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Blog Med-in-Mallorca - Javier Moreno

Javier Moreno

Seit 1998 lebe ich, Javier Moreno, auf Mallorca und betreibe eine kardiologisch-/internistische Praxis. In diesen Jahren habe ich in der Arbeit mit unseren Patienten die Erfahrung gemacht, dass “gute Medizin” auch v.a. Problem lösen heisst: ehrliche Information, Empathie und Hilfsbereitschaft in kleinen und grossen Dingen. Medizin ist ein so vielfältiges und interessantes Feld, dass ich seit einigen Jahren versuche, auch anderen Menschen, die nicht als Patienten in meine Praxis kommen, über meinen Praxis-Blog (in Spanisch und Deutsch) mein persönliches Verständnis zu Themen gesundheitlichen und medizinischen Inhalts näherzubringen und mich mit ihnen auszutauschen.

Über diesen Blog | Gesundheit

Neuigkeiten und Meinungen zu Medizin und Gesundheit


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  • 14
    November
    2017

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    Mallorca Gesundheit

    Juchhu – weniger Steuern

    Juchhu – weniger Steuern

    ... bei Obst und Gemüse! Sie brauchen jetzt also eigentlich gar nicht mehr weiterzulesen.

    Falls Sie tatsächlich eine Erklärung haben möchten, warum die Steuererleichterung vielleicht bald Obst und Gemüse treffen wird und nicht Benzin, Alkohol oder einen Immobilienerwerb, dann liefern Ihnen die für das neue Konzept verantwortlichen Präventionsexperten die Argumente: Die vom Gesundheitssystem nicht mehr finanzierbare Epidemie der Adipositas und ihrer daraus resultierenden Folgeerkrankungen (Diabetes, Herz-Kreislauf, Krebs) soll durch Konsumsteuerung über den Preis bekämpft werden.

    Durch Auswertung von 200 Studien zum Thema Essgewohnheiten und Gewicht im Zusammenhang mit Steuer- und Preiserhöhungen sollte ermittelt werden, in welchem Masse diese Faktoren den Konsum von Fruchtsäften und Genussmitteln, beeinflussen.

    Machen hohe Steuern schlank?

    Aus dieser Metastudie ergibt sich für die Experten u.a. eins: Der Anteil stark übergewichtiger Menschen würde mit einem neuen Mehrwertsteuersystem keinesfalls ansteigen, sondern wohl eher um zehn Prozent sinken.

    Ihre Steueralternativen für Lebensmittel sehen so aus, dass “grüne” Lebensmittel wie Obst und Gemüse grundsätzlich von der Mehrwertsteuer befreit werden; dass Lebensmittel allgemein mit 7 bis zu 19 Prozent besteuert werden,  “rote” Lebensmittel wie Softdrinks z.Bsp. mit eventuell sogar 29 Prozent.

    Derzeit werden die meisten Lebensmittel mit 7 Prozent, Mineralwasser, Fruchtsäfte und Genussmittel mit 19 Prozent besteuert.

    Das erfolgversprechendste und politisch realistischste Modell  nach Angaben der Deutschen Diabetes Gesellschaft wären gestaffelte Steuersätze (wieder schön deutsch-kompliziert):

    • Grün 0 %: Obst und Gemüse
    • Gelb 7 %: normale Lebensmittel wie Nudeln, Milch oder Fleisch
    • Rot 19 %: Produkte mit viel zugesetztem Zucker, Salz oder Fett wie Fertiggerichte, Chips oder Süßigkeiten
    • Plus 29 %: Softdrinks aller Art, d.h. sowohl mit Zusatz von Zucker als auch Zuckeraustauschstoffen

    Dieses Plus bei Softdrinks ist nach Meinung von Experten notwendig, weil die stark zuckerhaltigen Getränke oft eine entscheidende Rolle bei der Entstehung einer Adipositas spielen – noch mehr als Süßigkeiten. Dasselbe gilt auch für Drinks mit Zuckerersatzstoffen.

    Am Anfang steht eine Binsenweisheit: durch Konsumreduktion nimmt man ab! Männer mehr als Frauen. Und dann noch eine: Konsum reduziert man über den Preis. Wenn ein Softdrink zum Luxusgut wird, dann konsumieren wir ihn nicht mehr. Und dann würden sich die adipositasbedingten Krankheitskosten um bis zu 13 Prozent (satte 3,8 Milliarden €) reduzieren.

    Das ist ja eigentlich eine Verzichtserklärung auf jede weitere Präventionsarbeit. Ein Armutszeugnis aller Beteiligten und Verantwortlichen im jahrzehntelangen “Kampf” gegen das Gewicht. Aber die Experten bestehen drauf, dass kein anderes Konzept, also Aufklärung, Schulung, Erziehung denselben Erfolg bringen kann wie unser gutes altes deutsches “Geiz ist geil”.

    Die Folgen der kräftigen Steuererhöhung bei Tabak zwischen 2002 und 2005 sind ihr bestes Argument. Denn danach reduzierte sich der Konsum um gut ein Drittel - und die Jugendlichen starteten später mit dem Rauchen.

    Denjenigen unter uns, denen Besteuerungen (und gerade auf den Mehrwert) grundsätzlich eher als “billige” Einnahmequelle vorkommen und denjenigen unter uns, die auf oben erwähnte, jetzt wohl etwas angegraute Konzepte wie Information, Vorbilder, Erziehung, bauen, kommen vielleicht ernsthafte Zweifel an der zukünftigen Strategie unserer Regierung und ihren führenden Experten gegen die Volkskrankheit “Adipositas”.

    Der Versuch, unseren Zuckerkonsum über Geld zu steuern zu können, ist so simpel gedacht, wie den Rückgang des Tabakkonsums als Erfolg zu bezeichnen und allein mit Preiserhöhung zu erklären. Die Wahrheit zum Thema (junge) Generationen und Drogenkonsum sieht wohl etwas anders aus.

    Bleiben Sie gesund!

     

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