Elektro-Golf: das Vergnügen der Sparsamkeit

Inselkompatibel: der neue e-Golf im MZ-Schnelltest auf Autobahn, Nebenstraßen und Ortsdurchfahrten

19.04.2017 | 09:42
Sauberer Stromer versus klimakillende Kerosin-Kiste.

Eines vorab: Wer auf der Straße partout auffallen will oder seinen Mitmenschen demonstrieren möchte, dass er mit einem bekanntlich nicht ­billigen Elektroauto unterwegs ist, für den ist der neue e-Golf VII in der Facelift-Version von 2017 nichts. Denn er unterscheidet sich nur höchst unmerklich von den bau­gleichen Modellen, die mit Benzin oder Diesel unterwegs sind. Hersteller wie BMW mit dem i3 oder Re­nault mit dem Zoe haben da eine andere Strategie verfolgt und ihren Stromern ein futuristisches Gesicht verliehen. Aber vielleicht ist das dem Golf-Fahrer ja auch nicht so wichtig. Das Auto steht ohnehin nicht gerade für übertriebene Individualität. So erkennt man die elektrische Version des Golf von außen höchstens an einer blauen Zierleiste im Frontbereich unterhalb der Motorhaube.

Auf dem Gelände der Rennstrecke von Llucmajor hatte Volkswagen Anfang April seine Flotte von Sondermodellen des Golf VII aufgebaut - den GTI, den sportlichen R-Golf sowie den Golf GTE, einen Plug-in-Hybriden mit einer Mischung aus Elektroantrieb und Diesel. Und nicht zuletzt den e-Golf, der ausschließlich mit Strom fährt. VW will die Elektromobilität trendy machen. Deshalb sind zur Veranstaltung auf Mallorca mit Peter Maffay und dem Schauspieler Max von Thun, der selbst einen Plug-in-Hybrid fährt, zwei Prominente auf der Rennstrecke anwesend, die selbst die Autos testen und mit den Journalisten plaudern. „Damit wollten wir eine breitere Öffentlichkeit schaffen und nicht zur Autozeitschriften anlocken", erklärt die Leiterin der Lifestyle-Kommunikation, Carolin Müller-Dendler. Die Rechnung geht auf. So tummeln sich unter anderem Vertreter der „Cosmopolitan", der „Bild der Frau" oder auch „Hörzu" auf dem Testgelände.

Wir interessieren uns heute aber vor allem für das Auto, genauer gesagt für den e-Golf, der in Deutschland ab 35.900 Euro zu haben ist und in Spanien für etwa 38.000 Euro. Schließlich sind wir bei der MZ schon beinahe alte Hasen, was Elektromobilität angeht. So fuhr die Redaktion bereits den Renault Twizy, einen Nissan Leaf, einen BMW i3 und einen Renault Zoe – alle elektrisch angetrieben.

Der Golf überzeugt beim Einsteigen mit viel Platz für den Fahrer und einer übersichtlich gestalteten Navigation. Laut Anzeige haben wir knapp 280 Kilometer Reichweite. Der Wagen setzt sich gewohnt lautlos in Bewegung und surrt zur Autobahnauffahrt in Richtung Palma. Ein erster Beschleunigungstest beim Einfahren auf die autopista: Der Golf geht ordentlich ab, allerdings braucht er laut Beschreibung 9,6 Sekunden von 0 auf 100 km/h und damit gut zwei Sekunden länger als der BMW i3.

Aber auf Mallorca geht es ja vor allem um Reichweite - und die Frage, ob man auf der doch recht übersichtlichen Insel mit dem Elektroauto auch überall hin- und wieder zurückkommt. Auf der Autobahn haben wir erstmals
Gelegenheit, die beiden Ökomodi auszuprobieren. Der e-Golf bietet dem Fahrer neben der Normalversion auch zwei unterschiedlich stark gewichtete Schongänge an. Vor allem der zweite lässt die Batterie-Reichweite sprunghaft ansteigen.

Dennoch: Hier auf der Autobahn schluckt der Golf nicht schlecht. Wir fahren ab und über Son Ferriol auf die Schnellstraße Richtung Manacor. An der Steigung von Xorrigó testen wir die Beschleunigung. Während der Wagen im Normal­modus auch am Berg kräftig zieht, wird er im schonendsten Ökomodus ein Stückchen langsamer.

In Algaida fahren wir ab und durch das Dorf am Berg von ­Randa vorbei nach Llucmajor. Auf dieser Strecke spielt der Golf seine Stärke voll aus: Wer möchte – und man sollte es tun –, kann zwischen verschiedenen sogenannten
Rekuperationsstufen wählen, die die Batterie wieder aufladen, wenn man nicht beschleunigt. Sie sind mit einem Griff an den Steuerknüppel abrufbar. Stufe drei besitzt dabei die stärkste Rekuperationskraft. Während die Anzeige an der Ausfahrt Algaida gerade noch 171 Kilo­meter Reichweite vorsieht, haben wir durch eine sparsame Fahrweise in Llucmajor 189 Kilometer auf dem Tacho stehen, also 18 Kilometer mehr. Das bereitet Freude.

Genauso, wie auf der Autobahnauffahrt von Son Noguera wieder nach Herzenslust zu beschleunigen. Mit diesem Sprint opfern wir dann wieder 13 Kilometer Reichweite.

Aber es soll ja auch ein bisschen Spaß machen.

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