31. März 2018
31.03.2018
40 Años

Ab sofort wirbt Mallorca eigenständig um Urlauber

Die Tourismusförderung war bisher Sache der balearischen Landesregierung. Das ändert sich am Ostersonntag. Dann haben die Inselräte das Sagen über die Budgets. Vieles ist dabei noch nicht ganz klar

05.04.2018 | 13:38
Claudia Schiffer lieh ihr Gesicht zu Werbezwecken den Balearen. Hier auf der ITB 2005 mit Ex-Premier Jaume Matas (li.).

Stichtag ist der 1. April: Am Ostersonntag wechseln die Zuständig­keiten in Sachen Tourismusförderung auf den Balearen. Die Verantwortung geht von der Agencia de Turismo de Baleares (ATB) auf die verschiedenen Inselräte von Mallorca, Menorca und Formentera über. Ibiza ist ein Sonderfall, hier trat diese Änderung bereits 2015 in Kraft. Und während es dort offenbar gut funktioniert, hapert es auf Mallorca und Menorca noch. Dieser Eindruck entstand, wenn man bei der Tourismusmesse ITB in Berlin mit den Dezernenten der Inselräte sprach.

Zum Hintergrund: Der Übergang der Zuständigkeiten an die Inselräte bedeutet, dass die Inseln selbst über ein Budget und darüber, wie sie es zur Werbung einsetzen, entscheiden können. Dafür bekommen sie Personal von der ATB zugewiesen. Eigentlich hätte diese Änderung bereits im Jahr 2007 in Kraft treten sollen, verzögerte sich aber immer wieder.

Maite Salord, die zuständige Dezernentin beim Inselrat von Menorca, kann den 1. April kaum erwarten. „Diese Änderung war ja eine Forderung der Inselräte seit vielen Jahren. Sie ist ein weiterer Schritt zu mehr Eigenständigkeit für uns." Jetzt habe man auf der Insel selbst das letzte Wort, was mit dem Budget für die Promotion von Menorca passieren soll.

Stichwort Budget: Da treten erste Unklarheiten zutage. Salord spricht von einem Etat von drei Millionen Euro, die Hälfte davon komme von der ATB, die andere Hälfte stelle der Inselrat. Eine Nachfrage bei Jaume Alzamora, dem Geschäftsführer der ATB, verrät: „Das Budget kommt in diesem Jahr noch komplett von uns. 2018 ist eine Art Übergangsjahr, weil zahlreiche Verträge mit Sub­unternehmen noch laufen."

Klar ist aber, dass Menorca fünf Stellen der ATB bekommt. Formentera wird vier Stellen bekommen, Mallorca zehn, sechs davon sind Mitarbeiter der ATB, vier weitere Posten darf der Inselrat von Mallorca nach eigenen Kriterien besetzen. Wie das genau laufen soll, kann der für Tourismus zuständige Dezernent des Inselrats, Cosme Bonet, in Berlin nicht sagen. „Bisher ist noch unklar, wie das mit den Stellen aussieht. Auch andere Details müssen noch geklärt werden."

2018 wird ein Übergangsjahr

Jaume Alzamora wundert sich nicht, dass es noch Unklarheiten über das Prozedere gibt. Herumgesprochen hat sich der Übergang der Zuständigkeiten ohnehin noch nicht so richtig, räumt er ein. „Wir bekommen weiterhin viele Anfragen von Institutionen, weil sie nichts von dem Wechsel mitbekommen haben." Die Öffentlichkeitsarbeit lässt in diesem Punkt offensichtlich zu wünschen übrig. Auch so manches andere scheint noch im Argen zu liegen. Im Umfeld der ATB murrt so mancher, dass man vor allem bei Mallorcas Inselrat noch keinen wirklichen Plan hat, wie genau der Übergang der Kompetenzen stattfinden soll.

Cosme Bonet behagt das Thema offensichtlich nicht besonders, auch wenn er in anderen Punkten durchaus Auskunft geben kann – Beispiel Etat. „Wir werden etwa ein Budget von gut fünf Millionen Euro im Jahr haben", erklärt er. Alzamora bestätigt die Zahl, weist allerdings darauf hin, dass der Etat rund 3,6 Millionen Euro beträgt, zu dem es eine ­Sonderzuweisung für Mallorca bis zum Jahr 2022 gibt, die noch einmal sieben Millionen Euro vorsieht.

Klar ist: 2018 hat für alle Beteiligten etwas von einem Experiment. Die ATB verabschiedet sich noch nicht ganz aus dem Tagesgeschäft, und die Inselräte haben noch nicht das alleinige Sagen. Alzamora sagt: „Wir werden uns erst 2019 aus der Tourismusförderung ganz zurückziehen. So lange stehen wir den Inselräten beratend zur Seite."

Ibiza hat seit drei Jahren Erfahrungen in der Tourismuswerbung gesammelt. Bei großen Messen, wie etwa der ITB, unterhält man einen eigenen Stand – noch. Der Tourismus­direktor von Ibiza, Vicent Torres, macht keinen unglücklichen Eindruck an seinem Stand. „Wir haben bisher nur gute Erfahrungen mit unserer Eigenständigkeit gemacht", sagt er der MZ. Schließlich könne man die vier Balearen-Inseln ohne Pro­bleme eigenständig vermarkten. „Die Inseln sind nun einmal sehr unterschiedlich." Auch ohne die Hilfe einer Dachorganisation könne man Erfolge vorweisen. So habe es Ibiza geschafft, in der Hauptsaison die Zahl der Urlauber nicht weiter wachsen zu lassen. Dafür würden zahlreiche Sportveranstaltungen die Touristen inzwischen auch in der Nebensaison anlocken.

Ibiza wird in Zukunft seine Eigenständigkeit zumindest bei den großen drei Messen wieder einbüßen: Der Plan ist, dass in Berlin, London und Madrid alle Balearen-Inseln künftig gemeinsam an einem Stand zu finden sein werden. Denn für diese drei wichtigen Termine wird auch weiterhin die ATB zuständig sein, die sich ab dem kommenden Jahr in AETIB (Agencia de Estrategia Turística de les Illes Balears) umbenennen wird und weiterhin für die strategische Ausrichtung im Tourismus auf den Inseln zuständig sein wird.

Neue Märkte ansprechen

Nebenher bleiben vielfältige weitere Aufgaben erhalten, wie Jaume Alzamora klarstellt. Bedenken, dass seine Einrichtung eines Tages überflüssig wird, hat er nicht. „Viele wissen ja gar nicht, dass wir auch die Urlauberstatistiken für die Balearen erstellen oder am Qualitätsmanagement der Inseln mitwirken." Ab diesem Jahr ist die ATB außerdem für die Verwaltung der Touristensteuer zuständig. Von den über 60 Mitarbeitern seien nur 19 für Tourismuswerbung zuständig gewesen, so Alzamora.

Eines der Ziele der Tourismusförderung auf Ibiza und vor allem Menorca sei, wieder verstärkt die deutschen Urlauber anzusprechen. „In den vergangenen Jahren haben wir da viele verloren", sagt Maite Salord. Von etwa 200.000 deutschen Urlaubern auf Menorca vor etwa zehn Jahren seien es aktuell nur rund 50.000 Deutsche. Auf Mallorca will Bonet ein besonderes Augenmerk auf die Dänen, die US-Amerikaner, Kanadier und Osteuropäer legen.

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