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Blog Med-in-Mallorca - Javier Moreno

Javier Moreno

Seit 1998 lebe ich, Javier Moreno, auf Mallorca und betreibe eine kardiologisch-/internistische Praxis. In diesen Jahren habe ich in der Arbeit mit unseren Patienten die Erfahrung gemacht, dass “gute Medizin” auch v.a. Problem lösen heisst: ehrliche Information, Empathie und Hilfsbereitschaft in kleinen und grossen Dingen. Medizin ist ein so vielfältiges und interessantes Feld, dass ich seit einigen Jahren versuche, auch anderen Menschen, die nicht als Patienten in meine Praxis kommen, über meinen Praxis-Blog (in Spanisch und Deutsch) mein persönliches Verständnis zu Themen gesundheitlichen und medizinischen Inhalts näherzubringen und mich mit ihnen auszutauschen.

Über diesen Blog | Gesundheit

Neuigkeiten und Meinungen zu Medizin und Gesundheit


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  • 23
    Juni
    2017

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    Mallorca Gesundheit

    Krebs – das wuchernde Geschäft

    Krebs – das wuchernde Geschäft

    Deutschland ist ein Land, in dem Furcht und Sicherheit immer ziehende Argumente für Ausgaben aller Art sind und womit auch beträchtliche Ausgabensteigerungen gut argumentiert werden können. So sind ganz konkret die Summen für ambulant verordnete Onkologika seit 2011 um 41 Prozent gestiegen. Fünf der zehn Arzneimittel mit der momentan größten Umsatzsteigerung sind Mittel gegen Tumorerkrankungen.(Die Kosten aller anderen Arzneimittel ohne Rezepturen nahmen im Vergleich um 20 Prozent zu).

    Bei den Ausgaben für die (31) einschlägigen Medikamente in Europa, Australien und Neuseeland ist Deutschland international im Vergleich “führend”; bei 90 Prozent der Mittel liegen die Preise in Deutschland über dem internationalen Mittelwert. Acht der gängigen Arzneimittel sind in der Republik sogar am teuersten.

    Das Problem ist, dass diese Kosten nicht durch eine größere Anzahl an betroffenen Patienten hervorgerufen wird; auf steigende Patientenzahlen entfallen seit 2011 nur acht Prozent der Kostensteigerung.

    Die Kritik (konkret der BEK) richtet sich gegen die Hersteller und ihre Preispolitik: deren eindeutiges Ziel ist der maximale Umsatz!  Das Problem sind nicht schlichtweg Kostensteigerungen, sondern das  Ausmaß der Steigerungen.

    Es gibt in Deutschland keine faire Diskussion über Kosten und Nutzen der onkologischen Präparate, so die Verantwortlichen bei der Krankenkasse. So z. Bsp. betrachten sie auch den Trend zu sogenannten “Orphan-Drug”-Zulassungen, für die es geringere Anforderungen an klinische Studien gebe (ganz geht’s viel schneller an den Markt), mit Skepsis.

    Studien zu Kosten und Nutzen

    Die Kasse propagiert auch, dass der Einsatz innovativer Krebspräparate an stationäre oder ambulante Zentren gebunden wird und ALLE Patienten, die mit diesen Medikamenten behandelt werden, in Studien eingeschlossen werden, um mehr Evidenz über den Nutzen zu gewinnen.

    Ein bisschen mogeln bei Packungsgrössen und Haltbarkeitsdaten

    Kritik gibt es auch an den Apotheken. Zu viele Restmengen fallen bei der Herstellung von Zytostatika-Rezepturen in der Apotheke an. Das hat zwei Gründe: Einzelne Pharmafirmen versuchen mit Überschuss ihren Gewinn zu maximieren, nehmen praxistaugliche Packungsgrößen mit Einzeldosierungen vom Markt und ersetzen sie durch größere Packungen. Auch mit der tatsächlichen “Haltbarkeit” (was ja auch im Bereich der Nahrungsmittel inzwischen Thema ist) von angebrochenen onkologischen Arzneimittelstammlösungen wird manipuliert. Die BEK z. Bsp. hat allein im Jahre 2015  zehn Millionen Euro Kosten für ungenutzt weggeworfene Arzneimittel gehabt, letztlich wertvolles Geld ihrer Versicherten, unser Geld.

    Bleiben Sie gesund!

     

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