Tierschützer auf Mallorca hoffen auf helfende Hände

Statt auf einen Hauptsponsor will der Dachverband Baldea künftig auf Monatsbeiträge finanzieller Unterstützer setzen. An Sant Antoni wird mit einer „Diada Animalista" die Werbetrommel gerührt

06.02.2013 | 16:39
Alle Jahre wieder: Tiersegnungen
Alle Jahre wieder: Tiersegnungen

Das Geld ist momentan überall knapp – Mallorcas Tierschützer sind da keine Ausnahme. Besonders düster sieht es derzeit bei Baldea, dem Dachverband der balearischen Tierschutzvereine, aus. Seit Monaten hängt die Hiobsbotschaft, dass die Hauptsponsorin ihr Engagement Ende 2012 einstellen wird, wie ein Damoklesschwert über der Vereinigung. „Unsere Finanzierung in der bisherigen Form ist in Gefahr", sagt Koordinatorin Maxi Lange. Und damit auch ihre eigene Stelle. „Wenn nichts nachkommt, bin ich bald arbeitslos."

Lange ist neben einem Tierarzt die einzige hauptamtliche Mitarbeiterin von Baldea. Daneben gibt es seit knapp einem halben Jahr eine Halbtagskraft, die sich vor allem um PR und Marketing kümmert. „Wir haben im Monat Personalkosten in Höhe von etwa 7.000 Euro", erklärt Schatzmeisterin Petra Steiner. Wobei die Materialkosten für die Kastrationen, die der Tierarzt vornimmt, schon enthalten seien. Allein 2.500 Euro seien monatlich nötig, damit das Kastrationsmobil, das die Tierschützer seit Langem in Betrieb nehmen wollen, effektiv arbeiten könne. All diese Kosten stemmte bisher eine tierliebe Wohltäterin aus Deutschland. „Das war unsere einzige kontinuierliche Einnahmequelle", sagt Lange.

Um nicht auf einzelne Spenden angewiesen zu sein, die ohnehin meist allein für das Begleichen der Telefonrechnung oder der Benzinkosten draufgehen, will Baldea nun um Unterstützer werben, die den Tierschützern mit regelmäßigen Beiträgen finanziell unter die Arme greifen. „Als Dachverband, in dem nur andere Vereine zusammengeschlossen sind, haben wir schließlich keine zahlenden Mitglieder", erklärt Steiner. Wenn von den sogenannten colaboradores, um die man sich nun bemühen will, jeder nur fünf Euro im Monat beisteuere, sei man schon einen großen Schritt weiter. „Dann müssen wir nicht auf sporadische Spenden warten, sondern können kalkulieren, welche Summe wir beispielsweise für den Tierarzt und die Kastrationen zur Verfügung haben."

Erstmals will Baldea am 17. Januar groß die Werbetrommel für dieses Vorhaben rühren. Für den Antonius-Tag (Sant Antoni), wenn in Palma und auch anderswo auf Mallorca Tiere gesegnet werden, ruft die Vereinigung zur ersten „Diada ­Animalista", zum ersten Tierschutz-Tag, auf. Da das Geld auch in Palmas Stadtkasse knapp ist, bat man gar nicht erst um einen finanziellen Beitrag, sondern um die Erlaubnis, für die Aktivitäten städtische Räumlichkeiten nutzen zu dürfen, berichtet PR-Frau Nieves Martín. „Und nun ist Palma die erste Kommune, die den Tierschutz statt Stierkämpfe bezuschusst."

Mit Filmvorführungen, Vorträgen oder einer Tauschbörse, an denen man für jeweils einen Euro teilnehmen kann, will Baldea zudem Einnahmen erzielen, die dem 2012 ins Leben gerufenen Präventions­projekt „Mehr Sozialkompetenz durch Haustiere" zugute kommen. Es soll Schulkindern vermitteln, wie man ein Tier artgerecht hält – und verhindern, dass noch mehr Katzen oder Hunde ausgesetzt werden. „Die 30 Tierheime auf der Insel platzen aus allen Nähten, jeden Tag werden 40 bis 50 Haustiere sich selbst überlassen", sagt Martín. „Dem müssen wir endlich

entgegenwirken." Einen finanziellen Beitrag zu diesem Projekt können Besucher zudem durch den Erwerb von vegetarischen Tapas oder Ansteckern leisten, die ebenfalls für einen Euro verkauft werden.

Für den reibungslosen ­Programmablauf am 17. Januar sucht Baldea noch Freiwillige, die etwa Flyer verteilen oder im „Hunde-­Hort" mithelfen. Interessenten können sich – auch auf Deutsch – bei Nieves Martín unter comunicacionbaldea@gmail.com melden.

Im E-Paper sowie in der Printausgabe vom 10. Januar (Nummer 662) lesen Sie außerdem:
- Das Glas ist halbvoll: So schlecht geht es Mallorca doch gar nicht
- Lauer Schlussverkauf bisher
- Letztes Stündlein für Müllschlucker: Unterirdisches System aufgegeben
- Wandern mit Passierschein: Immer wieder das wegerecht
- Auftakt zum "La Paca"-Prozess
- Tod eines zu langsamen Pferdes
- Baldea setzt auf Mitgliedabeiträge

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