Noch jemand Interesse an Air Berlin?

Im Bieterverfahren hat sich jetzt auch der frühere Real-Mallorca-Präsident Utz Claassen zu Wort gemeldet. Die Zeit drängt – auch für Niki

14.09.2017 | 10:07
"Investoren an der Hand": Unternehmer Utz Claassen.

Fast kein Tag vergeht, ohne dass ein neuer Interessent für das frühere Mallorca-Shuttle Air Berlin gehandelt wird. Rund eine Woche, bevor am 15. September die Frist abläuft, während der noch Angebote für die Pleite-Airline an den Generalbevollmächtigten Frank Kebekus abgegeben werden können, ist jetzt auch der Name des früheren EnBW-Chefs Utz Claassen im Spiel. In den vergangenen Tagen folgten dann noch der Berliner Hotelbetreiber Alexander Skora und die Logistikfirma Zeitfracht.

Seit Anfang an auf der Liste steht die Lufthansa, die schon vor dem Insolvenzantrag Mitte August Gespräche mit Air Berlin über eine Übernahme von Unternehmensteilen führte – eine Komplettübernahme dürften die Wettbewerbs­hüter unterbinden. Als weitere Interessenten gelten außerdem Condor, Easyjet und der Unternehmer Hans Rudolf Wöhrl. Und auch Ex-Formel-1-Star Niki Lauda prüft laut Medienberichten, ob er ein Gebot für die einst von ihm gegründete Niki abgeben will.

Claassen fordert Expansion

Claassen hat dagegen laut „Spiegel" Interesse, Air Berlin womöglich komplett zu kaufen und zu sanieren. Er habe „hochpotente und hochseriöse internationale Investoren" kontaktiert, mit denen er freundschaftlich verbunden sei, zitiert das Magazin aus einem Schreiben an den zuständigen Sachverwalter. Gegenüber der Mallorca Zeitung bittet der frühere Mehrheitsaktionär und Präsident von Real Mallorca, der sein finanzielles Engagement auf der Insel inzwischen ganz eingestellt hat, um Verständnis, dass er das streng vertrauliche Bieterverfahren nicht kommentieren könne, und verweist auf ein Interview mit dem „Handelsblatt". In diesem plädiert Claassen für eine „expansive Sanierung" von Air Berlin. Die stattdessen bislang vollzogene „restriktive Sanierung" habe sich als „finanzwirtschaftlicher Selbstzer­störungsprozess mit Ansage" herausgestellt. Statt Routen und Leistungen zu streichen, sollte mithilfe von restrukturierungswilligen Investoren auf Markennamen, Belegschaft und Vertriebsfähigkeit gesetzt werden, um „zum zweiten nationalen Carrier auf einem Effizienzniveau oberhalb der Lufthansa und auf einem Preisniveau unterhalb der Lufthansa" zu werden. Der Unternehmer outet sich in dem Interview zudem als Fan von Air Berlin. Es treffe ihn im Herzen, dass die Pendelstrecke Hannover–Palma nun eine skandinavische Airline bediene.

Mit seiner Einschätzung ist Claassen in der Branche jedoch in der Minderheit, die Marke gilt bei vielen als verbrannt. „Von Air Berlin wird bleiben, was von LTU blieb: Erinnerung", prognostiziert das Touristik-Fachmagazin „fvw". Die Geschäftsbereiche sollen aufgeteilt werden, und nicht nur die Wettbewerbshüter werden darauf achten, dass niemand bevorteilt wird. Das zeigte schon der Protest gegen den staatlichen Überbrückungskredit in Höhe von 150 Millionen Euro, dank dem der Flugbetrieb erst mal fortgeführt werden kann.

Ryanair-Chef Michael O'Leary sprach von einer indirekten und illegalen Hilfe für die Lufthansa, und auch die Airline Germania hatte einen Eilantrag gegen den Kredit beim Landgericht Berlin eingereicht. In Brüssel wurde das Darlehen am Montag (4.9.) inzwischen abgesegnet – unter Auflagen: Das Geld müsse in Tranchen entsprechend dem Finanzbedarf ausgezahlt werden. Zudem verlangen die Wettbewerbshüter Sicherheiten, dass der Kredit auch vollständig zurückgezahlt werde.

Was wird aus Niki?

Eine schnelle und umfassende Lösung ist insbesondere für Niki wichtig. Die österreichische Tochter, die seit dem Frühjahr die ­Mallorca-Routen für Air Berlin fliegt, gilt als profitabel. Bislang wurde kein Insolvenzantrag bei den Behörden in Österreich gestellt – doch das könnte sich ändern, falls sich ein Verkauf verzögern sollte. Das Geld reiche nur bis Anfang November, berichtet die „Bild-Zeitung" unter Berufung auf Unternehmenskreise.

Niki war eigentlich an Etihad verkauft worden. Nachdem aber der Großaktionär Air Berlin weitere finanzielle Unterstützung aufgekündigt hatte und ein Insolvenzverfahren eingeleitet werden musste, gehört die österreichische Tochter weiter der Pleite-Airline. Die Wettbewerbsbehörden hatten den Deal, für den offenbar auch schon die vereinbarten Millionen flossen, noch nicht genehmigt. Neben Niki Lauda wird auch Condor Interesse speziell an Niki nachgesagt. Der Billigflieger Easyjet dagegen prüft auch vor dem Hintergrund des Brexit einen Standort in Europa und würde wohl auch gern Air-Berlin-Personal aus Verwaltung und Technik übernehmen, für das sich sonst kaum jemand interessiert.

Im Ungewissen sind speziell die wenigen am Standort Palma verbliebenen Mitarbeiter. Die 43 Angestellten fühlten sich „diskriminiert, betrogen und ausgeschlossen vom Insolvenzprozess", heißt es in einer Pressemitteilung der Gewerkschaft USO vom Samstag (2.9.). Nachdem drei Briefe an die Zentrale in Berlin unbeantwortet geblieben seien, schließe man einen unbefristet Streik nicht aus.

Antworten dürfte es am 21. September geben. Dann soll der Gläubigerausschuss entscheiden, wer letztendlich zum Zug kommt. Geht das Kalkül auf, könnten die ehemaligen Air-Berlin-Jets dann nach dem Jahreswechsel unter den neuen Eigentümern abheben.

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