25 bis 30 Prozent. Es gibt auch Frauen, die sich bewusst nur einen Embryo einsetzen lassen, weil sie keine Zwillinge wollen.

Wie viele Eizellen kann eine Frau spenden?
Normalerweise werden rund 12 Zellen extrahiert, von denen sich etwa die Hälfte erfolgreich befruchten lassen.

Was passiert mit den übrig gebliebenen Embryonen?
Die werden vitrifiziert, damit wir eine Reserve haben, falls es beim ersten Mal nicht gleich klappen sollte. Allerdings liegt die Chance auf eine Schwangerschaft bei einer Eizellspende immerhin bei 70 Prozent. Später besteht dann nach spanischem Gesetz die Möglichkeit, diese Embryonen zu spenden – beispielsweise für unfruchtbare Single-Frauen und gleichgeschlechtliche Paare, die trotzdem ein Kind wollen. Allerdings kommt eine Embryonen-Spende sehr viel seltener vor als Eizell-Spenden.

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