Bio-Imker auf Mallorca: Nur sanfte Mittel für das Bienenvolk

Juan Manuel Vergara über artgerechte Haltung und Qualitätshonig

03.01.2018 | 09:24
Juan Manuel Vergara (2. v. re.) mit anderen Imkern bei der Behandlung eines Bienenvolkes gegen den Milbenschädling.

Gesunde Bienen: Dafür engagiert sich eine Gruppe von 35 Imkern auf der Insel. Sie betreiben die Imkerei nebenberuflich, denn von ihr allein könnten sie nicht leben. Sie treffen sich regelmäßig, geben Anfängern und Fortgeschrittenen Unterricht und bilden sich einmal im Jahr bei Experten fort. Unterstützt werden sie vom Dachverband der Ökolandwirte Mallorcas, der Associació de la Producció Agrària Ecològica de Mallorca (Apaema) mit Sitz in Porreres. Die Gruppe bemüht sich, bei der Landesregierung das Herkunftssiegel „Miel de
Mallorca" zu bekommen.

Juan Manuel Vergara (40) spricht im Namen der Gruppe in Algaida mit der MZ. Der Biologe unterrichtet hauptberuflich im Auftrag des Inselrats auf dem Landgut Raixa Gemüseanbau und Gartenpflege. In seiner Freizeit betreut er mit einem Freund 80 Bienenstöcke in S'Esgleieta, s'Horta und Campos. Weitere unterhält er mit seinem Schwiegervater auf Menorca.

Soll es künftig mehr Bio-Honig auf der Insel geben?
Uns Imkern geht es nie um Quantität, aber die Bedingungen für Öko-Honig sind auf der Insel kompliziert. Nicht nur die Bienen müssen artgerecht und ohne Chemie gehalten werden. Auch die Fincas, auf denen die Bienenstöcke stehen, brauchen für einen Umkreis von drei Kilometern ein Bio-Zertifikat. Wir versuchen, auch für kleinere Anwesen die Genehmigung für die Produktion von Öko-Honig zu bekommen. Aber am wichtigsten ist uns, dass wir mit den Bienen so umgehen, dass ihr Wohlergehen immer an erster Stelle steht und nicht der Honig oder dessen Vermarktung. Das unterscheidet uns auch von konventionellen Imkern.

Es soll also einfacher werden, Öko-Honig zu produzieren €
Was den Behördenaufwand betrifft, soll es einfacher werden. Wir wünschen uns jedoch mehr Professionalität bei den Imkern der Insel. Vielen von ihnen erscheint es einfacher, gegen die Varroamilbe chemische Mittel einzusetzen. Es ist jedoch erwiesen, dass sich die toxischen Substanzen in den Körpern speichern und auch in den immer wiederverwendeten Waben. Irgendwann legt die Königin dort entweder keine Eier mehr ab, oder die Brut ist nicht mehr gesund. Die Insekten werden auch häufig resistent gegen die Chemie.

Welche Mittel setzen Sie gegen die Varroamilbe ein, die weltweit für das Bienensterben mitverantwortlich ist?
Wir versuchen, mit dem Schädling zu leben und verwenden ausschließlich pflanzliche Mittel, wie beispielsweise Thymol, das aus Thymian gewonnen wird. Zusätzlich kann man Waben mit größeren Öffnungen in die Bienenstöcke hängen. In diese legt die Königin dann Eier, die größer sind und aus denen Drohnen schlüpfen. Diese sind die bevorzugten Opfer der Milben. Wir entfernen die Waben mit den Drohnen im richtigen Moment und vermeiden, dass sie die Milben beim Hochzeitsflug weiterverbreiten.

Sie behelfen sich auch nicht mit Zuckerwasser als Futter €
Dies ist in der artgerechten Haltung nur dann erlaubt, wenn es die letzte Rettung für einen sterbenden Schwarm ist. Konventionelle Imker verabreichen Zucker, damit die Bienen satt werden, weil sie ihnen den gesamten Honig weg­genommen haben.

Machen die Bienen auf der Insel einen Winterschlaf?
Nein, denn es blühen auf der Insel auch im Winter Pflanzen. Die Arbeiterinnen können bei etwas Sonnenschein Nahrung für den Nachwuchs sammeln. Mit genügend Vorräten kann dieser auch ein paar Tage Kälte überstehen. Mallorca könnte ideal für die Bienenzucht sein, doch leider regnet es hier nicht genug. Deshalb können wir preislich nicht mit dem Honig von der Iberischen Halbinsel konkurrieren. Ein Herkunfts­siegel könnte den Inselhonig zu einer lokalen Delikatesse machen.

Wer dürfte dann seinen Honig „Miel de Mallorca" nennen?
Jeder Honig, der von Bienen auf der Insel gesammelt wurde. Auf den Kanaren haben die Imker das mit Erfolg durchgesetzt. Wenn wir auf den Märkten unsere Gläser anbieten, sind diese viel teurer als die vom Nachbarstand. Oft sind es ehemalige Bienenzüchter, die zu Verkäufern geworden sind, im Dorf aber immer noch apicultor genannt werden. Sie beziehen preiswerten Honig vom Festland und lassen dann auf das Etikett ihren Namen und den des Dorfes drucken. „Xim de Pollença" zum Beispiel. Das ist legal, aber nicht fair.

Bereitet Ihnen die Asiatischen Hornisse schlaflose Nächte?
Noch nicht, denn bei diesem Problem haben die Behörden und die Balearen-Universität (UIB)
hervorragend reagiert. Wenn eine Hornisse aufgetaucht ist, wurde das Nest sofort gesucht, gefunden und zerstört. Mar Leza vom Fachbereich Biologie der UIB hat den wissenschaftlichen Hintergrund geliefert, und so konnten die Hornissenjäger der Landesregierung sofort reagieren. Die wissenschaftliche Forschung zahlt sich aus.

Sie wünschen sich mehr Forschung über Bienen.
Das Imkerwissen ist auf der Insel nicht an die heutige Generation weitergegeben worden. Es wiederzuerlangen, ist die Aufgabe der Wissenschaft. Wir müssen mehr über die Eigenschaften der Schwarzen Inselbiene wissen. Sie wurde aus einer nordafrikanischen Art und einer vom spanischen Festland gekreuzt. Weil sie als aggressiv gilt, experimentierte man mit Schwärmen aus Italien und Deutschland, die sich jedoch mit den Inselbienen kreuzten. Auch die Landwirte müssen mehr über die Bestäubung der Obstbaumblüte wissen.

Haben die Bienen eine Lieblingsblume auf der Insel?
Eine Biene entscheidet sich immer für die Effizienz und fliegt die Blüte an, die am nächsten liegt. Es gibt aber Pflanzen, die Bienen viel zu bieten haben. Diese haben wir mit Apaema für die Gemeinden aufgelistet (siehe Kasten links). Wir empfehlen diese Pflanzensorten für Grünzonen und Parks.

www.apaema.net

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