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Mallorca-Wein soll eigene Marke bekommen

Wie der Winzerverband Vi de la Terra de Mallorca eine eigene Herkunftsbezeichnung einführen will

Magdalena Mesquida von Vi de la Terra Vi de la Terra

Mallorca – das ist mehr als eine Insel, es ist eine Marke. Und zwar eine, die sich gut verkauft. Mallorca steht für Sonne und ein mediterranes Lebensgefühl, für gute Produkte. Genau darauf will Magdalena Mesquida aufbauen. Die 55-Jährige ist Präsidentin des Winzerverbands Vi de la Terra de Mallorca. Und daraus will sie nun mehr machen, nämlich eine eigene Herkunftsbezeichnung D.O. Mallorca.

Wein der Marke Mallorca Marlene Weyerer

Der Verband nimmt bisher die bodegas auf, die zwar qualitativ hochwertigen Wein produzieren, aber nicht zu den traditionellen Herkunftsbezeichnungen D.O. Binissalem und D.O. Pla i Llevant gehören. Zum Beispiel weil sie in einem anderen Gebiet anbauen oder weil sie sich bei der Auswahl der Rebsorte nicht einschränken lassen wollen. „Viele unserer Mitglieder aus der Gegend von Santa Maria del Camí sind bei uns statt in der D.O. Binissalem, weil sie mehr mit fremden statt mit lokalen Rebsorten arbeiten wollen“, sagt Mesquida. Um zur D.O. Binissalem zu gehören, müssen Rotweine zu mindestens 30 Prozent aus der lokalen Rebsorte Manto Negro bestehen und zu höchstens 30 Prozent aus den ebenfalls autochtonen Gorgollassa-Trauben. Weißweine müssen mindestens mit 50 Prozent Prensal oder Moscatel-Trauben gemacht werden.

Möglichst grosses Anbaugebiet

Infolge des offeneren Zugangs hat Vi de la Terra mehr Bodegas als die beiden D.O.s zusammen. 72 Weingüter sind Mitglied in dem Verband. Wenn aber daraus eine eigene Herkunftsbezeichnung werden soll, könnten manche der Mitglieder herausfliegen. „Eine Herkunftsbezeichnung braucht feste Kriterien wie das Anbaugebiet“, erklärt Mesquida. Auch ein gewisser Prozentsatz an lokalen Rebsorten wird wahrscheinlich zur Voraussetzung. Ihr Ziel sei es, einen möglichst großen Teil der Insel als Anbaugebiet festzulegen und den Prozentsatz an vorgegebenen Rebsorten gering zu halten. „Wir versuchen, die meisten unserer Mitglieder mitzunehmen.“ Manche müssten für eine geschützte Herkunftsbezeichnung in den sauren Apfel beißen und auch lokale Rebsorten dazunehmen. Wer sich dagegen entscheidet, könne zum Beispiel dem Verband Vi de la Terra Illes Balears beitreten.

Eine D.O. zu gründen, ist ein langwieriger Prozess. Mesquida, die 2022 zur Präsidentin von Vi de la Terra gewählt wurde, geht nicht davon aus, dass sie in ihrer vierjährige Amtszeit noch das Ergebnis sieht. „Vielleicht werde ich ja ein zweites Mal gewählt, dann kann ich die Arbeit auch selbst zu Ende führen“, hofft sie. In einem ersten Schritt müssen wissenschaftliche Studien über die Bodenbeschaffenheit auf Mallorca erstellt werden, sowie darüber, wie welche Rebsorte hier wächst. Diese Studien hat das balearische Landwirtschaftsministerium bereits bewilligt und in Auftrag gegeben. Damit will Mesquida beweisen, dass die Insel als Ganzes – oder zumindest weite Teile der Insel – als ein gemeinsames Weinanbaugebiet mit spezifischen Eigenheiten betrachtet werden kann. Diese Studien werden etwa zwei Jahre brauchen.

Eigenes Verkostungskomitee

Dann geht es an die politische Arbeit. Von Antrag bis Entscheidung können leicht noch einmal zwei Jahre vergehen. Die Entscheidungsgewalt über Herkunftsbezeichnungen liegt bei der EU. Nach den Studien zur Bodenbeschaffenheit und zu den lokalen Rebsorten muss der Winzerverband dann auch bei den Qualitätsstandards von Herkunftsbezeichnungen bestehen. „Wenn wir mal eine D.O. sind, müssen wir unsere Weine auch bewerten können, dafür organisieren wir uns bereits jetzt“, sagt Mesquida. Innerhalb des nächsten halben Jahres will die 55-Jährige ein Verkostungskomitee zusammenstellen, das die Qualität der Weine künftig kontrolliert.

Mesquida betont, dass sie mit ihrer künftigen D.O. niemandem auf die Füße treten will. „Die beiden historischen Herkunftsbezeichnungen werden natürlich bestehen bleiben“, sagt sie. Damit auch diese von der Marke Mallorca profitieren, schlägt Mesquida sogar vor, dass die Herkunftsbezeichnungen den Namen der Insel in ihre Titel aufnehmen, etwa D.O. Binissalem Mallorca.

Um den großen Schritt Richtung D.O. gut zu planen, war Mesquida zusammen mit einigen Mitstreitern vor kurzer Zeit in ein Gebiet in Katalonien gereist, in dem alte und neue Herkunftsbezeichnungen nebeneinander bestehen. Neben den beiden großen D.O.s – Catalunya und Tarragona – gibt es die traditionelle D.O.C. Priorat und seit Kurzem die etwas größere D.O. Montsant, die Priorat und weitere Gebiete im Umkreis erfasst. Dieses Nebeneinander von Priorat und Montsant war für den mallorquinischen Verband genauso spannend wie der Erfolg, den Montsant in wenigen Jahren verbuchen konnte.

Die Katalanen sollen nun Vi de la Terra als Vorbild dienen. „Wir wollen einiges tun, um bekannter zu werden“, sagt Mesquida. Mit Veranstaltungen wie dem Raïm Wine Fest in Costitx im vergangenen Oktober sollen junge Leute auf den Geschmack kommen. Außerdem hat Vi de la Terra bereits Plaketten mit dem Logo des Verbunds erstellt, die die Weingüter ans Tor anbringen können. Dadurch soll auf einen Blick klar werden, dass man es mit einer qualitativ hochwertigen Bodega zu tun hat.

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